Offenburg

Selbst die Elefanten nahmen Abschied von ihr

Autor: 
Ursula Groß
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
13. Dezember 2010

Dramatisches, Herzergreifendes, Begeisterndes: In unserer Serie »Circus-Geschichten« erzählen wir bis zur Premiere des 15. Offenburger Weihnachtscircus’ am 22. Dezember täglich eine Anekdote aus dem Leben von Zirkusdirektorin Anja Oschkinat.
Offenburg. Nicht um die Sensationslust zu befriedigen oder gar in der Art »Freud und Leid« über den Offenburger Weihnachtscircus zu berichten, veröffentlichen wir in unserer Serie auch diese tragische Geschichte. Sie zeigt vielmehr den Zusammenhalt der Zirkusleute weltweit und das Selbstverständnis ihres Berufsethos. Was war geschehen, Anja Oschkinat kommen die Tränen, als sie vom tödlichen Unglück der Mutter Franziska von der Zirkusfamilie Folco erzählt. »Sie wollten im Jahr 1998 ein paar Tage früher nach Offenburg kommen«, um mit ihren Tiernummern, Elefanten, Pferden und einem Kamel, die Unterkunft am Messeplatz einzurichten. Am Mittwoch lenkte der Tross am Morgen mit allen Folcos auf den Tiertransportern, Lkw-Auflegern, Containern und einem Wohnwagen auf die Autobahn vom Winterquartier Hanau bei Frankfurt. Nach drei Kilometern sah Tochter Adriana Folco, dass vor ihr etwas passiert sein musste. Zuerst dachte sie, dass ein Reifen des Wohnwagens geplatzt sei, nur noch ein dunkles Knäuel konnte sie erkennen. Es war ihre Mutter, Franziska Folco, die aus dem laufenden Fahrzeug gesprungen war, vermutlich hatten die Bremsen die leichte Absenkung der Autobahn nicht mehr halten können, rätselte man hinterher. Franziska Folco erlitt schwerste Kopfverletzungen an denen sie wenige Tage nach dem Unfall verstarb. »Am Nachmittag dieses Mittwochs habe ich von der völlig aufgelösten Tochter Bruchstücke von dem erfahren, was sich auf der Autobahn zugetragen hatte«. Die Tiere mussten weggeschafft werden, die Mutter war per Hubschrauber in die Klinik transportiert worden und die Zirkuskarawane kehrte zurück nach Hanau. »Es war einfach der Horror«, erinnert sich Anja. Doch sie blieb nicht allein in Ratlosigkeit und Verzweiflung, André Sarrassani rief an »ich kümmere mich um die Folcos«. Der hatte zeitgleich seinen eigenen Zirkus in Wiesbaden laufen und ließ, wie selbstverständlich, alles »stehen und liegen«. Die hochschwangere Folco-Tochter blieb bei der Mutter in der Klinik. Doch in Offenburg liefen die Proben auf Hochtouren, Folcos Tierbilder waren die einzige Tiernummer des zwölften Offenburger Weihnachtscircus, was tun? »Anja, ich bringe sie dir«, hörte sie von André Sarrassani noch am Telefon. Und tatsächlich, nach drei Tagen kamen die Artisten und ihre Tiere in Offenburg am Messeplatz an. Anja Oschkinat flehte die Presse an, das Unglück nicht zu bringen, zumal die kleinste Tochter (damals zwölf Jahre alt) noch immer hoffte, dass die Mama überlebte. Der Offenburger Weihnachtscircus stand zusammen, alle halfen der Familie beim Aufbau und beim ersten Versorgen der Tiere, erinnert sie sich. Zur Generalprobe kam der Vater Amedeo perfekt geschminkt und hielt seine Pferdedressur durch. »Aber ich sah, dass er während der ganzen Nummer unentwegt mit seiner Frau sprach«, so Anja Oschkinat. Sie war das Herz! Franziska Folco ist zwei Tage später verstorben. Sie war das Herz der italienischen Zirkusfamilie. Bei ihrer Beisetzung war Anja Oschkinat dabei. Die Pferde waren mit roten Rosen geschmückt und Amedeo Folco habe unbedingt den Wunsch seiner verstorbenen Ehefrau erfüllen wollen. »Lasst die Elefanten von ihr Abschied nehmen«, Franziska habe sie so geliebt. Die Dickhäuter warteten am Rand des Friedhofs, schildert Anja. Die internationale Zirkusfamilie erwies Franziska Folco, geborene Althoff, die letzte Ehre. Zurück in Offenburg ging das Programm für die Folcos weiter, »die Mutter hätte das so gewollt«, waren sich die Angehörigen ganz sicher. MORGEN: Was es mit dem »bekanntesten Wohnwagen von Offenburg« auf sich hat.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Offenburg

Die Schattenseiten von Essen to go: Auch in der Wilhelm-Bauer-Straße liegt immer wieder Müll.
