Ein Festtag für die Wallfahrtskirche Zell

Schöne Bilder kehrten zurück

Hans-Peter Wagner
Lesezeit 4 Minuten
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16. August 2022
Für die Familie Vögele ist die Weihe der Kräuter Tradition. Die Enkel Amelie und Felix setzen diese begeistert fort.

(Bild 1/2) Für die Familie Vögele ist die Weihe der Kräuter Tradition. Die Enkel Amelie und Felix setzen diese begeistert fort. ©Hans-Peter Wagner

In und um Zells Wallfahrtskirche wurde mit Hunderten von Gläubigen Mariä Himmelfahrt gefeiert, wie es vor Corona war. Es war spürbar: Die Menschen hatten das vermisst.

So viele Wallfahrer hatte die Zeller Wallfahrtskirche schon lange nicht mehr gesehen. Und so viele altvertraute Marienlieder wie am Sonntagabend waren in Badens größter Marienkirche aus tiefsten Herzen und mit inniger Gläubigkeit schon lange nicht mehr gesungen worden. Die Kirchenbesucher fühlten sich berührt und die schönen Bilder und Erinnerungen von den Mariä Himmelfahrtstagen früherer Jahre kehrten zurück.

Pünktlich mit dem Glockenschlag am Beginn der Festandacht begann es zu tröpfeln, nachdem man über Wochen keinen einzigen Regentropfen gesehen oder gespürt hatte. Waren die Regentropfen nach Wochen der Trockenheit ein Zeichen der Gottesmutter, dass sie die Menschen nicht im Stich lässt, sondern dass sie Hoffnung haben dürfen, dass alles gut wird? Der Festtag gibt Hoffnung.

Zu Beginn der abendlichen Festandacht, die Pater Pius mit Gebeten und Liedern zusammengestellt und sehr feinfühlig und sehr treffend vorbereitet hatte, überreichten Peter Albrecht und Brigitte Metzler als Vertreter des Zeller Pfarrgemeindeteams dem Guardian des Klosters Berthold nach alter Tradition eine Votivkerze. Sie trug den Titel „Maria Königin des Friedens“ und Brigitte Metzler legte der Gottesmutter die vielen Menschen, die weltweit auf der Flucht sind, in ihre Hände.

Als Höhepunkt der Andacht fand wieder die Lichterprozession rund um die Wallfahrtskirche statt. Welch ein Unterschied zu Mariä Himmelsfahrt im vergangenen Jahr. Das Leuchten der Lichter der Kerzen bei der Lichterprozession, die dieses Jahr endlich nach alter Tradition wieder stattfinden durfte, das in diesem Jahr wieder erlaubte Singen altvertrauter Marienlieder, das hatten die Menschen vermisst.

Es herrscht Zuversicht

Dazu wieder das vertraute Bild der Gläubigen aus dem ganzen badischen Land mit den Kräuterbüscheln, wie sie schon Oma zusammengesucht hatte, als Schutz für die Familie und Haus und Hof. Man spürte, es herrschte wieder Aufbruchstimmung, Zuversicht.

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Die musikalische Umrahmung der Lichterprozession durch die Musikkapelle Unterharmersbach unter der Leitung von Vizedirigent Patrick Friedmann kam ebenfalls bestens an. Ebenso die festliche Orgelmusik beim Einzug. Bruder Pirmin trug die Bitten, den Dank für Schutz und die Hilfe in allen Nöten vor. Bruder Berthold freute besonders, dass die Kirche voll besetzt war und die Bänke auf dem Vorplatz ebenfalls gut gefüllt waren.

Das feierliche Hochamt erhielt am Festtag Mariä Himmelfahrt durch die Beiträge des Kirchenchores Zell unter Wolfram Dreher eine festliche Note. Das Hochamt wie die anderen drei Messen hielt Bruder Jens Kusenberg aus München. Der 22-jährige Kapuziner erhielt für seine frei gehaltene Predigt spontanen langanhaltenden Beifall.

Sein Kernsatz: „Es gehört zu einem christlichen Leben, dass man das im Glauben Erkannte auch in sein Leben übersetzt und bezeugt. So auch die Glaubenssätze zu Maria, die die Kirche lehrt. Es ist die Zusage und das Ziel, dass dem Gläubigen die Herrlichkeit Gottes zugesagt ist. Das Leben und Beispiel der Gottesmutter zeugt davon.“

Viele Gläubigen ließen traditionell ihre mitgebrachten Kräuerbüschel am Festtag Mariens weihen. Eine Familie aus Oberkirch kommt schon seit Jahrzehnten zum Festtag nach Zell: „Wir wollen der Gottesmutter danken, dass sie uns das ganze Jahr beschützt.“ Auch das passiert am Festtag: Die ehemaligen Schulkameradinnen Maria Lehmann aus Hippersbach und Gretel Schmid aus Hausach treffen und finden sich unter den vielen Menschen. Ihr Kommentar: „Dass wir uns treffen, haben wir Maria zu verdanken.“

Familie Seger aus Goldscheuer sagt: „Wir sind heute zum erstenmal zur Lichterprozession in der Zeller Wallfahrtskirche und tief beeindruckt. Der Kräuterbüschel soll uns das ganze Jahr erinnern und Maria uns beschützen.“ Eine Familie aus Fischerbach: „Wir kommen jedes Jahr hierher und vertrauen auf den Schutz und die Hilfe der Gottesmutter. Sie hat uns immer geholfen.“

Jedes Jahr in Zell

Kurt Urban und Anton Müller, beide aus Zell, haben sich den schönsten Platz auf dem Bänkle auf dem Kirchplatz herausgesucht, wo sie den Festgottesdienst mitfeiern. Der 86-jährige Senior des Klosters, Pater Hadrian, begrüßt eine Frauengruppe aus Wellendingen bei Rottweil: „Auch wir kommen jedes Jahr, um den Schutz der Gottesmutter zu erbitten. Außerdem besuchen wir das Grab unseres Schulkameraden Pater Rupert, der auf dem Klosterfriedhof hier begraben ist.“ Es ist schon Tradition, dass Monika und Hubert Vögele aus dem Hinterhambachtal mit den Enkeln Amelie und Felix an Mariä Himmelfahrt zur Wallfahrtskirche gehen und die Kräuterbüschel weihen lassen. Und alle freuten sich.

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