Offenburg

Von wegen rosa Leibchen

Autor: 
Klaus Krueger
Lesezeit 3 Minuten
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06. März 2001
Ballett gilt als Mädchensport. Ab und zu gibt es aber auch Jungs, die sich aufs Parkett wagen. Tim Kremser und Patrick Babak tanzen beide Ballett. Tim ist acht Jahre alt, Patrick Babak 25.
Offenburg. Wie es im Ballett zugeht, davon haben die meisten Menschen eine klare Vorstellung. Die Schülerinnen - Elevinnen genannt - hüpfen und springen, drehen Pirouetten und trippeln artig zur Klaviermusik. So weit das Klischee. Von Nausikaa Gründlers Schülerinnen trägt keine das Röckchen, Tutu genannt. Bevor die Stunde beginnt, muss die Tanzpädagogin erst mal die Liste checken, wer da ist und wer fehlt. Sie zählt alle Namen bis auf einen auf. Diesen Namen muss sie auch nicht extra abrufen. Nicht, weil das Kind einen grünen Turnanzug trägt und somit unter den rosa Leibchen schnell zu erkennen wäre, sondern weil es ein Junge ist. Tim. Tim ist der einzige Junge in der Kinderballettgruppe von Nausikaa Gründler und wenn Tim fehlt, dann fällt das sofort auf. Allein unter Mädchen Dem Achtjährigen macht es nichts aus, alleine unter Mädchen zu sein. »Er bewegt sich so gerne«, sagt seine Mutter und unterstützt Tims Interesse. Tim macht auch noch andere Sportarten. Er spielt Basketball und fährt Inliner. Ein ganz normaler Junge also. Nur mit Fußball hat er`s nicht. Tim tanzt, seit er vier Jahre alt ist. Seine Mutter berichtet, wie er manchmal von anderen Kindern ungläubig gefragt wird: »Was machst du denn?« Dann kontert er keck: »Na, kannst du denn ein Rad schlagen?« Tim kann das und ist stolz darauf. Ganz offen sagt er: »Ich finde es toll, was Besonderes zu machen«. Er findet es aber auch toll, wenn er bei einer Aufführung ein ganz normaler Tänzer ist, so wie die anderen Kinder auch. »Dann kann ich nämlich ein bisschen abgucken«. Das ist verständlich, denn Ballett ist nicht nur was für den Körper, sondern auch was für den Kopf. Müssen bei einer Stellung die Füße und die Knie nach außen gedreht sein, dann kann man sicher sein, dass die Haltung gerade sein sollte, der Bauch drin zu sein hat, der Po flach ist und der Hals, der soll schön lang sein. Und dann das Tanzen nicht zu vergessen. Das ist schwierig. Ballett ist weder unmännlich noch weibisch, wie es Nausikaa Gründler pointiert sagt. Ballett ist ein Höchstleistungssport. Diese Erfahrung macht auch Patrick Babak, der auch Modern tanzt. Der gut durchtrainierte Musiker (»Never Too Late«) findet im Ballett seine elegante Seite und das Wunschhafte und Träumerische. Erst vor drei Jahren kam er zum Tanzen. Höchstleistungssport Heute sagt er, dass »wenn mich jemand als Kind darauf aufmerksam gemacht hätte, dann hätte ich auch Ballett getanzt.« Das hat aber niemand getan, und so ist es für eine echte Ballettkarriere zu spät. Nausikaa Gründler kennt das Problem. Für viele Kinder ist mit dem elften Lebensjahr Schluss. Dann kommen sie aufs Gymnasium und dann ist es wirklich schwer, dazu zu stehen. Die anderen spielen Fußball oder sind in der Leichtathletik. Dann ist es auch wichtig, das Jungs was anderes machen als Mädchen. Da hat Ballett einen schweren Stand. Für den kleinen Tim ist das jetzt noch kein Thema und wird es vielleicht auch nie sein. Als er zum ersten Mal erwachsene Männer Ballett tanzen sah, da hat er zu seiner Mutter gesagt: »«Jetzt weiß ich, dass ich ganz lange tanzen kann.«

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