Er hat drei Oberbürgermeister miterlebt

TBO-Mann Josef Wenzel wird 75 Jahre alt

Autor: 
Regina Heilig
Lesezeit 3 Minuten
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04. Juli 2020

Als kleiner Junge lernte Josef Wenzel reiten. Später war er Fuhrwerkfahrer. An diese Zeit in seinem Leben erinnert ein Foto in seinem Zuhause. ©Regina Heilig

Josef Wenzel, meistens „Sepp“ genannt, feiert am Samstag, 4. Juli, seinen 75. Geburtstag. Nach seiner Flucht aus Rumänien, über Jugoslawien schließlich nach Offenburg, wurde der Jubilar nicht nur durch seine langjährige Arbeit bei den Technischen Betrieben Offenburg bekannt wie ein bunter Hund.

Man könne „mit ihm nicht durch die Stadt gehen“, seufzt die Ehefrau von Josef Wenzel, der am Samstag, 4. Juli, 75 wird, regelmäßig im Scherz. Kein Wunder, schließlich ist der ehemalige Mitarbeiter der TBO, den alle nur „Sepp“ nennen, auch zehn Jahre nach seinem Ruhestand in Offenburg noch „bekannt wie ein bunter Hund“. 

Josef Wenzel stammt aus der Gemeinde mit dem schönen Namen „Liebling“ im Banat. Früh verwaist, wuchs er bei seiner Tante Ida auf, die auch seinem Bruder Adam ein neues Heim bot. Insgesamt waren die Wenzels sechs Geschwister. Schon als Zwölfjähriger musste der junge Josef, den schon damals alle „Sepp“ nannten, im landwirtschaftlichen Betrieb seiner Heimatgemeinde „schaffen gehen“, wie er trocken berichtet. 

Zusammen zum Brunnen

Dass er schon als kleiner Bub bei einem Nachbarn das Reiten gelernt hatte und ihm auch an der ersten Arbeitsstelle ein Fuhrwerk anvertraut wurde, half ihm später beruflich weiter. Als sein Bruder, Schmied von Beruf, nach Gier versetzt wurde, ging Josef mit. Hier lernte er seine Frau Maria kennen, die er 1966 heiratete. 

„Beim Tanzen in einem Jugendclub“ traf man sich, und später gingen die jungen Leute gern zusammen zum Schöpfbrunnen, der etwa einen halben Kilometer vom Dorf entfernt die Gemeinde mit Wasser versorgte. Das Modell eines solchen, für die Gegend typischen, Brunnens steht heute noch auf dem Wohnzimmerschrank.  Da Maria katholisch und Josef evangelisch ist und bei aller Liebe keiner der beiden die Religion wechseln wollte, wurden sie nach dem Standesamt von einem findigen Pfarrer, der ein wenig von beiden Seiten einstreute, kirchlich getraut. Sohn Herbert und Tochter Annemarie kamen, und heute haben Wenzels drei Enkel- und schon fünf Urenkelkinder. Viele Kinderfotos nehmen bei ihnen eine halbe Wand ein.

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Zwölf Jahre lang war Josef Wenzel in Rumänien für das örtliche Wasserwirtschafts­amt tätig und fuhr einen Ingenieur zu Pumpstationen, die regelmäßig inspiziert werden mussten – und zwar mit dem Pferdefuhrwerk. „Das war auf den unbefestigten Straßen jedem Auto überlegen, vor allem bei ungünstigem Wetter“, berichtet er. 

Und auch, wenn es ihnen nicht schlecht ging und das Risiko enorm war: 1981 gingen Josef Wenzel und seine Familie „schwarz über die grüne Grenze“ nach Jugoslawien. „Wir hätten nicht erwischt werden dürfen“, wussten die Eheleute um die Gefahr. 
In Jugoslawien prüften die Behörden sorgfältig, ob die Ausreisewilligen auch nichts „auf dem Kerbholz hatten“, zeigten sich dann aber hilfreich. Unbescholtene Deutschstämmige wie die Wenzels bekamen falsche Pässe, mit denen der Grenzübertritt nach Österreich gelang.

Wenzels Bruder lebte schon im Südwesten, und so kam der Jubilar nach Offenburg, wo er praktisch sofort Arbeit bei den Technischen Betrieben fand. Bis heute lobt er die Stadt als Arbeitgeber, was auf Gegenseitigkeit beruhte: „Ich habe drei Bürgermeister gehabt, den Grüber, den Bruder und Frau Schreiner – und alle waren zufrieden“, ist er heute noch stolz. „Sepp“ Wenzel ist ein überaus „schaffiger“ Mensch, wie man hier sagt, und da er auch praktisch dachte und seine Aufgaben pragmatisch anging, wurde ihm eine große Selbstständigkeit zugestanden, was er schätzte. 

Im Kreis der Familie

Im Ruhestand widmet der Jubilar seine ungebrochene Energie und Arbeitsfreude seinem Schrebergarten, der Richtung Ortenberg liegt und in dem heute auch der Geburtstag im Kreise der Familie gefeiert wird. Wenzels holen mit Kindern und Kindeskindern das traditionelle Forellenessen nach, das eigentlich eine familiäre Karfreitagstradition ist, dieses Jahr aber „wegen Corona“ ausfiel.

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