Offenburg

»Stadttorzeichen« für Eva Mendelsson und Martin Ruch

Ursula Groß
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30. Januar 2017

Oberbürgermeisterin Edith Schreiner (von links) übergab das »Stadttorzeichen« an Eva Mendelsson und Martin Ruch. »Das städtische Gedenken war und ist eines der wichtigsten kulturpolitischen Themen«, betonte Schreiner. ©Christoph Breithaupt

Am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus ehrte die Stadt am Freitag Eva Mendelsson und Martin Ruch mit dem »Stadttorzeichen«. Damit wurde die Gedenkarbeit der beiden als ein wichtiger Beitrag zur städtischen Erinnerungskultur gewürdigt. Die Feierstunde fand im Museum im Ritterhaus statt.

Ganz selten wird das »Stadttorzeichen«, eine Kleinplastik des Künstlers Werner Pokorny, vergeben. Zuletzt 2009 aus Anlass der 50-jährigen Städtepartnerschaft Offenburg/Lons-le-Saunier – und nun wieder am vergangenen Freitag. Der Gemeinderat hatte die Vergabe an Zeitzeugin Eva Mendelsson und Historiker Martin Ruch am 21. November einstimmig beschlossen. 

Ein langer Atem, Mut und das Bewusstsein eines Sendungsauftrages zeichnet die Geehrten Eva Mendelsson und Martin Ruch aus. Ihr Thema ist die Gedenkarbeit für die Opfer des Nationalsozialismus in unserer Region. Etwa 100 Gäste verfolgten im Foyer des Museums im Ritterhaus mit respektvoller Anteilnahme, was eine Überlebende des Naziterrors antreibt, ihr Schicksal immer wieder wachzurufen. Und warum der promovierte Historiker, der gebürtige Offenburger Martin Ruch, sich über Jahrzehnte um die Aufarbeitung eines dunklen Teils der Stadtgeschichte bemüht. 

Eva Mendelsson, geborene Cohn, ist in Offenburg geboren. Sie wurde als Jugendliche in das Vernichtungslager Gurs in Südfrankreich verschleppt. Zwei Schwestern und ihre Mutter hatten die Nationalsozialisten ermordet. Als Zeitzeugin wirkt sie unermüdlich mit Vorträgen, vor allem in Schulen, dafür, dass Unrecht nicht vergessen wird. 

In ihrer Rede dankte die hochbetagte Dame dem Autoren Martin Ruch, dass er mit seinen Schriften und Dokumentationen über die Offenburger Juden zahlreichen Opfern ihre Stimme zurückgegeben habe. »Er setzt ihnen ein schriftliches Denkmal«, so Mendelsson. Die Publikationen von Martin Ruch werden weltweit beachtet, sie sind Teil von großen Bibliotheken und wertvolle Quelle für Forschung und Aufklärung. Damit gewinnt die Stadt Offenburg ein lang verschüttetes Ansehen bei der Bemühung um Aufarbeitung der Verfolgung und Vernichtung zurück. »Das städtische Gedenken war und ist eines der wichtigsten kulturpolitischen Themen«, sagte Oberbürgermeisterin Edith Schreiner. 

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Gegen das Vergessen

Als zu Beginn der 60er-Jahre der damalige Museumsleiter Hans-Joachim Fliedner mit der Aufarbeitung der neueren Geschichte begann, war dies längst nicht selbstverständlich, so Schreiner. Eine Kultur des Wegsehens, des Vergessenwollens habe sich in vielen Teilen der Bevölkerung hartnäckig gehalten. Das Vertrauen der Überlebenden des Holocaust zu gewinnen, habe sich daher für Martin Ruch als äußerst schwierig gestaltet. 

»Ich versuche nachzuvollziehen«, bemerkte Schreiner, »wie es damals für die minderjährige Eva Cohn war«. Nach der Verleihung betonten beide Geehrten ausdrücklich, dass es ihnen auch um Hoffnung gehe, dass so etwas nie wieder geschehe.  
»Ich habe es als meine Pflicht gesehen, über unser Schicksal zu berichten«, sagte Eva Mendelsson. »Ihre Stimmen müssen gehört werden«, betonte Ruch. Vertrieben, bestohlen, ermordet, geschändet und beleidigt wurden 300 jüdische Mitbürger bereits ab der Pogromnacht 1938 durch die hiesigen Nazis. Die Spuren der Opfer verlieren sich zunehmend, zumal es nur wenige Zeitzeugen gibt. »Die Verleihung des ›Stadttorzeichens‹ ist mir Ansporn, weiterzusuchen«, erklärte Ruch. 
Mit seinem Vortrag ließ der Violonist Friedrich Amadeus Treiber das Repertoire eines längst vergessenen jüdischen Komponisten virtuos erklingen. 

Erwin Schulhoff war Vorreiter für zeitgenössische Musik. Als »entartet« verurteilten die Nazis seine Kunst, er wurde ins Lager Wülzburg bei Weißenburg/Bayern deportiert, wo er 1942 starb.

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