Chronik

St. Georg Nordrach und seine wechselvolle Geschichte

Autor: 
Herbert Vollmer
Lesezeit 3 Minuten
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23. August 2019
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Eine Gedenktafel, aufgestellt an der Dorfstraße, erinnert an die Stifterin Adelheid von Rothschild ©Herbert Vollmer

Das Haus St. Georg Nordrach, im Volksmund noch immer »Rothschild« oder »Zajak« genannt hat eine sehr wechselhafte Geschichte aufzuweisen. Es gab Licht und Schatten.

◼ 1900: Der Arzt Dr. Hettinger errichtete 1899 – 1900 das architektonisch imposante Gebäude und betrieb darin seit 1900 ein Lungensanatorium. Aus finanziellen Gründen verkaufte er im Jahre 1905 das Sanatorium an die »M. A. von Rothschild’sche Stiftung für lungenkranke Frauen«, die Adelheid de Rothschild am 7. April 1903 zum Andenken an ihren Vater gegründet hatte. 

◼ 1905: Das Rothschild-Sanatorium wurde seit dem 15. November 1905 nach dem Wunsch der Stifterin bewusst nach orthodoxen Maßstäben geführt. Im Anstaltsgebäude wohnten der jüdische Arzt und das übrige jüdische Personal, es verfügte über 48 hohe, luftige Krankenzimmer, Gesellschaftsräume, Synagoge, sowie drei voneinander getrennte Liegehallen in verschiedenen Höhenlagen. 
Zum Besitz der Stiftung gehörte auch ein jüdischer Friedhof. Von den 51 in der Zeit von 1905 bis 1941 in Nordrach verstorbenen jüdischen Personen fanden insgesamt 28 Verstorbene ihre letzte Ruhe auf diesem Friedhof. 
Am 29. September 1942 wurden die letzten der verbliebenen Juden aus der Heilanstalt deportiert und »in den Osten abgeschoben«.

◼ 1942: Das Grundstück wurde enteignet und auf den Lebensborn e. V. übertragen. Bereits am 7. November 1942 kam das erste Kind im Haus Schwarzwald zur Welt, 246 weitere folgten bis April 1945. Wie alle Lebensborn-Heime hatte auch das Heim Schwarzwald ein eigenes Standesamt, das die Geburten eigenständig registrierte, allerdings ohne sie ans Heimatstandesamt der Mutter und des Vaters weiter zu melden, um die Geheimhaltung zu sichern.
Als die Front immer näher kam, wurde das Heim am 15. April 1945 geräumt.
Das Gebäude wurde zunächst von Amerikanern, danach von den Franzosen als Lazarett für französische Soldaten genutzt. 
Nach dem Krieg wurden zwischen 1945 und 1955 nach einer Schätzung rund 100 000 Kinder in der französischen Besatzungszone geboren, deren deutsche Mütter mit französischen Soldaten ein Verhältnis hatten. Die französische Regierung unternahm alles, um diese »französischen« Kinder nach Frankreich zu bringen, auch gegen den Willen der Mütter.

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◼ 1947: Das Gebäude wurde ab Juli 1947 als Sammelstelle für diese »französischen« Kinder genutzt. Die deutschen Mütter mussten, bevor die Kinder aufgenommen wurden, alle Rechte abgeben. Die Kinder kamen nach einem Gesundheitstest nach Frankreich und wurden zur Adoption freigegeben. Das Kinderheim wurde am 15. November 1949 geschlossen.

◼ 1952: Im Zuge der Wiedergutmachung kam das Sanatorium wieder in jüdischen Besitz. Nach einem zweijährigen Leerstand verkaufte im Jahre 1952 ein Sohn der Baronin Adelheid von Rothschild das Grundstück mit dem Sanatorium an Thaddäus Zajac aus Schömberg/Calw, dessen erste Frau eine polnische Jüdin war. Zajac betrieb die Einrichtung bis 1969 wieder als Lungensanatorium, danach kurze Zeit auch als Krebsnachsorgeklinik, schließlich als neurologisch-psychiatrisches Pflegeheim.

◼ 1993: Im Jahre 1993 übernahmen die »Oberrheinischen Kliniken« das Pflegeheim. Dieser Träger wurde  2012 von der Median Unternehmensgruppe übernommen.

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