Offenburg

Schock über Abriss des Gemeindezentrums St. Martin

Christian Wagner
Lesezeit 5 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
14. Februar 2014
Mehr zum Thema

(Bild 1/2) ©Ulrich Marx

»Geschockt« reagierten viele Gläubige auf den geplanten Abriss des Gemeindezentrums St. Martin. Das Studentenwerk Freiburg will auf dem Areal ab 2015 für 15 Millionen Euro ein Studentenwohnheim mit 200 Wohnplätzen bauen. Gestern erklärten Kirchenvertreter die Beweggründe für ihre Entscheidung.

Ihm war klar, dass es heftigen Gegenwind geben würde, sagte Erhard Krumbein, Stiftungsrat und Gebäudebeauftragter für das Gemeindezentrum St. Martin. Das Thema habe auch bei ihm selbst für Frust gesorgt, gestand er. Denn immer wieder habe es Hoffnungsschimmer gegeben, die sich zerschlagen hätten, berichtete er gestern bei einem Pressegespräch.

Seit 2010 beschäftigten sich der Stiftungsrat Heilig Geist und der Pfarrgemeinderat der Seelsorgeeinheit Offenburg-Südwest mit der Zukunft des Gemeindezentrums St. Martin. Seit Längerem leide der Pfarrbezirk unter einem starken Rückgang an Gläubigen – derzeit seien es rund 840 Katholiken. Aus diesem Grund habe St. Martin 2005 auch mit der Heilig-Geist-Pfarrei fusioniert.

Seitdem verfüge die Pfarrei Heilig Geist über drei Gemeindezentren samt Kirche in Albersbösch, Stegermatt und Uffhofen sowie über die Josefs­kirche in Hildboltsweier – insgesamt 2955 Quadratmeter Gemeinderäume für rund 4900 Mitglieder der Pfarrei (0,6 m2 pro Gläubigem). Die Erzdiözese rechne hingegen mit 0,28 m2 pro Gläubigem, so Krumbein.

Zwei Kaufinteressenten
Folglich sei klar gewesen, dass mit dem überdimensionierten und zudem noch sanierungsbedürftigen Gemeindezentrum St. Martin etwas geschehen müsse. Zunächst sei ein Verkauf und ein gleichzeitiges Einmieten angedacht gewesen. Doch weder die Gespräche mit dem Montessori-Verein, der sein neues Zentrum jetzt in Albersbösch baut, noch mit einem Professor, der ein Institut für die Hochschule erstellen wollte, habe die Lösung gebracht.

Schließlich habe man den Kontakt zum Studentenwerk Freiburg-Schwarzwald hergestellt. Nach statischen Untersuchungen habe sich schnell herausgestellt, dass ein Teil­abriss – also der Erhalt des Kubus mit Kirche und Gemeindesaal – wirtschaftlich nicht darstellbar gewesen wäre. Trotz des Gründstücksverkaufs hätte man sich noch im Minusbereich befunden. Mit dem jetzt geplanten kompletten Abriss würde man einen Erlös von rund 700 000 Euro erzielen. Außerdem soll in das neue Studentenwohnheim ein Multifunktionsraum integriert werden, den die Pfarrei für Gottesdienste und Veranstaltungen nutzen könne. Hierfür soll es einen Mietvertrag über zehn Jahre sowie mit einer Verlängerungsoption über drei mal fünf Jahre geben, führte Winfried Schwatlo, Moderator und Pressebeauftragter der Gesamtkirchengemeinde, aus. Der Bilderzyklus zum Thema Brückenbauen soll überdies in Teilen in das neue Gebäude eingebaut werden. Auch die übrigen wertvollen Gegenstände wolle die Pfarrei wieder sinnvoll verwenden, sagte Pfarrer Alois Balint.

