OT-Serie »Mein neues Leben« (4):

Sibylle Laurischk und ihr Leben nach der Politik

Autor: 
Franziska Jäger
Lesezeit 5 Minuten
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09. Januar 2016
Hier geht es vor allem um Gesetze: Sibylle Laurischk hat sich nach ihrem Rückzug aus der Politik auf die Arbeit in ihrer Kanzlei konzentriert, mit der sie 2014 in die Weingartenstraße umgezogen ist, wo sie auch wohnt.

(Bild 1/2) Hier geht es vor allem um Gesetze: Sibylle Laurischk hat sich nach ihrem Rückzug aus der Politik auf die Arbeit in ihrer Kanzlei konzentriert, mit der sie 2014 in die Weingartenstraße umgezogen ist, wo sie auch wohnt. ©Ulrich Marx

Von Offenburg nach Berlin, von der Rechtsanwältin zur Frauenrechtlerin im Bundestag und wieder zurück: Sibylle Laurischk hat elf Jahre lang ihr Leben komplett umgekrempelt, als sie  2002 für die FDP in den Bundestag gewählt wurde. Ihre drei Kinder sah sie im Zwei-Wochen-Rhythmus. Seit 2014 widmet sie sich aber wieder ganz ihrer Kanzlei.

Das Mandantenzimmer in der Kanzlei von Sibylle Laurischk in der Weingartenstraße empfängt den Besucher mit einem großen ovalen Tisch, Bücher und Kunst schmücken die Wände. Die zwei »Staubfänger« auf der Kommode fallen nicht gleich auf. Aber es sind zwei besondere Gegenstände. Eine Medaille, auf der der Kopf von Theodor Heuss eingraviert ist. Die bekam Laurischk im vergangenen Jahr für 25 Jahre Parteitreue zur FDP. Daneben steht ein Quader aus Glas, wie man ihn aus Souvenirshops kennt. »12. Bundesversammlung, 2004« steht im Exemplar von Sibylle Laurischk. 

Die dreifache Mutter verließ mit damals 48 Jahren die Provinz und mischte in der Bundespolitik mit. Elf Jahre pendelte sie zwischen Offenburg und Berlin, 2009 übernahm sie den Vorsitz des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und wurde Sprecherin für Senioren und bürgerschaftliches Engagement, Integration und Migration der FDP-Fraktion. »Dass ich mal in die Politik gehen würde, war damals außerhalb jeglicher Vorstellungskraft«, sagt Laurischk heute. Doch 2014 hat sie Berlin »Tschüss« gesagt und ist nach Offenburg zurückgekehrt, wo sie sich wieder ausschließlich ihrem Beruf als Rechtsanwältin widmet. Die genannte Medaille und der Glasquader sind heute die Erinnerungen an ihr altes Leben.  

Polititische Motivation kam schon früher
Denn schon nach der Geburt des ersten Kindes 1984 kamen Laurischk die ersten politisch motivierten Gedanken. »Eine schwierige Geschichte« war für sie die Schließung der Geburtenabteilung im Kreisklinikum. »Die Krankenhausversorgung funktionierte bis dahin gut, doch auf einmal waren Geburten nur noch im St.-Josefsklinikum möglich.« Laurischk hielt die Versorgung von Frauen – in einer großen Kreisstadt wie Offenburg – »in einem ausschließlich religiösen Kontext« für verfehlt. »Ich hatte auch frauenpolitisches Interesse«, erklärt Laurischk.

Und doch war sie damals in noch keiner Partei, obwohl sie sich ab 1989 bereits für die FDP engagierte. Die Wiedervereinigung war auch für Laurischk prägend. Es gab die Verwandtschaft in der DDR. Sie dachte, dass sie mehr Einfluss haben könne, wenn sie in eine Partei eintritt. 1990 war es so weit. Sie war nun nicht mehr nur Mutter von kleinen Kindern, sondern aktiv im kommunalen politischen Geschehen. 1994 wurde sie in den Gemeinderat gewählt, war weiterhin Anwältin und viel beschäftigt. 
1998 kandidierte sie erstmals für den Bundestag. Seit 2002 arbeitete sie frauenpolitisch in der Partei – »ein ganz neues Feld«. Und mit einem Mal war der Arbeitsplatz 800 Kilometer entfernt. Sie war inzwischen geschieden, hatte eine Hilfe im Haushalt, die für die Kinder kochte. Denn die Mutter war nur im Zwei-Wochen-Takt zu Hause. Eine Woche Berlin. Eine Woche Offenburg.  

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Hohe zeitliche Belastung
Während sie sich mit der alternden Gesellschaft auseinandersetzte, mit ehemaligen Heimkindern der DDR oder der Contergan-Skandal Emotionen aufkochen ließ, konnte Laurischk für ihre eigene Familie nur wenig da sein. »Ich habe eine Menge verlangt von meinen Kindern«, sagt sie heute. »Aber sie haben auch erlebt, wie eine Frau ihren beruflichen Weg gehen kann. Und ich war für meine Kinder immer erreichbar.« Ihr kommunales Mandat hat sie in der ganzen Zeit nicht aufgegeben, denn sie wollte »geerdet bleiben und wissen, was in Offenburg passiert«. Doch die zeitliche Belastung war hoch, denn in Offenburg arbeitete sie parallel als Anwältin. 

2014 kam der Schnitt. Nach 20 Jahren im Gemeinderat und elf Jahren im Bundestag verabschiedete sie sich von der Politik. 2013 kandidierte sie nicht mehr in Berlin. »Ich wollte nicht in die Situation kommen, vom politischen Betrieb nicht mehr lassen zu können«. Und ihr sei immer klar gewesen: »Ich wollte in einem bürgerlichen Beruf bleiben.« 
Sibylle Laurischk hat nun endlich mehr Zeit zum Reisen und zum Lesen. »So ein Pendler-Leben, das geht an die Substanz«, sagt Laurischk. Ihre neu gewonnene Zeit investiert sie heute in ihre Fälle als Rechtsanwältin. Im Familienrecht ist sie zu Hause, sie berät

Mandanten, wenn es um Scheidung oder Erbschaft geht. Und sie freue sich, wenn ihr Großeltern schreiben, wie gut sich das Enkelkind entwickelt habe. »Ich bin heute reifer und erfahrener in meiner Arbeit«, sagt Laurischk. »Und ich suche stets nach langfristigen Lösungen, alles andere hat keinen Bestand.« Ihren Kindern ist Laurischk heute wieder näher. Keinen der drei hat es in die ferne Hauptstadt verschlagen.
Wenn sie im Fernsehen die ehemaligen Kollegen sehe, dann wisse sie genau, in welcher Situation sie sich gerade befänden. Das Buch von Guido Westerwelle, der über seinen Blutkrebs geschrieben hat, will sie auch bald lesen. Ihren ehemaligen Vorsitzenden habe sie  immer sehr selbstdarstellerisch erlebt. Dass er seine Krankheit offenlegt, habe sie sehr beeindruckt. Das zeige, vom Bundespräsidenten abwärts, »dass das alles Menschen sind«.

HINWEIS: In der nächsten Folge berichten wir über Thomas Rentmeister, der Chef einer Solarfirma war und jetzt Hochschulseelsorger ist.

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