Offenburg

»Skandalös und fahrlässig«

Autor: 
Andreas Moering
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
24. Juni 2002
Die Feuerwehr löschte auch gestern noch im Ausbesserungswerk. In der Tenderhalle glimmte die Glut an vielen Stellen weiter.
Offenburg. Mit über 25 Kräften ging die Offenburger Feuerwehr auch gestern gegen das Feuer in der Tenderwerkstatt des alten Ausbesserungswerkes vor. Überall glimmten in dem Reifenlager Glutnester, ab und an brach wieder ein kleines Feuer aus. Für die Nacht auf heute wurde eine Brandwache abgestellt. Kommandant Berthold Maier hofft, mit seinen Leuten am heutigen Dienstag abrücken zu können. Das Feuer war in der Nacht zum Samstag ausgebrochen. Die Polizei geht von Brandstiftung aus. Der Schaden beläuft sich nach ersten Schätzungen auf mehr als drei Millionen Euro. Es handelte sich um den zweiten Brand auf dem Gelände, nachdem am 11. Juni bereits das ehemalige Werkstofflager in Flammen gestanden hatte. Ein Sachverständiger prüfte gestern, ob die Ostwand einsturzgefährdet ist. Gegen Mittag war klar, dass die Löscharbeiten nicht gefährdet sind. In dem Gebäude, das seit zehn Jahren als Lager vermietet ist und das mit 35 000 neuen Reifen gefüllt war, schmolzen Metallteile wie Butter. Reifen brennen mit einer Temperatur von bis zu 1000 Grad Celsius. Verärgert äußerten sich Mitarbeiter der Feuerwehr und der Stadt Offenburg über den Brandschutz im Werk. Kommandant Maier nannte die Vorsorge »historisch« wie das gesamte Werk. Der Brandschutz sei mit der neuen Nutzung nicht mitgewachsen. Einsatz für 300 000 Euro Offenburgs Oberbürgermeister Wolfgang Bruder bezeichnete den Brandschutz gestern Abend im Rat als »skandalös und grob fahrlässig«. Er sprach von massiven Verstößen gegen die Brandschutzbestimmungen. Er gehe davon aus, dass die Stadt die Kosten für den Einsatz der Wehr in Höhe von 300 000 Euro nicht tragen werde. Die Bahn bestätigte gestern, der Brandschutz sei nicht geändert worden, nachdem das Werk geschlossen und die Halle vermietet worden ist. Es hätten allerdings regelmäßige Begehungen mit Brandschutzsachverständigen stattgefunden. Bruder beklagte, dass die Bahn AG sich nicht um das Gelände gekümmert habe. Die Stadt selbst besitze auf Grund der Rechtslage keinen Einfluss auf diese Grundstücke. Bruder: »Offenburg hat keine Mittel, die Bahn zu einem angemessenen Umgang mit den denkmalgeschützten Gebäuden zu veranlassen.« Die Stadt entwickelt derzeit ein Konzept für ein Gewerbegebiet nördlich des Bahnhofes, in das auch das Ausbesserungswerk einbezogen werden soll. Ergebnisse sollen bis September vorliegen. Die Bürgerinitiative für den Erhalt des Werkes unterstellte in einem Flugblatt einen »warmen Abriss«. Bruder wies das vehement zurück. Die Stadt stelle Strafanzeige. Ein Vorwurf der Bürgerinitiative lautet, die Stadt habe keine Rechtsgrundlage für den Erhalt der Hallen geschaffen. Ausgewiesen ist das Gelände als künftige Justizvollzugsanstalt. Die Stadt sagte, man habe das erst ändern wollen, sobald das Land ein Gelände im Norden des Werkes fürs Gefängnis erworben habe. Ausgearbeitete Kaufverträge liegen derzeit beim Land.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Offenburg