- Anzeige -

Clemens Metz, Geschäftsführer des Studentenwerks, hob die optimale Lage des Grundstücks nahe der Hochschule hervor: »Es ist für unsere Belange perfekt.« Nachdem der Kaufvertrag unterschrieben ist, will das Studentenwerk im Frühjahr 2015 mit dem Bau eines Wohnheims mit 200 Plätzen beginnen. Im September 2016 sollen die ersten Studenten in das 15 Millionen Euro teure Gebäude einziehen. In direkter Nachbarschaft betreibt das Studentenwerk bereits ein Wohnheim mit 70 Plätzen.
Bevor der Kaufvertrag Anfang März unterschrieben wird, muss das Ordinariat in Freiburg noch seine Zustimmung geben. Damit werde jedoch gerechnet, weil alles in enger Abstimmung mit der Erzdiözese erfolgt sei, führte Krumbein aus. Vor dem Abriss müsse das Gebäude entweiht werden.

Alle Gebäude ab 2015 auf dem Prüfstand
Weiteres Kirchensterben in Offenburg nicht ausgeschlossen

Offenburg. Ob mit der Aufgabe des Gemeindezentrums St. Martin das Ende der Fahnenstange erreicht sei, könne er nicht sagen, sagte Markus Doll von der Geschäftsführung der Katholischen Gesamtkirchengemeinde beim gestrigen Pressegespräch. Wahrscheinlich sei aber, dass man in den nächsten Jahren aufgrund des Rückgangs an Kirchenmitgliedern noch vielerorts über solche Themen reden müsse. Zum 1. Januar 2015 verschmelzen die derzeit drei Offenburger Seelsorgeeinheiten mit ihren 14 Pfarreien zu einer großen Seelsorgeeinheit Offenburg. Vertreter der Pfarreien sitzen dann entsprechend ihrer Größe im Stiftungsrat, der über alle Kirchen in der Stadt bestimme und diese auch auf den Prüfstand stelle.

Stadt in der Pflicht
Im Gemeindezentrum St. Martin finde derzeit auch viel Gemeinwesenarbeit statt. Karl Bäuerle, stellvertretender Pfarrgemeinderatsvorsitzender der Seelsorgeeinheit Offenburg-Süd und ehemaliger Leiter des Familienzentrums Uffhofen, stellte klar, dass er die Stadt in der Pflicht sehe, ein Ersatzangebot zu schaffen.

Kommentar: Die Gläubigen mitnehmen!
Natürlich ist das Pfarrzentrum St. Martin überdimensioniert. Natürlich muss auch die katholische Kirche wirtschaftlich handeln, und natürlich hat es sich der Pfarrgemeinde­rat mit der traurigen Entscheidung pro Abriss nicht leicht gemacht. Aber Erhard Krumbein und seine Mitstreiter haben bei allem erkennbaren Ringen um eine gute Lösung einen Kardinalfehler begangen: Sie haben die Gläubigen nicht eingebunden, sondern das Schicksal der St. Martinkirche im stillen Kämmerlein besiegelt. Das Resultat ist Frust bei den Menschen.

Das sollte sich nicht wiederholen, wenn 2015 ganz Offenburg zu einer Seelsorgeeinheit zusammengefasst wird und alle kirchlichen Gebäude auf den Prüfstand gestellt werden. Falls es dann zu weiteren schmerzlichen Einschnitten kommt, wie gestern angekündigt wurde, sollten die Verantwortlichen die Menschen mitnehmen und an den Entscheidungsprozessen beteiligen. Auch im aktuellen Konfliktfall St. Martin ist es dafür noch nicht zu spät.

