Offenburg - Zell-Weierbach

»Sonnen«-Wirt meldet Insolvenz an

Autor: 
Christian Wagner
Lesezeit 4 Minuten
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06. März 2015
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In Schieflage: Die "Sonne" in Zell-Weierbach. ©Archiv

Joachim Busam, Pächter der »Sonne« in Zell-Weierbach, musste am Mittwoch den schweren Gang zum Insolvenzrichter antreten. Zur vorläufigen Insolvenzverwalterin wurde Simone Lenenbach (Offenburg) bestimmt. Busam wird das Traditionsgasthaus noch bis Ende Mai führen, für die Zeit danach sucht Lenenbach einen Nachpächter.

Umsatzeinbrüche im vergangenen Jahr, ungewöhnlich viele Personalausfälle und eine schwierige langfristige Perspektive: Diese Gründe haben laut der ersten Bestandsaufnahme der vorläufigen Insolvenzverwalterin Simone Lenenbach zur Insolvenz von »Sonnen«-Wirt Joachim Busam geführt. Durch die wirtschaftliche Schieflage hätten sich Verbindlichkeiten im »unteren sechsstelligen Bereich« angehäuft, berichtet Lenenbach. Der Betrieb werde von Busam bis Ende Mai weitergeführt. Für die Zeit danach laufe die Suche nach einem neuen Pächter auf Hochtouren. Einen konkreten Interessenten für die Übernahme gebe es bereits, so Lenenbach weiter.

Mutter im Wachkoma

Es habe Tränen gegeben, als er die Mitarbeiter über die Insolvenz informiert habe, sagt Busam. Aber er habe die Flucht nach vorne antreten müssen. Die Geschichte mit der »Sonne« hat sich für den Vollblut­gastronom und Küchenmeister von Anfang an nicht leicht gestaltet. Denn die Immobilie gehört nach wie vor seiner 73-jährigen Mutter, die seit 16 1/2 Jahren im Wachkoma liegt und von einem Betreuer vertreten wird. Busam selbst ist nur der Pächter, weil versäumt worden sei, die Immobilie rechtzeitig zu überschreiben.

Um die Versorgung seiner kranken Mutter zu gewährleisten, habe er eine »exorbitante Pacht« vereinbart, als er die elterliche Immobilie im Jahr 2000 übernommen habe. Alles habe aber gut funktioniert, erzählt Busam. 2005 sei jedoch der Vater gestorben, der sich bis dahin rund um die Uhr um die Mutter gekümmert habe. Zu dem Vollzeitjob in der Gastronomie (»16 Stunden an sieben Tagen in der Woche«) sei nun auch die Pflege der Mutter gekommen. Aufgrund der schwierigen Konstellation habe er 2008 einen Schnitt gemacht, für die Mutter einen Platz im Pflegeheim gesucht und die »Sonne« an Uwe Anselment unterverpachtet. Er selbst arbeitete als Abteilungsleiter in der freien Wirtschaft.

Pläne platzten

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Als sich Anselment 2010 aus familiären Gründen – er wurde Vater von Drillingen – aus der »Sonne« zurückzog, übernahm Busam erneut die Regie im Familienbetrieb. Er habe sich mit Betreuungsgericht, Finanzamt, Gläubigerbank und Betreuer auf einen neuen Fünf-Jahres-Vertrag geeinigt. In dieser Zeit habe er das elterliche Unternehmen neu aufstellen wollen. Doch seine Pläne, auf dem 2400 Quadratmeter großen »Sonne«-Areal Seniorenwohnungen zu erstellen als zweites Standbein neben der Gastronomie, zerschlugen sich. »Es ist an dem Einwand eines Nachbarn und den Bedenken des Bürgerbüros Bauen gescheitert«, erklärt Busam. Auch weitere Verhandlungen mit verschiedenen Bauträgern hätten nicht zum Erfolg geführt: »Die Gläubiger wollten mehr Geld, als die Investoren zu zahlen bereit waren.«

Gleichzeitig hätten ihn Prozesskosten finanziell ausgeblutet, erzählt Busam. Seit 15 Jahren streite er mit dem Universitätsklinikum Freiburg, dem er bei der Behandlung seiner Mutter einen Ärztefehler vorwirft. Die kostspielige juristische Auseinandersetzung dauere nunmehr seit elf Jahren an.

Schließlich sei im September 2014 die Gläubigerbank an ihn herangetreten, dass es einen Käufer gebe, der ihm auch sein Inventar abkaufen und ihm einen Anschlusspachtvertrag geben werde. Die Hoffnung auf frisches Geld war genährt. Er habe allerdings seinen bestehenden Pachtvertrag zum 31. Mai kündigen sollen. Dieser Forderung sei er nachgekommen. Allein: Von dem Investor der Gläubigerbank habe er bis dato nichts gehört. Der erhoffte Geldsegen sei ausgeblieben. Busam zog folglich am Mittwoch die Reißleine.

Abriss für Wohnungen?

Der Freie-Wähler-Stadtrat­ kann nur spekulieren, wie es mit der »Sonne« weitergeht. Ob das Traditionslokal als Gaststätte weitergeführt wird, hält er für fraglich. Er vermutet, dass der Investor die seit 1879 als Gasthof geführte »Sonne« abreißen und auf dem Areal Wohnungen bauen oder gar seinen Plan von einer Wohnstätte für Senioren umsetzen will.

Und wie sieht Busams Zukunft aus? »Ich werde der Gastronomie erhalten bleiben«, kündigt er an. Seit Anfang 2014 führt seine Frau die »Traube« in Fessenbach. »Die Idee ist, dort einzusteigen«, erklärt Busam.

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