Offenburg

Solidarität für die Minderheit

Autor: 
Regina Heilig
Lesezeit 3 Minuten
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25. August 2014

Thomas Marwein (Zweiter von links), Mitglied des Landtags für die Grünen, und Oberbürgermeisterin Edith Schreiner bekundeten ihre Solidarität durch ihre Teilnahme an der Demonstration der Jesiden auf dem Marktplatz. ©Regina Heilig

Bei der Kundgebung des Jesidischen Kulturzentrums Offenburg am Samstag erklärten Oberbürgermeisterin Edith Schreiner und MdL Thomas Marwein ihre Solidarität mit der bedrohten Minderheit.

In Bezug auf die Außen- und Sicherheitspolitik ist dies eine Zeit, in der Deutschland mit der Entscheidung, ob Waffen in ein Krisengebiet geliefert werden sollen, am Scheideweg steht. Vielen Offenburgern ist zwar die Ernsthaftigkeit dieser Frage bewusst, aber nicht, dass Mitbürger persönlich betroffen sind, weil ihre Verwandten und Freunde zu den Verfolgten gehören.
500 000 von etwa einer Million Jesiden weltweit lebten in dem Gebiet in Irak und Syrien, aus dem die radikal islamische IS-Miliz sie derzeit mit brutalster Waffengewalt vertreibt. Zivilisten werden ohne Rücksicht auf Alter oder Geschlecht getötet. Mit seiner Kundgebung am Samstag gab das Jesidische Kulturzentrum Offenburg der humanitären Tragödie ein Gesicht und holte sie unmittelbar vor die Haustüre.
»In Deutschland leben 100 000 Jesiden, zum Teil in der fünften Generation. Und wenn Sie bisher von uns nicht viel gehört haben, dann liegt das daran, dass wir unseren Pflichten als Bürger nachgekommen sind«, stellte Civan Altan, stellvertretender Vorsitzender des Jesidischen Kulturzentrums in Offenburg und Mitglied des Zentralrats der Jesiden in Deutschland, klar, dass hier eine vorbildlich integrierte Gruppe die Solidarität der Nachbarn einfordert: »Jetzt aber haben wir Bitten und Forderungen. Wir fordern Schutzräume für Jesiden und ein sofortiges Handeln der UNO, notfalls der NATO.«
»Es geht hier um den 74. Genozid (Völkermord) an den Jesiden«, hatte der Vorsitzende des Kulturzentrums Ismail Altan zu Beginn klar gestellt. Alle 500 000 Jesiden in Syrien und dem Irak seien derzeit auf der Flucht vor den IS-Milizen. Er bat, den Rednern keinen Beifall zu spenden, da dies der Tragödie nicht angemessen sei. Wie bei einer Beerdigung wurden stattdessen bei der Kundgebung Blumen und Kerzen niedergelegt.
»Wir wissen, dass Sie mit ihren Angehörigen leiden«, wandte sich Oberbürgermeisterin Edith Schreiner an ihre jesidischen Bürger. Es sei die Pflicht der Völkergemeinschaft, sich »nicht wegzuducken, sondern Haltung zu zeigen«.
Der Grünen-Landtagsabgeordnete Thomas Marwein erklärte, sowohl er als Pazifist als auch seine Partei sähen derzeit keine andere Möglichkeit mehr, als »zum allerersten Mal Waffen in ein Krisengebiet zu liefern«. »Es ist nicht unerwartet gekommen, man hat zu lange gezögert«, bedauerte Dolmetscher Ahmad Mamkalo, nunmehr helfe aber kein Klagen, sondern nur, die »Mörderbanden zu stoppen«.
Die Imame schweigen
Der katholische Pfarrer Wolfgang Kolodzy, Binali Karakus von der Alevitischen Gemeinde, Simko Adel von der Jesidischen Gemeinde Lahr und Giles Stacey vom evangelischen Diakonischen Werk entboten Solidaritätsadressen. Nicht vertreten waren trotz Einladung die Offenburger Muslime. »Warum schweigen die Imame?«, fragte dann auch anklagend die junge Sakina Altan in einer flammenden, bewegenden Rede.
An der Seite der verfolgten Minderheiten, die vor den radikal-islamischen Milizen flüchten müssen, aber gegen Waffenlieferungen positionierten sich Yannick Hinzmann und Lukas Oswald von der »Linken«.
Und Andreas Kirchgeßner vom DGB in Kehl richtete eine Bitte an die anwesenden Polizisten: Die Staatsmacht möge in Zukunft nicht mehr wegsehen, sondern eingreifen, wenn in Deutschland Jesiden von radikalen Anhängern der IS-Milizen angegriffen würden.

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