vor 1 Stunde
OT-Serie "Unsere Abiturienten"
Clemens Gräf (22) aus Offenburg-Bühl hat sein Abitur am Technischen Gymnasium Offenburg gemacht. Seine Neigungsfächer waren Mathematik, Mechatronik und Physik. Seine Hobbys sind Klettern und Mountainbike fahren.
vor 6 Stunden
Region mit Kunst bereichert
Vita brevis, ars longa: Der am Sonntag verstorbene Frieder Burda wusste, dass es stimmt, was Hippokrates einst sagte: Das Leben ist kurz, die Kunst ist lang. Vielleicht deshalb trat der 83-jährige Mäzen bereits zu Lebzeiten hinter ihr zurück und ließ ihr nicht nur in Baden-Baden mit seinem Museum...
vor 6 Stunden
25. Geburtstag
Der Kindergarten Henry Dunant hat ein tolles Geburtstagsgeschenk bekommen: Der Außenbereich der seit 25 Jahren bestehenden Einrichtung wurde deutlich vergrößert und neu gestaltet. 
vor 6 Stunden
Einstimmige Wahl
Paul Litterst ist seit 20 Jahren im Amt und wurde jetzt als Ortsvorsteher von Fessenbach wiedergewählt. Markus Litterst von den Freien Wähler wird erster Stellvertreter des Ortsvorstehers und Josef Hugle von der CDU zweiter Stellvertreter.  
vor 8 Stunden
Digitalisierung im Blick
Zur Feier des 100-jährigen Jubiläums blickte die Geschäftsführung des Familienunternehmens »Hund Möbelwerke« ebenso intensiv zurück wie nach vorn: Der namhafte Büro- und Objektmöbelhersteller, dessen Fortbestehen auf seiner Wandlungsfähigkeit in immer wieder schwierigen Zeiten basiert, rüstet sich...
vor 8 Stunden
Hobby aus Passion
Mit 18 Jahren hat sich Maria Totzke zum ersten Mal an die Kirchen-Orgel gesetzt, um den Gesang der Gemeinde zu begleiten. Das hat sie auch am Sonntag beim Nothelferfest getan. Dazwischen liegen 65 Jahre. Eine Prüfung hat Maria Totzke nie abgelegt, die Orgelstunden bei Musiklehrer Josef Köhler...
vor 8 Stunden
Rückzug nach Münster
Vor 30 Jahren folgte Bruder Leonhard Lehmann dem Ruf nach Rom, um an der Päpstlichen Universität »Antonianum« franziskanische Spiritualität zu lehren. Jetzt wurde der bekannte Franziskus-Forscher während einer würdigen Feierstunde im Kreise seiner Studierenden und Wegbegleiter verabschiedet.   
vor 8 Stunden
Marta-Schanzenbach-Gymnasium
97 Abiturienten feierten am Marta-Schanzenbach-Gymnasium ihren Abi-Ball. 23-mal gab es Auszeichnungen, zweimal die Traumnote 1,0 für Elias Erny und Simon Schnepp.  
vor 9 Stunden
Oststadtfest
Viel geboten wurde den Besuchern am Sonntag beim Stadtteilfest rund um die Anne-Frank-Schule. Den Jugendehrenamtspreis der Stadtteilkonferenz erhielten zwei 16-Jährige – und das war eine Premiere.
vor 16 Stunden
Die Fundtiere machen viel Arbeit
Die THRO bekommt keine Zuschüsse, hat aber die ganze Arbeit  bei Fundtieren und anderen. Vorsitzender Karlheinz Meier denkt über Lösungswege nach.
vor 17 Stunden
Der Quantensprung ist vollzogen
Die Feuerwehr Hohberg krempelte ihre Struktur um und hob am Samstag die Einsatzabteilung West aus der Taufe. Darin aufgegangen sind die bisherigen Abteilungen Hofweier und Niederschopfheim. Die Versammlung war emotional, eine überraschende Ehrung gab es auch.
vor 17 Stunden
Stifterwein präsentiert
Mit einem Klingelberger-Riesling bringt die Bürgerstiftung Durbach nach einem Pinot noir einen neuen Stifterwein auf den Markt. Zukünftig kann man sich in der Stiftung im Rahmen einer Patenschaft engagieren. Außerdem wurde ein großes Insektenhotel in unmittelbarer Nachbarschaft zum Alm-Spielplatz...

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Die »Stand-up-Paddle-Boards« sind der Renner des Sommers.
    12.07.2019
    Erhältlich im EMUK Store in Lahr
    Durch einsame Landschaften streifen, sich frei fühlen und die Natur genießen – Camping ist Urlaub der besonderen Art. Doch was sollten Reisende einpacken? Hier sind aktuelle Trends für den Urlaub im Freien – und im Wasser.
  • 11.07.2019
    Edelbrennerei Wurth
    Gin, Whisky, Edelbrände – alles aus der Region, alles aus einer Hand und in höchster Qualität, das verspricht die Edelbrennerei Markus Wurth aus Altenheim. Neben Kooperationen mit heimischen Partnern ist das Familienunternehmen auch im Ausland inzwischen sehr erfolgreich.
  • 10.07.2019
    Offenburg
    Essensstände mit besonderen Leckereien sorgen für Genuss, Musiker und Illumination für Flair: Bei »Genuss im Park« wird der Offenburger Zwingerpark ab Donnerstag, 25. Juli, und bis Samstag, 27. Juli, wieder das stilvolle Ambiente für ein besonderes Fest sein.
  • 06.07.2019
    Ratgeber
    Was tun, wenn eine Krise in unser Leben bricht? Der Ortenberger Unternehmer Joachim Schäfer hat mit der Insolvenz seiner Firma genau das durchleben müssen – und einen Weg heraus gefunden. Seine Erkenntnisse teilt er nun in einem Buch, das nicht ein Autor, sondern nur er schreiben konnte, wie...