Bundesweites Projekt

Strohbacher Grundschüler als "Sojaforscher"

Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
12. Oktober 2018

Volker Hahn, stellvertretender Leiter der Landessaatzuchtanstalt der Uni Hohenheim, sowie Simone Vollmer (hinten, von links), Lehrerin an der Geschwister-Scholl-Grundschule, freuten sich über das Engagement der Strohbacher Grundschüler bei der Sojaforschung. ©Thomas Reizel

Die Grundschule in Strohbach ist Teil eines bundesweiten Forschungsprojekts der Universität Hohenheim. Es geht um die Sojabohne. Die Wissenschaftler möchten erforschen, welche Sorten sich am besten für den Anbau und die Produktion von Tofu eignen.
 

Mit Eifer waren am Freitagvormittag Strohbacher Grundschüler dabei, im kleinen Schulbauernkarten Soja-Bohnen zu ernten. Lehrerin Simone Vollmer hatte dabei eine Menge zu beachten, vor allem, dass nichts durcheinander läuft und jede Sojabohne in das richtige Säckchen gelangt. Denn die Kinder haben einen Forschungsauftrag im Zuge von »Soja Experiment 1000 Gärten« (siehe Stichwort). Sie tragen als einer von rund 1000 Beteiligten in Deutschland dazu bei, der Universität Hohenheim für die Erforschung der Hülsenfrucht wertvolle Informationen zu liefern.

»Wir prüfen viele Sorten auf Öl- und Proteingehalt, ermitteln Wachstum der Keime und Beginn der Blüte, wann die Bohnen reif sind und wo sie am besten wachsen. Dann erforschen wir den Zusammenhang der Eigenschaften mit der jeweils sorteneigenen Genstruktur«, erklärte Volker Hahn aus Willstätt-Eckartsweier, stellvertretender Leiter der Landessaatzuchtanstalt der Uni Hohenheim, am Freitag im Schulbauerngarten. Entsprechend sorgfältig mussten die Grundschüler arbeiten, denn diverse Sojasorten standen in diversen Reihen. Und deshalb war es wichtig, dass die jeweils geernteten Bohnen auch richtig zugeordnet wurden.

Ein Erntejahr beschäftigt

Alle rund 50 Strohbacher Schüler aus den Klassen 1/2 und 3/4 sind seit dem Frühjahr mit dem Projekt beschäftigt. »Im März/April haben wir den Boden bearbeitet, im Mai nach Anleitung die Bohnen gesetzt«, erklärte Simone Vollmer. Ende Mai, also um Pfingsten, wurden die ersten Keimlinge entdeckt. Die Kinder gingen sogar während der Ferien immer wieder mal nachsehen. Dann ließen sie die Bohnen einfach wachsen und beobachteten, wann und wie sie blühen, wie sich jede der Pflanzen verzweigt und wie groß sie inzwischen sind. Immer wieder mussten auch die Tagestemperaturen aufgezeichnet werden.

- Anzeige -

Weil der Sommer so heiß und trocken war, übernahmen Eltern der Strohbacher Schulkinder den Gießdienst über die großen Ferien. Dazu dienter der Brunnen der Brennerei Wild. Dort konnten die Eltern einen Schlauch anschließen.  Ab September waren die ersten Bohnen reif. Weitere folgten, sodass bis in den Oktober geerntet werden kann.

Test auf Tofu-Eignung

Doch mit der reinen Auswertung der Bohnen auf Öl- und Proteingehalt und weitere Eigenschaften einer Bohne belässt es die Uni Hohenheim nicht. »Wir arbeiten eng mit Europas größtem Tofu-Hersteller, der Firma Taifun in Freiburg, zusammen«, erläuterte Volker Hahn. Ihr werden von jeder Probe 80 Gramm zur Verfügung gestellt, um Tofuproben herzustellen. Dadurch werden Erkenntnisse erhofft, welche Sojabohne sich dafür am besten eignet. Denn die Nachfrage nach Tofu steigt und das Freiburger Unternehmen wolle so viel wie möglich Sojabohnen aus deutschem Anbau verarbeiten.

Für Simone Vollmer stehen auch die pädagogischen Aspekte im Vordergrund: »Die Kinder mussten zählen und mit Längenmaßen arbeiten und strukturiert vorgehen.« Auch um Deutsch und digitalen Unterricht wird es noch gehen. »Die Kinder bekommen Fotos von mir, die sich mit den neuen Tablets aufbereiten und mit Texten versehen. Ziel ist eine Fotowand«, blickte Simone Vollmer voraus.

Stolz sind die Kinder aber jetzt schon, weil sie der Wissenschaft helfen konnten. Und sie haben viel über Nachhaltigkeit und Umweltschutz erfahren. 

Stichwort

»Soja Experiment 1000 Gärten«

Das Projekt »Soja Experiment 1000 Gärten« wird getragen von der Uni Hohenheim, Europas größtem Tofu-Hersteller, der Firma Taifun aus Freiburg, und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung. Ziel ist es, nicht genmanipulierten Bio-Soja heimisch machen. Gemeinsam mit 1000 Gärtnern aus ganz Deutschland, darunter die Grundschule Strohbach, werden zahlreiche Sorten angebaut und auf Tofueignung getestet. Nach 2016 ist das das zweite Versuchsjahr. Über 90 Prozent der global angebauten Sojabohnen wird zu Öl und Futtermitteln verarbeitet. Um diese riesigen Mengen zu erzeugen, wird Soja in Monokultur und unter Einsatz giftiger Pflanzenschutzmittel kultiviert, die nicht nur den Boden, sondern auch die Gesundheit  gefährden.
Dabei wäre es ökologisch und ernährungsphysiologisch viel sinnvoller, Pflanzen wie Soja direkt zu verzehren, lautet der Forschungsansatz. Nach dem Versuch sollen ertragreiche Pflanzen gezüchtet werden, die in Deutschland überall gut wachsen.
Internet: www.1000gaerten.de

