»Dialekt ist eine direkte Art zu reden«

Warum Norbert Großklaus am Sonntag auf Alemannisch predigt

Autor: 
Ines Schwendemann
Lesezeit 3 Minuten
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21. Februar 2019
Norbert Großklaus predigt im Dialekt.

Norbert Großklaus predigt im Dialekt. ©Archivfoto: Ulrich Marx

Am Sonntag, 24. Februar, wird Norbert Großklaus in der evangelischen Stadtkirche auf Kaiserstuhl-Alemannisch predigen. Das Offenburger Tageblatt hat mit dem Pfarrer und Stadtrat über den ungewöhnlichen Gottesdienst gesprochen.

Herr Großklaus, Was steht bei Ihrer alemannischen Predigt am Sonntag im Mittelpunkt?

Norbert Großklaus: Das Substantiv »Mittelpunkt« gibt es im Alemannischen gar nicht. Die Frage müsste vielmehr heißen: »Worum dreht sich die Predigt?« Es wird sich um die erste Christin in Europa drehen. Weil sie damals ihr Herz geöffnet hat, gibt es das Christentum in Europa. 

Seit wann machen Sie diese Art von Gottesdienst?
 

Grossklaus: Der allererste Gottesdienst mit alemannischer Predigt fand Mitte der 90er-Jahre statt. Eigentlich spreche ich im Gottesdienst hochdeutsch, manchmal streue ich aber auch etwas Alemannisch ein. 

Und wie kam es dazu?
 

Grossklaus: Als ich Gemeindepfarrer in Weier war, hat mich der Kapuziner Christopherus gefragt, ob wir gemeinsam einen Gottesdienst gestalten wollen. Die Guggenmusiker »Wierer Frösch« aus Weier haben damals gefragt, ob sie im Gottesdienst mitwirken können. Und dann habe ich gesagt: Dann predige ich auf Alemannisch! 

Und wie ging es dann weiter?
 

Grossklaus: Vor zehn oder zwölf Jahren habe ich dem Gemeindepfarrer der Stadtkirche, in der ich regelmäßig Gottesdienste mache, mitgeteilt, dass ich im Gottesdienst alemannisch predigen möchte.

Wieso predigen Sie im Kaiserstuhl-Alemannisch?
 

Grossklaus: Ich komme ursprünglich aus Ihringen am Kaiserstuhl. 

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Und was hat die Predigt mit Fasnacht zu tun?
 

Grossklaus: Das Predigen im Dialekt ist schon etwas Verrücktes, weil die Predigt in Reimform ist. Es ist eine geistliche Büttenrede, das ist schon etwas närrisch. Und ich traue mich auch im Dialekt etwas zu sagen. 

Sind Sie auch närrisch an der Fasnacht? 
 

Grossklaus: Ja, auf jeden Fall! Am vergangenen Wochenende war ich auch Samstag und Sonntag beim Narrentreffen in der Stadt. Es war wirklich toll. Und der alemannische Gottesdienst ist auch immer vor Fasnacht, weil ich selbst am Fasnachtswochenende unterwegs bin. 

Wie wurde der Gottesdienst bisher angenommen?
 

Grossklaus: Die Kirche ist an diesem Gottesdienst eigentlich immer voll. Die Rückmeldung, die ich bekomme, ist wirklich toll. Die Leute fragen mich auch manchmal, wann ich das nächste Mal alemannisch predige. Es gibt auch Leute, die von woanders aus der Ortenau nach Offenburg kommen. Und es sind auch ziemlich viele Katholiken bei den Gottesdiensten dabei. 

Schreiben Sie die Predigt selbst?
 

Grossklaus: Ja. Ich schreibe sie in Reimform um. Wenn ich dann predige, lese ich erst die biblische Geschichte im Hochdeutsch vor und danach sage ich: »Und jetzt uff Alemannisch«. Die Menschen, die nur hochdeutsch sprechen, sagen mir nach dem Gottesdienst manchmal, dass es sich im Dialekt so lebendig und schön anhört. Es ist eine direkte Art zu reden. 

Und auf was müssen Sie bei ihrer Predigt achten?
 

Grossklaus: Dialekt umschreibt ständig. Manchmal kann das ganz kurz sein, aber meistens ist es dann viel länger als der Ausdruck im Hochdeutschen. Und ich achte sehr darauf, dass ich alte Wörter benutze, die ich im normalen Sprachgebrauch gar nicht mehr verwende. Ich erkläre sie dann aber nicht, sie erklären sich aus dem Kontext.
 

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