vor 3 Stunden
Mülleimer quellen in Parkanlagen über
SPD-Stadtrat Heinz Hättig hat im Gemeinderat moniert, dass in Offenburgs Parkanlagen die Mülleimer überquellen – und richtete einen Appell an die Offenburger.
Die Stahltraverse an der Decke ist eine von vielen Veränderungen in der St. Andreas-Kirche.
vor 5 Stunden
Vorbild "Swiss Church" in London
Die FDP hat in einer „Aktuellen Stunde“ im Gemeinderat Offenburg einen behutsamen Umgang mit der St. Andreas-Kirche und mehr Informationen zu den Plänen für die Neugestaltung gefordert. Derweil verteidigt die Kirche ihr Projekt "Sankta": "Wir wollen neue Wege gehen."
Nach über sechsmonatiger Zwangs-Winterpause können die Wirte in Offenburg darauf hoffen, bald ihre Außenflächen öffnen zu dürfen.
vor 5 Stunden
Zwischen Vorfreude und Verunsicherung
Fünf Tage Inzidenz unter 100, dann ist es so weit: Die Gastronomie in Offenburg steht in den Start­löchern und hofft auf klare und praktikable Ansagen der Landesregierung.
Stattliches Arbeitsgerät – der Ölfrüchte-Mahlstein an der Harmoniehalle in Niederschopfheim.
vor 5 Stunden
Geschichte
Krügers Streifzüge (11): Spannendes an einem unerwarteten Ort – vor der Harmoniehalle in Niederschopfheim finden wir einen alten Ölfrüchte-Mahlstein und ein Feld mit Grenzsteinen.
Kerzen am Eingang des Offenburger Rathauses: Die 520 steht für die Toten in der Ortenau, Stand Montag waren es 537 Tote.
vor 7 Stunden
„Einkerzen statt Lichtfenster“
Inspiriert von einer Twitter-Aktion hat der Offenburger Andreas Harder-Matern mit seinen Mitstreitern unangezündete Kerzen vors Rathaus gestellt. Sie haben eine besondere Botschaft.
Beim zweiten Anlauf hatte OT-Leser Jürgen Müller Erfolg: Ein Schnabel reckt sich in die Höhe (unten rechts). Zwei bis drei Jungstörche werden im Nest in Weier vermutet, auf welchem der „Wierer Storch“ inzwischen zum sechsten Mal eingezogen ist.
vor 8 Stunden
Küken recken die Schnäbel
Storchennachwuchs hat sich in den vier Nestern in Bühl und Weier eingestellt. Die Eltern sind mit Behüten und Füttern beschäftigt, die kleinen Störche sind aber noch schwer zu erkennen.
Als junge Mutter (hier mit Sohn Christian) begann Elisabeth Suhm in den 1960er-Jahren die Arbeit für das Offenburger Tageblatt. Heute ist sie 87 Jahre alt und beendet ihre Reporterinnen-Tätigkeit.
vor 9 Stunden
Abschied nach rund 60 Jahren
Immer, wenn hinter der Ortsspitzmarke das Kürzel „s“ stand, wussten die Gengenbacher sofort: Das hat Elisabeth Suhm geschrieben. Und das seit rund 60 Jahren. In dieser Zeit hat sie Generationen von Redakteuren erlebt und unterstützt.
Vor allem für Schwimmkurse und Schwimmtraining sollen die Hallen- und Freibäder wieder öffnen. Das ist zumindest die Meinung von FDP-Stadtrat Silvano Zampolli und FDP-Bundestagskandidat Martin Gassner-Herz.
vor 10 Stunden
Offenburg
FDP-Stadtrat Silvano Zampolli und Bundestagskandidat Martin Gassner-Herz fordern, dass Schwimmbäder öffnen sollen. Zu stark würde die physische Gesundheit erwachsener Badegäste leiden. Gleichzeitig sehen sie die Schwimmfähigkeit von Kindern in Gefahr.