Mehr zum Thema

Weitere Artikel aus der Kategorie: Offenburg

Der Offenburger Lesesommer geht auch dieses Jahr wieder an den Start. Jetzt steht das Programm fest.
vor 5 Minuten
Offenburg
Im alten Kapuzinerkloster im Grimmelshausen-Gymnasium lesen 20 Offenburger beim Lesesommer vom 5. bis 9. August wieder aus Lieblingsbüchern und Urlaubslektüren vor. Auch OB Steffens traut sich.
Freuen sich über ihren Abschluss: die Stufe 9 der Eichendorff-Gemeinschaftsschule. ⇒Fotos: Schule
vor 9 Minuten
Offenburg
Der Schulabschluss ist ein wichtiges Kapitel, das jetzt auch an der Eichendorff-Gemeinschaftsschule gefeiert wurde. Gleich zwei Jahrgänge verabschiedeten sich mit einem Fest – Babyfotos inklusive.
Liebes OT-Team,
nach dem Programm des Alpenvereins Offenburg ging es am 16. Juni mit acht Personen in die Bergwelt vom Tegernsee. Bei mehreren Tagestouren zeigte sich das einzigartige Panorama der zwei größten Gipfel, Wendelstein und Wallberg auf Tegernsee und Schliersee. Auf dem Wendelstein steht zudem die älteste Kirche Deutschlands. Das Glück wollte es, dass wir eine Woche lang schönes Bergwetter hatten!
Franz und Anneliese Huber
vor 51 Minuten
Urlaubspost
Diese Post hat die Redaktion sehr gefreut. Franz und Anneliese Huber waren mit Freunden am Tegernsee.
Eine kleine Besetzung des ersten Orchesters unterhielt am Sonntag zur Kaffeezeit die Gäste des Fests.
vor 2 Stunden
Am Wochenende
Der Mandolinen- und Gitarrenverein hat am Sonntag nach Zell-Weierbach eingeladen. Viele Gäste folgten der Einladung und lauschten dem Auftritt des Orchesters am Mittag.
Viel Zeit nahmen sich die RTL-Journalisten Tobias Fromholz und Alicia Beisel, um den Offenburger Unternehmer Joachim Lutz (rechts) zu den 1,7 Millionen Euro zu interviewen, die er von der Bundesregierung einklagt. Das Offenburger Tageblatt war beim Dreh dabei. 
vor 2 Stunden
Unternehmer Joachim Lutz
Der Offenburger Unternehmer Joachim Lutz lieferte der Bundesregierung 300.000 Masken. Seit Jahren wartet er auf die dafür in Rechnung gestellten 1,7 Millionen Euro. RTL drehte mit ihm.
Am Bahnhof Biberach werden die Bahnsteige erhöht. Auf dem Pendler-Parkplatz (links hinter der Halle) könnten Stellplätze wegfallen. 
vor 2 Stunden
Biberach
Bahnsteig wird erhöht / Breitbandausbau braucht Baustellen-Einrichtung: Weniger Platz für Pendler?
Rektor Alexander Ritter verabschiedete die Absolventen der Gengenbacher Werkreal- und Realschule.
vor 2 Stunden
Werkreal- und Realschule
Die Werkreal- und Realschule Gengenbach verabschiedete feierlich ihre Absolventen. In einer bewegenden zweitägigen Zeremonie, die unter dem Motto „Follow your dreams“ stand, wurden nicht nur die Abschlusszeugnisse überreicht, sondern auch besondere Leistungen gewürdigt.
Der neue Fessenbacher Ortschaftsrat: (vordere Reihe von links) Markus Litterst, Helga Fleig, der neue Ortsvorsteher Tobias Jogerst, Petra Burger und Paul Litterst sowie (hintere Reihe von links) Monika Freund, Adrian Ruscher, Josef Hugle, Ludwig Holl und Elmar Ritter. 
vor 3 Stunden
Ortschaftsrat
Der Fessenbacher Ortschaftsrat hat Tobias Jogerst einstimmig zum Ortvorsteher gewählt. Markus Litterst, der sein Stellvertreter ist, wurde für 20 Jahre Engagement für den Ort geehrt.
