Landesweite Armutswoche auch in Offenburg

Tüten für Leib und Seele: Kirchengemeinde verteilt Essen

Autor: 
Barbara Puppe
Lesezeit 3 Minuten
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23. Oktober 2020

Sie haben Fleischküchle und Kartoffelsalat in Stofftüten an die Bürger verteilt: Mirjam Feißel, Gemeindereferentin, Hannah Kohl, Stadtjugendreferentin, Markus Schuberth, Gemeindereferent, Marcel Oertwig, Dekan Matthias Bürkle, Beate Bleyer-Hansert, kirchliche Sozialarbeiterin. ©Barbara Puppe

250 Taschen mit badischem Essen haben die katholischen Kirchengemeinde Offenburg und die AGJ Wohnungslosenhilfe im Rahmen der landesweiten Armutswoche seit Mittwoch an Bürger verteilt.

250 Tüten mit einem vakuumierten badischen Essen und einem Gruß der Kirchengemeinde wurden in den vergangenen Tagen im Rahmen der landesweiten Armutswoche in Offenburg verteilt. Für die Aktion hat sich Patoralreferent Marcel Oertwig auf sein Lastenfahrrad geschwungen, vollgepackt mit den hellblauen Taschen. Unterstützung beim Verteilen bekam er von hauptamtlichen Mitarbeitern der Kirchengemeinde. 

Verschärfte Situation

An der alljährlichen Armutswoche beteiligen sich soziale Organisationen, Kirchen und Vereine, um auf Not und Armutsgefährdung hinzuweisen. In diesem Jahr steht die Woche vom 19. bis 24.Oktober unter dem Motto: „Arme Kinder – arme Gesellschaft“. Durch Corona habe sich die Situation in vielen Familien verschärft, Kinderarmut nehme zu, wie Andreas Hillebrandt vom Caritasverband Offenburg-Kehl als Mitveranstalter erklärte. Die Pandemie habe den Rhythmus in vielen Familien durcheinander gebracht, Kurzarbeit, nicht verlängerte Verträge, fehlende zeitliche Perspektiven belasteten die Eltern, es gebe kaum Ressourcen die Kinder zu unterstützen. 

Die Kirchengemeinde Offenburg Sankt Ursula will es anlässlich der Armutswoche zur Tradition werden lassen, bei einem gemeinsamen Essen Menschen unterschiedlicher Altersgruppen und unterschiedlicher sozialer Schichten zu begegnen. Bereits vor zwei Jahren haben sich Haupt-und Ehrenamtliche zusammengetan, um gemeinsam zu kochen. Das Essen wurde im Gemeindesaal von Sankt Fidelis serviert, dazu gab es Musik, Gespräche und selbstgebackenen Kuchen. Auch in diesem Jahr sollte ein gemeinsames Mahl zu Beginn der kalten Jahreszeit Freude und Wärme schenken – Corona hat es jedoch unmöglich gemacht. 

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„Leider konnten wir auch nicht wie in den letzten Jahren gemeinschaftlich in den Land- und Hauswirtschaftlichen Schulen kochen“, bedauerte Oertwig, deshalb freuten er und seine Mitstreiter sich sehr über die fachliche Unterstützung von Joachim Busam vom Hotel Restaurant Traube in Fessenbach, der sich an den Herd gestellt und ein gut badisches Menü gekocht hat: Kartoffelsalat und Fleischküchle, für Vegetarier gab es Gemüsebratlinge. Er übernahm auch die Verpackung, sodass das Essen nur noch aufgewärmt werden musste. 

Ins Gespräch kommen

Die Tüten wurden ab Mittwochabend verteilt. Schwerpunkte waren das Ursulaheim, die Wärmestube, aber auch Familien in Stegermatt oder Passanten in der Innenstadt. Das Entscheidende sei, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, so der Pastoralreferent. „Zunächst mal sagt man Hallo, natürlich fragt man, ob man die Tüte übergeben darf“, daraus könne sich der Kontakt entwickeln. Die Sorge um Menschen in ihren physischen und psychischen Nöten gehöre zum Grundauftrag der Kirche, so Pfarrer und Dekan Matthias Bürkle. „Die Begegnung mit den Menschen auf Augenhöhe macht uns ja auch Papst Franziskus vor, der in Rom am Petersplatz eine Armenspeisung eingerichtet hat.“ 

Auch in Offenburg habe sich die Kirchengemeinde in der Armutswoche zur Aufgabe gemacht, bei einem guten Essen Menschen zu begegnen. In diesem Jahr waren die Tüten für Leib und Seele die Alternative. Eine Tüte Gummibärchen gab es dazu und eine Grußkarte der Kirchengemeinde. „Wir fühlen uns mit Ihnen verbunden und möchten Ihnen besonders in dieser Zeit beistehen“, heißt es darauf. Das habe damit zu tun, was Jesus in der Weltgerichtsrede im Matthäusevangelium sagt, wo er sich selber mit den Hungernden und Dürstenden, mit den Mensch in Not identifiziert, erklärte Bürkle und sagte: „Was ihr einem der Geringsten meiner Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan.“

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