Offenburg

»Wohnung gesucht«: Warum bei Sigfried Borho die Zeit drängt

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12. Oktober 2018

Siegfried Borho muss bis 31. Oktober aus der WG ausziehen. ©Ulrich Marx

Alleinerziehende, Geringverdiener, Arbeitslose, Flüchtlinge, Behinderte und Kranke haben es bei der Wohnungssuche besonders schwer. Im Vorfeld der Landes-Armutswoche (15. bis 21. Oktober) stellt Baden Online in der Serie »Wohnung gesucht« fünf Menschen und ihre Schicksale vor. Heute: Siegfried Borho.
 

Noch hat Siegfried Borho ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft in der Goldgasse in Offenburg. Doch das muss der 50-Jährige räumen, um Platz für jemand anderes zu machen, »der eine Chance braucht«, wie er beschreibt.  Einen letzten Aufschub hat er noch bis Mittwoch, 31. Oktober, bekommen. Dann muss er seine Koffer gepackt haben.

Eines ist für ihn aber sicher: »Zurück ins Obdachlosenheim möchte ich nicht wieder«, betont er. Doch die Wohnungssuche in Offenburg sei alles andere als einfach. Wie viele Bewerbungen er geschrieben hat? »Zig«, sagt er und immer wieder haben ihn die gleichen Antworten der Vermieter erreicht: »Tut uns leid, wir haben uns für jemand anderes entschieden.« Einschätzen, woran das liegt, könne er nicht. Aber: »Ich gebe nicht auf!«

Er habe schon so viel verloren und möchte nun endlich eine Wohnung finden und in seinem lang erkämpften Beruf tätig werden. »Ein normales Leben führen.« 

Architektur studiert

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Studiert hatte der Offenburger, der am Schillergymnasium sein Abitur gemacht hat, Architektur in Karlsruhe. Das lag für ihn auch nahe: »Damit bin ich aufgewachsen.« Sein Vater hatte in Offenburg ein Architekturbüro, wo er auch während seines Studiums arbeitete. 

Doch nach einer Reihe von Verkettungen sei er in ein Schlamassel geraten: Direkt nach dem Studium habe er Hartz IV bezogen, als selbstständiger Architekt wollte er sich durchschlagen. Doch schließlich sei er in der Obdachlosenunterkunft in der Rheinstraße gelandet. »Ich habe mir das auch alles anders vorgestellt«, betont er.  Zur Ruhe kommen, entspannen, neu anfangen, das konnte man in der Rheinstraße nicht. »Manche wurden dort depressiv«. Es sei fast unmöglich, da wieder rauszukommen. 

Nachdem die Unterkunft Anfang 2017 abbrannte, war er in der Lise-Meitner-Straße untergekommen, später dann in der Goldgasse. »Ich könnte ein Buch drüber schreiben, was ich schon alles erlebt habe.« Nun hofft Borho, endlich wieder eine eigene Wohnung zu finden, Fuß zu fassen und ein normales Leben zu führen.  

Inzwischen hat er auch einen Minijob gefunden, der Vertrag ist unterzeichnet. Ab Mitte Oktober ist er als Fahrer tätig, wie er beschreibt. »Dieser Job ist ein erster Schritt«. Der nächste sei nun eine Wohnung.

Info

Wer sucht eine Wohnung?

Wer eine Wohnung an Siegfried Borho vermieten möchte, meldet sich per E-Mail an lokales.offenburg@reiff.de.

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