Die Bauarbeiten an der Straße Im Brand in Zunsweier haben begonnen. Der Fahrbahnbelag wurde schon herausgerissen. Die Umleitungsstrecke für Verkehrsteilnehmer führt über das Neubaugebiet „Im vorderen Brand“.
vor 12 Stunden
Offenburg - Zunsweier
Die Bauarbeiten in der Straße Im Brand in Zunsweier wurden gestartet. Bauleiter Markus Seger informiert, welche Arbeiten in den nächsten Wochen anstehen. Bis zum 30. Juni soll die Straße fertig sein.
Die beiden ehrenamtlichen Helfer Gerhard Doll (links) und Franz Elble leeren in regelmäßigen Abständen die aufgestellten Altkleider-Container. Neben vielen brauchbaren Textilien finden sie auch viel Unrat und Müll in den Stahlboxen.
vor 15 Stunden
DRK-Ortsverein Schutterwald erklärt
Bis zu 24 Mal werden die Altkleidercontainer in Schutterwald jährlich geleert. Während mehrere Tonnen Kleidung zusammenkommen, gibt es jedoch immer wieder unschöne Funde in den Boxen.
„So granatenmäßig schlimm ist es nicht“: Im Gemeinderat gab es am Montagabend eine Diskussion über Schnelltests für Schüler und Kita-Kinder.
vor 16 Stunden
Testangebot für 2600 Kita-Kinder
Kinderarzt Jens-Uwe Folkens geht das Herz auf, AfD-Fraktionschef Taras Maygutiak hält gar nichts vom Testen und Impfen: Im Gemeinderat ging es am Montagabend um das Testen von Kita-Kindern – und die Kosten.
Nachdem eine Halle in der Grundmattstraße in Rammersweier brannte, gab es nur drei Tage später und wenige Meter entferne ein weiteres Feuer.
vor 18 Stunden
Polizei ermittelt noch im Fall Rammersweier
Zwei Brände in der gleichen Straße binnen drei Tagen: In Rammersweier sind die Maschinenhalle eines Winzers und eine Werkstatt in Flammen aufgegangen. Die Ermittlungen laufen noch.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Das Jeep Fold FAT E-Bike FR 7020 sieht nicht nur Spitze aus, sondern hat ganz schön Power. 
    vor 9 Stunden
    Mit Rückenwind in den Sommer: Jeep Fold FAT E-Bike FR 7020
    Für alle, die ein E-Bike suchen, das sie überall hin mitnehmen können, um mobil und flexibel zu bleiben, hat bo.de das passende Angebot: Das Jeep Fold FAT E-Bike FR 7020 mit Mega-Reichweite. Werden Sie jetzt bo+-Kunde und genießen Sie einen Preisvorteil von 550 Euro.
  • Mareike Jobst und ihr Team der Akku Expert GmbH aus Offenburg.
    10.05.2021
    Ortenau bei eBay: Neuer lokaler Online-Marktplatz
    Die große Heimat kleiner Händler - unter diesem Motto ist das Projekt "eBay Deine Stadt" mit zehn lokalen Online-Marktplätzen am Start. Als Vorreiter ist auch Ortenau bei eBay dabei. Die Ortenauer können lokale Händler*innen dort unterstützen.
  • Mit dem USB-Kugelschreiber "Turnus" hat man alles fürs Meeting dabei: Schreibgerät und USB-Stick.
    09.05.2021
    Klio-Eterna: Hochwertige Schreibgeräte aus Wolfach
    Kugelschreiber & Co. sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken – und ideale Werbeträger. Klio-Eterna aus Wolfach bringt klingende Firmennamen auf die Schreibtische, in Hemden- und Laptoptaschen der Nation – und das schon seit mehr als 120 Jahren. Formschöne Qualität „made in Germany“. 
  • Die Winzergenossenschaft Durbach überrascht mit vielen neuen Tropfen, die sich hervorragend für den Sommergenuss eignen.
    07.05.2021
    Die Durbacher Steillagen-Spezialisten empfehlen:
    Strahlende Sonne und heiße Temperaturen: Nicht nur im Ausland lässt sich die Sonne genießen, auch zu Hause im Garten geht das richtig gut: „Dolce Vita Feeling“ kommt mit den exzellenten Erzeugnissen der Winzergenossenschaft auf.