Heimatabend im Weingut Roeder von Diersburg

Theaterszenen zu 300 Diersburger Auswanderern

Autor: 
Steffi von Roeder
Lesezeit 3 Minuten
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15. August 2018

Die »Herbstzeitlosen und die Kindergruppe der Hohberger Bühnen spielten im Weingut Roeder von Diersburg Szenen aus dem vorvergangenen Jahrhundert, die viele Diersburger zum Auswandern zwang. ©Heimatverein

Flucht aus wirtschaftlicher Not ist ein vertrautes Thema. Aus dem kleinen Diersburg sind binnen 60 Jahren des 19. Jahrhunderts allein 300 Bewohner ausgewandert. Genau das war am Samstag Gegenstand des sechsten Heimatabends im Weingut Roeder von Diersburg.

Zwischen 1833 und 1897 sind allein aus Diersburg 300 Dorfbewohner nach Amerika ausgewandert. Wie es dazu kam und die Geschichten dazu waren Thema des sechsten Heimatabends im Weingut von Roeder am vergangenen Samstag. 
Die historische Recherche hatte Claudia Kälble vom Heimatverein übernommen, die die 200 Gäste gekonnt in das Thema einführte. Die Theaterszene (gespielt von den »Herbstzeitlosen« und der Kindergruppe der Hohberger Bühnen, unterstützt von Wolfgang Feißt) zeigte all die Not und Verzweiflung der Diersburger Familien, die zur Auswanderung führte. 
Gänsehaut und Tränen
Die Kinderdarsteller (Mona Isenmann, Yannick und Angelina Sinz, Tosca Bühler) und auch das Elternpaar (Astrid Vetter-Brüderle und Wolfgang Feißt) spielten so überzeugend ihre Verzweiflung (»Jetzt ist das Kalb verreckt und die Kuh auch gleich noch dazu«) und den Hunger (»Scho’ wieder Erdäpfel und Bibiliskäs – ich hätt so gern mol wieder ein Stückle Brot Mutter«) – die Zuschauer hatten Gänsehaut und so manche Träne wurde verdrückt. 
Die Gettel (Dorle Kammerer) machte Mut, doch nach Amerika auszuwandern und berichtete von Diersburgern, die dort ihr Glück gefunden hatten. Claudia Kälble hatte viele Details dieses Wagnisses der Auswanderung aus dem vorvergangenen Jahrhundert zusammengetragen und erzählte, neben vielem Wissenswerten, eindrucksvoll von der Reise nach Holland, dem niedrigen Zwischendeck auf dem Schiff, Gestank und aufkommender Apathie bis die Familien – teilweise mit acht Kindern  und nur dem nötigsten Gepäck – in Amerika ankamen.
Durch das Vorlesen von Briefen und den aktiven Erzählungen der anwesenden Gäste wurde vom teilweise sehr erfolgreichen Leben der Auswanderer in Amerika berichtet (Bierbrauer, Weinhändler, Farmer) und auch anschaulich  erzählt wie die »Amerikaner« später Besuche in der Heimat machten, die als große Feste gestaltet wurden. 
So manches Mitgebrachte ist dabei noch heute in lebendiger Erinnerung, wie zum Beispiel ein lederner Fussball oder eine echte Ray-Ban-Sonnenbrille. Mitgebrachte bunte Röcke allerdings konnten nur zu Fasnacht getragen werden, sie galten in Diersburg als zu »geckelig«.
Passend zum Thema servierten die zahlreichen Helfer des Heimatvereins »Erdäpfel und Bibiliskäs« und zum Nachtisch »Griesbrei  mit Epfelmus«. Dazu trank man den Diersburger Wein, der, wie man gehört hatte, bereits auch schon im 19. Jahrhundert nach Amerika geliefert worden sein soll. Es war ein Abend, der unter die Haut ging und auch so manche Parallele zur heutigen Situation der Geflüchteten aufzeigte.

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