Offenburg

SPD-Stadtrat: Appell für Pfarrzentrum St. Martin

Autor: 
Christian Wagner
Lesezeit 4 Minuten
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12. Februar 2014

(Bild 1/2) ©Ulrich Marx

In einem flammenden Appell bittet SPD-Stadtrat Heinz Hättig Erzbischof Robert Zollitsch, die St. Martinkirche zu erhalten. Das Pfarrzentrum soll nach Plänen der Kirchengemeinde abgerissen und durch ein Studentenwohnheim ersetzt werden (wir berichteten exklusiv).

Viele Menschen aus der Gemeinde seien zu ihm gekommen, die mit großer Traurigkeit, Verärgerung, und Unverständnis über die Zukunft der Kirche berichtet hätten, schreibt SPD-Stadtrat Heinz Hättig an Erzbischof Robert Zollitsch. Er sei 53 Jahre alt und wohne Zeit seines Lebens in der Stegermatt-Siedlung in Offenburg. Es sei ein Stadtteil, der von seinem sozialen Umfeld stark geprägt sei: Hier wohnten viele Menschen, die nicht nur die Sonnenseite des Lebens erfahren dürfen, schreibt Hättig, der lange Jahre auch Pfarrgemeinderat in St. Martin war.Es sei eine herrliche und dankbare Zeit gewesen, mitzuerleben, »wie unsere Kirche entstanden und gewachsen ist«.

Beim Bau der Kirche seien 1980 die Ziele des Zweiten Vatikanischen Konzils und seine Gedanken der Erneuerung eingeschlossen. »Glückliche Umstände, die uns seinerzeit noch mehr mit unserer Kirche verbunden haben«, so Hättig. Im Lauf der Jahre hätten sich Altennachmittage, Krabbelgottesdienste, Fasnachtsveranstaltungen, Sprachunterricht für Bürger zur Integration und Versammlungen von Vereinen etabliert. Die Kirche sei »der Mittelpunkt unserer Gemeinde«. Seit mehr als 25 Jahren diene er der Gemeinde ehrenamtlich. Wenn er eines in dieser Zeit gelernt habe, dann dieses: »Ohne unsere Kirche wäre unser soziales Leben um ein Vielfaches ärmer.«

»Fast ungläubig«
Nun müsse er – fast ungläubig – mitansehen, dass ausgerechnet den Menschen aus der Stegermatt, die soziale Hilfe und Unterstützung der Kirche am meisten bräuchten, die Kirche weggenommen werden soll. Wenn er sich einmal eingehend mit der außergewöhnlichen Situation der Gemeinde befasse, werde er schnell erkennen, »wie dringend wir diese Kirche für unser Selbstwertgefühl brauchen«.

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Der Glauben lehre, zu teilen. Dies habe die St.-Martin-Gemeinde stets bewiesen. In den Ü 30-Gottesdienst kämen Menschen aus der ganzen Ortenau. Hättig: »Mit ihnen teilen wir unsere Kirche gern.« Die sehr hohe Besucherzahl dürfte der Kirche bekannt sein, so Hättig.
Es gebe zudem kaum eine andere Kirche in Offenburg, die direkt vor der Haustür so viele Parkplätze vorweisen könne. Solche Eigenschaften könnte man sich zunutze machen, betont Hättig. Doch nun habe er erfahren, dass der Abriss schon so gut wie beschlossen sein soll. »Das wäre eine sehr schmerzliche Entwicklung für uns«, betont Hättig.

Warum kein Dialog?
Schon jetzt fragten ihn viele Gemeindemitglieder – und er frage sich das natürlich auch selbst: »Warum sucht unsere Kirche nicht den Dialog mit uns? Warum gibt man uns nicht die Möglichkeit, Fragen zu den Abläufen, zu Energieeinsparungen und zur Unterhaltung des Gebäudes selbst zu lösen?« Er als Zimmermann und Bauschreiner habe schon so manche Reparatur für seine Kirche kostenlos erledigt. »So weit meine Kräfte reichen, würde ich das auch weiterhin tun«, schreibt Hättig.

Lücke nicht zu schließen
Besonders traurig sei, dass die Gemeinde nun nicht mal die Chance bekommen soll, zu zeigen, was sie kann. »Um es etwas pathetisch auszudrücken: Die Leute aus der Stegermatt fragen nicht, was die Kirche für sie tun kann, sie fragen, was sie für ihre Kirche tun können«, stellt Hättig klar. Für einen Stadtteil mit so hoher sozialer Brisanz sei es nicht nachvollziehbar, dass die Kirche sich aus der Stegermatt verabschieden wolle. Da er viele Kirchen der Umgebung gut kenne, wisse er, dass die Bausubstanz der St. Martinkirche nicht die schlechteste sei. Da gebe es andere Gebäude, die in einem bedeutend schlechteren Zustand seien.

»Wir ersuchen Sie, nein, wir bitten Sie: Geben Sie uns die Chance, unsere Kirche zu erhalten! Nehmen Sie uns als Gemeindemitglieder ernst. Zeigen Sie, dass Ihnen jedes Mitglied – ob arm oder reich – gleich viel wert ist«, appelliert Hättig. Der Verlust »unserer Kirche in unserem Stadtteil hinterlässt Lücken, die man nicht mehr schließen kann«, schreibt Hättig abschließend.

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