Geehrte und ausgeschiedene Mitglieder des Schutterwälder Gemeinderats (von links): Volker Schillinger, Johannes Ell-Schnurr, Sabine Gabel, Liane Heuberger, Alexander Beathalter, Andrea Junker, Ludwig Bindner, Maria Jung, Arno Wolter, Josef Seigel und Thomas Fritsch mit Bürgermeister Martin Holschuh.
vor 5 Stunden
94 Jahre Engagement
Fünf Räte wurden in der jüngsten Sitzung des Schutterwälder Gemeinderats aus dem Gremium verabschiedet. Für weitere gab es Ehrungen für ihr jahrelanges Wirken in der Gemeindepolitik.
Wo macht er hin? Die Losbesitzer und die Kinder verfolgten gespannt, wie sich die Esel über das Sportgelände bewegten.
vor 8 Stunden
Am Wochenende
Erstmals durften beim Sportfest des SC Durbachtal auch die Kinder beim Menschenkicker-Turnier antreten. Turniere, Eselslotto und Musik lockten viele Menschen auf das Sportgelände.
Gut an seinem welligen Dach zu erkennen ist das Grundstück in der Eckenerstraße 12 (links im Bild), das die Stadt mit Blick auf die Klinikansiedlung erworben hat. 
vor 11 Stunden
Eckenerstraße
Die Stadt hat mit Blick auf die Ansiedlung des neuen Klinikums für 642.000 Euro ein Grundstück in der Eckenerstraße gekauft. Der Mietvertrag mit einer Autowerkstatt bleibt bestehen.
Gute Stimmung herrschte beim Mitarbeiterfest mit rund 100 Gästen. 
vor 11 Stunden
Pfarrgemeinde Appenweier-Durbach
Die Pfarrgemeinde Appenweier-Durbach lud gut 100 Gäste zum Mitarbeiterfest mit Gottesdienst ein.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Kinder, Kinder! Jetzt starten die Sommerferien und es gibt in der Region richtig viel zu erleben. 
    vor 2 Stunden
    Mit dem Magazin "Schöne Ferien" werden es wunderbare Tage
    Im Dampfzug durch die Täler schnaufen, sich im Besucherbergwerk auf die Spuren der Bergleute begeben, bei Sagenwanderungen staunen: In der Region ist im Sommer extra viel los. Entdecken Sie die Ortenau, die angrenzenden Kreise, den Schwarzwald und das Elsass.
  • Spitze in Sache Beratung und Service: Geschäftsführer Emanuel Seifert und Küchenfachberaterin Fabienne Röll, freuen sich über die Auszeichnungen zum 1a-Küchen und Möbel Fachhändler.
    14.07.2024
    Möbel und Küchen Seifert heimst zwei Auszeichnungen ein
    Kunden bestätigen erneut ihre Zufriedenheit:: Möbel und Küchen Seifert in Achern zum 5. Mal in Folge als 1a-Küchen und Möbel Fachhändler ausgezeichnet. Geschäftsführer Emanuel Seifert und Küchenfachberaterin Fabienne Röll sind sehr stolz auf die Auszeichnungen.
  • Mehr als 300 Gäste feierten in festlichem Ambiente bis in die frühen Morgenstunden gemeinsam mit den Familien Benz. @ST-Benz
    26.06.2024
    400 Jahre „Firmengeschichte“ in Berghaupten
    Stimmungsvolles Ambiente, bewegende Reden, atemberaubende Akrobatik, edles Menü und viel gute Laune – 300 Gäste feierten den Erfolg des traditionsreichen Unternehmens, das bereits in der vierten Generation Fortbestand hat.
  • Die Geschwister Paul (von links) und Anna Seebacher führen das Geschäft expert oehler derzeit gemeinsam mit ihren Eltern Dagmar und Ralf Seebacher.
    07.06.2024
    Neueröffnung in Offenburg-Bühl
    Expert oehler in Offenburg-Bühl eröffnet am Montag, 10. Juni, nach umfangreichen Renovierungsarbeiten die neue Miele-Welt. Das gesamte oehler-Team freut sich die Kunden im Gespräch persönlich zu beraten. Wer will, kann die neuesten Geräte direkt vor Ort ausprobieren.