Am Montag Radrundfahrt zum Thema

Verwaltung Schutterwald will Regiejagd unter TBO-Führung

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20. Oktober 2019

Rehe schädigen durch Verbiss die Bäume im Schutterwälder Wald. Die Verpachtung an vier Jäger konnte den Bestand nicht wie gewünscht eindämmen, die TBO sollen nun übernehmen. ©Archiv

Die Verwaltung will im Schutterwälder Forst ab 2020 eine Regiejagd unter Führung der TBO Offenburg. Die Verpachtung von drei Jagdbezirken an vier Jäger habe sich nicht bewährt. Die Wildschäden seien hoch. Die Räte sehen das differenziert.

Der umfangreichste Punkt am Mittwoch im Gemeinderat Schutterwald war eine Information zum Thema Jagd. Heute gibt es eine Fahrradrundfahrt zur Information für alle Interessierten (siehe Hintergrund I). Eine Entscheidung im Rat soll Anfang November fallen.

Die Meinung von Bürgermeister Martin Holschuh und Hauptamtsleiter Thomas Feher ist klar: Die bisherige Verpachtung des Jagdbezirks hat die Abschusszahlen nicht gebracht, die es bräuchte, um dem notleidenden Wald eine Chance zu geben. Ihre bevorzugte Option aus mehreren Möglichkeiten ab dem 1. April 2020: Eine Regiejagd in Verantwortung der Technischen Betriebe Offenburg (TBO). Dann laufen die Jagdpachtverträge aus. 

Experten gefragt

Hilfe für ihre Argumentation holte sich die Verwaltung vom Forstbezirksleiter Simeon Springmann aus Offenburg, Revierleiter Markus Gutmann und Forstexperte Josef Müller.
Eindeutiger Tenor, auch unterstützt von einem Gutachten des Sachverständigen Götz Crocoll: Ohne massive Hilfe hat der Wald keine Chance. Zu Klimastress, Trockenheit, beschleunigtem Eschentriebsterben kommt der Verbiss hinzu, erläuterte Springmannn. Und wenn doch mal ein Stämmchen durchkommt, schält das Wild es ab. 

Der Forst setzt auf Naturverjüngung, also das natürliche Aussamen der Bäume. Von zehn Arten schaffe es aber nur der Ahorn, eine Oberhöhe von mehr als 100 Zentimeter zu erreichen. Das sei zu wenig, so Gutmann, das Ziel müsse ein gesunder Mischwald aus mehreren Baumarten sein. Mit Zäunen oder Anpflanzen komme man nicht weit. Die TBO habe im Offenburger Stadtwald in kurzer Zeit Erfolge mit ihrer Regiejagd erzielt. Wie Bürgermeister Holschuh sagte, bekomme die Gemeinde Schutterwald aus diesem Modell Einnahmen von fünf  Euro pro Hektar. Die TBO kümmerten sich dabei auch um Wildunfälle und Schadensregulierung. Jagdgäste seien gern gesehen. Holschuh: „Wir müssen die vielfältigen Funktionen des Walds unter einen Hut bringen. Eine Veränderung ist notwendig.“

Die Meinungen im Rat gingen auseinander. Josef Seigel (CDU) war ein gutes Miteinander von Forst und Landwirtschaft wesentlich. Ludwig Bindner und Erwin Hansert (beide CDU) plädierten dafür, am heutigen Montag alle Seiten zu hören, auch Vertreter des Jagdverbands. Ralf Beathalter (FWU) fragte, warum es im Bannwald mit dem Wild funktioniere und in Schutterwalds Forst nicht. Das liegt an der Größe der Waldfläche, erwiderte Markus Gutmann. Wenn der Mensch Wald für landwirtschaftliche Flächen einmal gerodet habe, müsse er immer wieder eingreifen.

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Maria Jung (SPD) plädierte dafür, auf jeden Fall eine Balance wieder herzustellen. Jäger könnten das nicht, sie hätten nicht so viel Zeit, sagte Springmann. Dass alles eilig ist, verdeutlichte Domenic Preukschas (NÖB): „Beim Klima tickt die Uhr.“

Erfolgreiche Schweiz

Hans-Martin Rotert (NÖB) wies auf die Schweiz hin – die nutze erfolgreich Antibabypillen statt Abschuss. Später sprach er sich für eine pragmatische Lösung aus.

Ralf Beathalter (FWU) fand es etwas einseitig, nur die Regiejagd zu empfehlen. Sein Fraktionskollege Arno Wolter kündigte an, dass seine Fraktion mit den Jägern reden wolle. Er verwies auf Kork – dort funktioniere es mit den Jagdpächtern. Wolter: „Ich fühle mich da schon manipuliert.“ Einem weiteren Versuch, die Jagd zu verpachten, erteilte Gutmann eine Absage: Man habe nicht die Zeit, das noch einmal zu versuchen, was bisher nicht geklappt habe. Andrea Junker (CDU) sagte: „Ich finde das nicht gut zu sagen, kein Jäger weit und breit kann das.“

 

Die Gemeinde lädt für heute, Montag, zu einer Fahrradrundfahrt „Jagdverpachtung“ zum Meinungsaustausch ein. Die Rundfahrt findet ab 17 Uhr statt. Treffpunkt ist das Waldstadion.

Hintergrund

Das sind die Ziele der Verwaltung

Die Gemeinde Schutterwald verfolgt im Forst folgende Ziele: Die ökologische Vielfalt des Walds erhöhen, attraktive Lebensräume für alle Tiere (auch das Wild) schaffen; die Wildschäden in der Landwirtschaft verringern; die Baumvielfalt und die natürliche Wurzelbildung (Trockenheit!) erhöhen – um den Wald fit für die klimatischen Veränderungen zu machen; den Wald als attraktiven Naherholungsraum erhalten.    

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