Offenburg

»Tante Bamba« trug 1938 die erste Maske

Autor: 
Faltin Marc
Lesezeit 3 Minuten
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24. Januar 2013
Marc Faltin - Spättlehansel-Gremium im Jubiläumsjahr mit Spättlehanselmeisterin Simone Ficht (von links), Manuela Buschert, Bärbel Schneider, Stephanie Groß, Silke Harter und Manuela Oeschger im Hexenkeller.

(Bild 1/3) Marc Faltin - Spättlehansel-Gremium im Jubiläumsjahr mit Spättlehanselmeisterin Simone Ficht (von links), Manuela Buschert, Bärbel Schneider, Stephanie Groß, Silke Harter und Manuela Oeschger im Hexenkeller.

Die Spättlehansel zählen neben den Hexen, die 2009 ihren 75. Geburtstag feierten, zu den bekanntesten Figuren der Gengenbacher Fasend und blicken nun ihrerseits auf 75 Jahre zurück.

Gengenbach. Die erste Spättlehanselmaske stammt von 1938, am 7. Januar wurde sie vorgestellt. Ihre Trägerin Pauline Dold, genannt »Tante Bamba«, war auch Alt-Gengenbacherin. »Damals kostete das gute Stück 18 Reichsmark, heute mehr als 300 Euro«, weiß Michel Bahr, Kanzler der Narrenzunft und wandelndes Lexikon für Gengenbachs Fasend, »die erste Spättle-Maske nach dem Krieg hatte schon ein wesentlich anderes Aussehen.« Beide Masken wurden von Hans Irion geschnitzt, dem ersten Maskenschnitzer der Gengenbacher Holzmasken. Vor Gründung der Narrenzunft Gengenbach e. V. 1957 waren auch Männer als Spättle und Frauen als Hexen unterwegs. In der Vereinssatzung wurde dann aber festgeschrieben: Spättle sind Frauen, Hexen sind Männer.

Derzeit gibt es 160 aktive Spättlehansel. Seit 2010 leitet Simone Ficht als Spättlehanselmeisterin und Nachfolgerin von Alexandra Hügel diese Schar der bestens gelaunten Brauchtumspflegerinnen, die mit Ursel Huber auch eine Ehrenspättlehanselmeisterin hat.

Rund 1200 Stoffstücke

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»Das erste Spättlehäs stammt ebenfalls aus der Zeit der ersten Spättlemaske, die Spättle waren allerdings nicht doppelt genäht und gewendet wie heute, sondern einfach aus Filz«, so Michel Bahr. Es werden zweierlei Stoffe dachziegelartig ausgeschnitten, zusammengeführt, gewendet und überlappend auf den Anzug aufgenäht. Für ein Häs benötigt man gut 1200 doppelt genähte Stoffstücke. »Um ein Spättlehanselhäs zu nähen, braucht ein Profi gut 30 Stunden«, sagt die selbst närrische Näherin Iris Bahr, die diesmal drei neue Häs in ihrer Werkstatt hat für die drei Neulinge, die in der Mitgliederversammlung am 11.11. vorgestellt wurden. Jedes Spättlehansel müsse indes mit Hand anlegen beim Nähen, um die Kosten in Grenzen zu halten, so die Ehefrau von Kanzler Bahr, die auch den Schalk, die Symbolfigur der Gengenbacher Fasend, schminkt.

Zum Spättlehanselhäs werden dunkle Schuhe getragen, an der freundlich dreinschauenden Maske mit angeschnitztem Haaransatz ist die Kopfhaube mit zwei schwarzen Tuchhörnern und kleinen Schellen befestigt. Das Spättlehansel schwingt einen Stecken mit Saubloder, die ab und zu die Zuschauer zu spüren bekommen, oder eine hölzerne Streckschere, an der oft Hüte oder Mützen »einfach so hängen bleiben«. Der Einmarsch beim »Heitere Owe« ist der erste offizielle Auftritt der Spättlehansel und der Hexen in der fünften Jahreszeit. Am Mittwoch vor dem Schmutzigen stellen die Hexen ihren »Hexebese« auf, daneben die Spättlehansel den großen Feuerhaken. Damit erinnern sie an eine Begebenheit von 1499.

Die Spättlehansel treffen sich nicht nur in der Fasendzeit. Im Frühjahr und Herbst findet die Spättlehanselversammlung statt, im Herbst werden die Anträge der »Neuspättle« vorgetragen, die ihren bis 30. Juni beim Narrenrat oder Spättlehanselgremium eingereichten Antrag vor der Spättlehanselschar vortragen müssen. Alle aktiven Spättlehansel können zustimmen oder ablehnen. Ein »Neuspättle« muss mindestens 80 Prozent der Stimmen auf sich vereinen, um das Häs tragen zu dürfen. Einmal im Monat reinigt ein »Spättleputzgeschwader« das zünftige Narrenmuseum im Niggelturm. In der fasendarmen Zeit treffen sich die Spättle zu Ausflügen, Wanderungen und zum Spanferkel­essen im Juli auf dem Harter-Hof in Bermersbach.

»Und beim Jubiläumsfest im Hexenkeller gibt es für die Spättlehansel eine Überraschung«, verspricht Michel Bahr.

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