Hilfen

Trauer ist keine Krankheit

Rapahel Jung, Klaus Krüger
Lesezeit 4 Minuten
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23. September 2022
Helena Gareis

Helena Gareis ©Privat

Serie Leben mit Krebs (6): Gespräch mit Helena Gareis, geschäftsführende Leitung des Kinder- und Familienhospizdienstes über die Arbeit mit Betroffenen.

Krebs ist eine heimtückische Krankheit, wie es das Schicksal von Tina Jung (42) zeigte. Die Altenheimerin starb im Dezember 2021 an den Folgen ihrer Krebserkrankung. Ihr Mann Raphael, einst Bürgermeisterkandidat für Neuried, begleitete ihr Leiden und Sterben über Monate hinweg. Er regte an, einige Aspekte einer solchen Krankheitsgeschichte in einer Serie zu würdigen – wir lassen darin Experten zu Wort kommen. Heute: Helena Gareis, geschäftsführende Leitung des Kinder- und Familienhospizdienstes.

Frau Gareis, für wen ist der Kinder- und Familienhospizdienst gedacht? Wie helfen und betreuen Sie beim Kinder- und Familienhospizdienst?

Wir begleiten Kinder und Jugendliche mit einer lebensverkürzenden Erkrankung sowie deren Familien. Unsere Hilfe steht dem kranken Kind, den Geschwistern, den Eltern sowie allen Menschen im näheren Umfeld – wie Erzieherinnen und Erziehern, Lehrerinnen, Lehrern, Großeltern und so weiter offen.
Wir helfen auch abschied- nehmenden Kindern. Sobald in einer Familie bekannt wird, dass ein Familienmitglied unheilbar erkrankt ist, bieten wir der gesamten Familie Unterstützung sowie individuelle Beratung an. Das gilt auch für trauernde Kinder. Trauer ist keine Krankheit – aber nicht gelebte Trauer kann krankmachen. Wir begleiten sowohl Kinder und Jugendliche als auch das ganze Familiensystem in ihrer Trauer. Neben Einzelbegleitung bieten wir auch Trauergruppen an. Verschiedenste Freizeitaktivitäten sind ein weiterer Baustein unserer Arbeit.

Müssen Familien dafür bezahlen?

Unsere Angebote sind für alle Familien kostenfrei und stehen – unabhängig von Weltanschauung, Religion und Nationalität – allen Betroffenen offen. Unsere Tätigkeitsschwerpunkte sind: Wir beraten umfassend, koordinieren Hilfen, betreuen das erkrankte Kind ab Diagnosestellung, betreuen Geschwisterkinder. Außerdem bieten wir Gespräche für alle Beteiligten an und begleiten Kinder und Jugendliche in der Trauer.
Auch arbeiten wir mit sozialen Diensten, Ärzten, Psychologen, ambulanten Kinderpflegediensten und Kinderkliniken zusammen.

Wie viele Familien betreuen sie derzeit?

In den letzten 12 Monaten haben wir 140 Familien betreut. Jetzt aktuell in diesem Monat 32 Familien.

Auf welche Probleme stoßen Sie bei ihrer Arbeit?

Schwierige Situationen sind oftmals die Tabuisierung von Tod und Krankheit. Diese Themen passen nicht in unsere derzeitige konsumorientierte und spaßorientierte Gesellschaft. Die Verabschiedung der Verstorbenen und von unseren Vorfahren übernommenen Abschiedsrituale werden den Menschen zunehmend fremd beziehungsweise sind ganz abhandengekommen. Die Zeit durch die Coronapandemie förderte extrem, dass Abschiedskulturen verhindert oder gar nicht mehr gelebt werden konnten. Jahrhundertealtes Kulturgut ging zum Teil endgültig verloren.

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Welche Tipps können Sie Familien geben, die mit einem Schicksalsschlag umzugehen haben?
Pauschale Hilfestellungen sind so nicht sinnvoll, da jede Familie eine sehr individuelle Geschichte mitbringt. Die Kunst unserer Arbeit besteht darin, den Familien individuelle und heilsame Angebote zu machen, damit sie wieder gut ins weitere Leben finden.

Ich persönlich schaue während der Begleitung stark auf die Ressourcen der Familie.

Was heißt das?

Ich gebe Raum für die Trauer und schaue gleichzeitig auf das, was die Familie jetzt noch trägt, wenn etwas Tragendes weggebrochen ist, was Halt gegeben hat. Das können gute Freunde sein oder wertvolle Menschen in der Gemeinde, die einbezogen werden. Langsam gemeinsam und nur in dem Tempo, wie es die Familie verstehen kann, wieder den Sinn im Leben suchen …

Bietet der Kinder- und Familienhospizdienst auch Fortbildungen etwa für Lehrkräfte und Schulen an für den Umgang mit Krankheit, Tod und Trauer?

Ich selbst bin Bildungsreferentin an der Landesakademie Baden-Württemberg um Beratungslehrer in Krisen-, Tod- und Trauersituationen praxisnah zu schulen. Also ja!

Wie wird der Kinder- und Familienhospizdienst Ortenau finanziert?

Wir bekommen einen Zuschuss vom Landkreis sowie in speziellen Fällen eine Förderung durch die Krankenkassen. 80 Prozent muss allein über Spenden finanziert werden.

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