Weitere Artikel aus der Kategorie: Offenburg

vor 5 Stunden
Galerie schon am 12. März
Der Offenburger Fachbereich Kultur hofft auf einen schnellen Re-Start von Galerie, Museum im Ritterhaus und Stadtbibliothek.
vor 8 Stunden
Wahlkreis Offenburg
Bei der Landtagswahl am 14. März treten im Wahlkreis Offenburg auch Parteien oder Vereinigungen an, die noch nicht im Gremium vertreten sind. Wir haben bei deren Kandidaten nachgefragt, warum sie kandidieren und wie sich der Wahlkampf gestaltet.
vor 10 Stunden
Der Schutterwälder an sich
In dieser Woche kolumniert Otmar Hansert über die längst fälligen Friseurbesuche und Kindheitserinnerungen.
vor 13 Stunden
Zunsweier
In der Sitzung des Ortschaftsrat Zunsweier wurde die Verkehrssituation in der Michael-Armbruster-Straße bemängelt. Auch über unverantwortliches Parken wurde in der Fragerunde gesprochen.
vor 13 Stunden
Wo die "Nordsee" hin will
Um die Corona-Fehlleistungen der Bundesregierung, ein „Ufo“, das glücklicherweise nicht in Offenburg gelandet ist, zwei ansiedlungswillige Läden und einen glücklichen ADAC-Pannenhelfer geht es im Offenburger Stadtgeflüster. 
vor 16 Stunden
Wie wollen Sie die Wirtschaft stärken?
Die Mittelbadische Presse fühlt Landtagskandidaten aus dem Wahlkreis Offenburg auf den Zahn. Heute (Teil 2) geht es um Grenzpolitik, Wirtschaft, Tourismus, Automobilindustrie und Flüchtlinge. 
Symbolbild
vor 16 Stunden
Offenburg
Der Einsatz mehrerer Streifenbesatzungen und letzten Endes die Aufmerksamkeit eines Passanten führten am Freitagabend erfolgreich zum Auffinden einer als vermisst gemeldeten Person aus Offenburg.
vor 19 Stunden
Offenburg
15 Stationen führen Pilger durch die Stadt. Die katholische Kirchengemeinde Sankt Ursula lädt für die vorösterliche Zeit ein, die Leidensgeschichte Jesu zu Fuß oder mit dem Rad nachzugehen. 
vor 21 Stunden
Youtube-Kanal
Statt einer offenen Tür werden die Instrumente in diesem Jahr auf dem Youtube-Kanal der Musikschule vorgestellt.
vor 21 Stunden
Ehrenamtliche Nistkästen-Plege in Oberharmersbach
Der frühere Oberharmersbacher Förster Josef Lehmann kümmert sich mit zahlreichen Helfern um die Nistkästen im Gemeindewald Oberharmersbach. Jede Vogelart macht es sich anders gemülich.
vor 21 Stunden
Impfzentren besucht
Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer hat Offenburg besucht und sich die Impfzentren angeschaut.
vor 21 Stunden
Neue Ortsplantafel beim Rathaus
Ein Service für Einheimische und Gäste: Die neue Ortsplantafel in Biberach bietet neben Orientierung auch interessante Tipps.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Ist auch in Corona-Zeiten für Bike-Begeisterte da: das Team von LinkRadQuadrat in Gengenbach.
    vor 16 Stunden
    Regionale Online-Shops: heute LinkRadQuadrat in Gengenbach
    Die Liebe zum Radsport, die Motivation neue Abenteuer zu erleben, die Suche nach neuen Innovationen, unzählige Testsiege, positive Kundenbewertung und die Motivation, immer mehr Leute zum Radfahren zu begeistern, ebnen den Weg der Erfolgsgeschichte von LinkRadQuadrat in Gengenbach. Mit der...
  • Motivierte Mitarbeiter, die gern zur Arbeit kommen, sind das Rückgrat der Hermann Uhl KG Ortenau. Das Team sucht Verstärkung: Also, bewerben!
    05.03.2021
    Mit den Betonerzeugnissen der UHL KG wird das Zuhause erst richtig schön
    Bei uns ist es am Schönsten! Haus und Garten sind so individuell wie die, die darin leben: Sie sind Rückzugsort, Wellnessbereich oder Sterne-Restaurant. Spätestens die Pandemie hat uns wieder in die Sinne gerufen, wie wichtig der heimische Garten ist und wie er beruhigt, wenn er schön und...
  • Ware vorab bestellen und abholen. Das ist via ClickCollect möglich. Aber das ist nur ein Weg über den der Kehler Handel die Kunden erreicht.
    02.03.2021
    Lockdown hin oder her: Immer für die Kunden da
    Die Einkaufsstadt Kehl ist für ihre Kunden da – Lockdown hin oder her. Die Händler und Gastronomen haben viele Wege über Telefon, online und die neuen Medien gefunden, wie sie ihre Kunden erreichen. Die breit angelegten Videokampagne „Kehl bringt’s“ von Kehl Marketing fächert die Leistungsfähigkeit...
  • Sie suchen Arbeit in einer Region, in der andere Urlaub machen? acrobat Personaldienstleistungen in Achern rekrutiert Fachkräfte für Firmen in Baden.
    01.03.2021
    acrobat GmbH: Aus der Region für die Region
    Die starke Wirtschaft in Baden braucht einen starken Partner: die acrobat GmbH in Achern bietet Arbeitgebern ein maßgeschneidertes Dienstleistungspaket rund ums Personalmanagement und ist in der Region fest verwurzelt.