Jetzt gibt es kein Halten mehr

Straßenfasend in Gengenbach und Ohlsbach eingeläutet

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20. Februar 2020

(Bild 1/5) ie Hexen schindeten sich am Mittwochabend, um vor dem Rathaus den Hexenbesen zu stellen. Das Wahrzeichen der Gengenbacher Fasend ist aber der Feuerhaken.. Den Aufzeichnungen zufolge sollen die Bürgerinnen und Bürger diesen anno 1499 entwendet und närrisch geschmückt haben. ©Thomas REizel

Die Gengenbacher haben Feuerhaken und Hexenbesen gestellt, die Ohlsbacher den Hennelochschratt befreit und Bürgermeister Bernd Bruder entmachtet. Zuvor hatte er sich aber im Rathaus versteckt, er musste von Schratt, Umbeisen, Hexen, Germanen und Rekruten gesucht und auf den Balkon geführt werden.

Jetzt gibt es für die Narren kein Halten mehr: Landauf, landab hat die Straßenfasend begonnen. Die Lokalredaktion wirft einen Blick auf Gengenbach und Ohlsbach. Punkt 19 Uhr betrat Bott („Bem“ Steiner) am Mittwoch mit seiner schweren Glocke schellend den Gengenbacher Rathausbalkon und wenig später Zunftmeister Michael Armbruster: „Der, der uns wollte die Fasend verbieten, ist grandios gescheitert“, erinnerte an Aufzeichnungen im Jahr 1499. Das sieht die Narrenzunft als ihr Gründungsjahr.

Damals, so ist überliefert, schnappten sich einige Einwohner den großen Feuerhaken und schmückten ihn närrisch, trotz Androhung von Strafen, die aber nicht folgten. „Es ist ä wunderschönes Bild, die Spättle vor dem Niggelturm“, schwärmte Michael Armbruster, als die bunte Schar vor’s Gengenbacher Rathaus zog.“

„So welle mer’s jo!“

Die Hexen hatten im Vergleich zum vergangenen Jahr wesentlich mehr Arbeit. Klappte das 2019 das Stellen des Hexenbaums in wenigen Sekunden, dauerte es am Mittwoch deutlich länger. „Es isch spannend, aber so welle mer’s jo!“, schallte Michael Armbrusters Stimme vom Rathausbalkon. Für den närrisch-guten Ton sorgten nicht nur die Klepperlesmaidli und -bube, sondern auch die „Fidelios“ und die kräftige Narrenschar.

In Ohlsbach herrschte am Donnerstagvormittag buntes Treiben. „Ich hab’s rumple g’hert, jetzt, jetzt isch er uffgstande“, kündigte Zunftmeister Matthias Stolzer den Hennelochschratt an. Zuvor hatten hunderte Narren ihr ganze Lautstärke aufbieten müssen, „will der Schratt ’s ganze Johr g’schlofe hett und villicht gar nit uffstehe mecht.“ 

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Entsprechend schallte es durch Ohlsbach „Schratt, kumm rus!“ und inbrünstig „Blitz, Wurzel, Stock, Blitz, Wurzelstock, Latern und Spat u’sem Wald kummt hit de Schrat mit zwigge, zwagge, schelle sechse grobsle d’ Umbeise un schpugge d’ Hexe, Narri-Narro, Narri-Narro, Narri-Narro“! Das konnte selbst der Schratt im Tiefschlaf nicht mehr überhören.

Sodann zog die ganze Schar mit Beschallungswägen vor das Rathaus. Bürgermeister Bernd Bruders Versuch, sich durch Verstecken der Entmachtung zu entziehen, war zum Scheitern verteilt. Ein Suchtrupp aus Schratt, Hexen, Umbeisen, Germanen und Rekruten scheute ihn auf und so blieb ihm keine andere Wahl mehr, als den Rathausschlüssel rauszurücken.

Doch auch hier brauchten die Narren die Unterstützung des Volks: „Und jetzt rufe mer alle: Bernd, komm rus, Bernd komm rus, Bernd, komm rus!“ Ja, in der Fasend dürfe man das sagen, aber im Alltag ist er doch der Herr Bürgermeister, schärfte Zunftmeister Matthias Stolzer das Bewusstsein.

Gutsele-Schauer

Und schon prasselte ein Bonbonregen auch die närrische Kinderschar hernieder. Es wumselte beim Einsammeln der Leckereien auf dem Boerscher Platz fast schon wie in einem Umbeise-Haufen.

Ob in Gengenbach, Ohlsbach oder anderswo: Jetzt gibt es für die Narren kein Halten mehr. Die Straßenfasend ist eröffnet! Bis Dienstag um Mitternacht geht es jetzt in allen Ortschaften rund.

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