Sie hören bei Problemen zu

Telefonseelsorge Ortenau Mittelbaden sucht Ehrenamtliche

Autor: 
Barbara Puppe
Lesezeit 4 Minuten
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15. September 2018

Die Telefonseelsorge Ortenau Mittelbaden sucht neue ehrenamtliche Mitarbeiter. Im Oktober beginnt ein neuer Ausbildungskurs. ©Barbara Puppe

Die Telefonseelsorge Ortenau Mittelbaden sucht neue ehrenamtliche Mitarbeiter. Julia macht seit 15 Jahren Tag- und Nachtdienst am Sorgentelefon, 14 Stunden im Monat. Sie weiß, für viele Menschen ist es eine Hilfe, überhaupt reden zu können und jemanden zu haben, der zuhört und sie ernst nimmt. Julia ist ein Deckname, die Mitarbeiter der Telefonseelsorge bleiben anonym. Warum das so ist und was die häufigsten Gründe für einen Anruf sind, verrät Julia im Interview.

Warum ist es notwendig, dass Sie anonym bleiben? 
Julia: Unsere Arbeit soll  in der Anonymität stattfinden, auch die Anrufer bleiben ja anonym, das setzt die Hemmschwelle wesentlich herunter. Viele Menschen tun sich auch leichter, wenn sie den Gesprächspartner nicht kennen. Für mich selber ist die Anonymität wichtig, es ist ein gewisser Schutz für uns als Mitarbeiter, diese Arbeit hier zu tun im Dienstzimmer und nicht von Zuhause aus, sondern in einer anderen Welt. Ich empfinde es auch so, dass ich eine andere Welt betrete, ich versuche alles hinter mir zu lassen, um ganz für die Anrufer da zu sein. Ich nehme die Probleme möglichst  nicht mit nach Hause, die Möglichkeit über Belastendes zu reden, besteht in einer Supervisionsgruppe, wo ein Austausch möglich ist. 

Sie sprechen von einer anderen Welt, wie ist das gemeint? 
Julia: Es bedeutet,  dass andere Maßstäbe gelten als im Alltag. Ich höre aktiv zu, im Sinne von dahinter hören, was hinter den Problemen tatsächlich steckt, denn oft sind die Schwierigkeiten tiefer, als ausgesprochen wird. Gesprächsführung ist ein wichtiger Teil unserer Ausbildung. Es ist erstaunlich, wie viel mehr man hört, wenn man nur das Telefon als Medium hat und nicht abgelenkt ist durch den Alltag. 

Welches sind denn die häufigsten Gründe für einen Anruf bei der Telefonseelsorge?
Julia: Die häufigsten Themen sind Beziehungsgeschichten in Partnerschaft und Familie, im Beruf, wie beispielsweise Mobbing, Trennungen, Verlassen werden, Einsamkeit nach Scheidung oder Todesfall. Manche Menschen haben Probleme, selber Kontakte zu anderen aufzunehmen, oder werden von anderen abgelehnt, warum auch immer. Auch psychische Krankheiten und Belastungen begegnen uns häufig.

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Sie sind nicht nur tagsüber zu erreichen, sondern auch nachts und an Feiertagen. 
Julia: Manche Probleme  brauchen den Schutz der Nacht, um ausgesprochen werden zu können. Ich kann im Nachtdienst eine ganz lebhafte Nacht haben mit einem Telefonat nach dem anderen, es kann aber auch sein, dass ich Nächte erlebe, in denen ich auf Anrufe warte. In Zeiten, wo viele Familienfeste gefeiert werden, Weihnachten oder Ostern, ist die Tendenz schon da, dass viele Menschen, die keine Familie haben, sich an uns wenden.

Welche Art der Hilfe können Sie am Telefon anbieten? 
Julia: Meine Aufgabe ist Zuhören und dahinter hören. Thema des Gesprächs wird es dann sein, zu schauen, was zu ändern wäre. Ich kann Denkanstöße geben. Wir wollen keine Antworten geben und die Probleme der anderen lösen, sondern Hilfestellung geben, dass der Anrufer selber einen Weg findet, ein Problem zu lösen oder bestmöglich auch mit unlösbaren Situationen umgehen kann. Es kommt auch vor, dass Menschen sich schwertun, gleich loszulegen mit ihrem Problem, weil sie vielleicht schon viele Enttäuschungen auf dem Gebiet erlebt haben, da gilt es, das Schweigen auszuhalten und abzuwarten bis der andere bereit ist.

Warum haben Sie sich so eine schwierige ehrenamtliche Tätigkeit ausgesucht?
Julia: Es gibt Gespräche, die sehr unbefriedigend sind, wo wir vielleicht sogar beschimpft werden, aber das Gros der Gespräche ist durchaus so, dass ich einen Sinn darin sehe. Wenn ich spüre, ich kann Hilfestellung anbieten, das bestätigt natürlich. Wichtig ist mir die Erfahrung, dass Gespräche, durch die Nähe entsteht, schon eine große Hilfe sind. Das bereichert mich, denn ich bin auch selber dabei die Lernende, mache Erfahrungen, die mir gut tun. Meine kleine Welt weitet sich, und diese Erfahrung möchte ich auch nicht missen.

 INFO: Im Oktober beginnt bei der Telefonseelsorge Ortenau Mittelbaden ein neuer Ausbildungskurs mit mehreren Terminen verteilt auf 14 Monate. Wer sich für das ehrenamtliche Engagement bei der Telefonseelsorge Ortenau Mittelbaden interessiert kann sich unter 
• 07 81/2 27 58 oder per E-Mail an info@ts-ortenau.de melden.

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