Evangelische Erwachsenenbildung

Warum weniger mehr sein kann: Kurse zur Fastenzeit

Autor: 
Barbara Puppe
Lesezeit 4 Minuten
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21. Februar 2020
Die Gesundheitsberaterin Gabriele Mühl (links) und Pfarrerin Rita Makarinus laden zum Basenfasten und zur Fastengruppe „Anderszeit“ ein.

Die Gesundheitsberaterin Gabriele Mühl (links) und Pfarrerin Rita Makarinus laden zum Basenfasten und zur Fastengruppe „Anderszeit“ ein. ©Barbara Puppe

Warum weniger manchmal mehr sein kann: Zur Fastenzeit bietet die Evangelische Erwachsenenbildung Ortenau ein kombiniertes Angebot unter dem Motto „Fasten an Leib und Seele“. Beginn von zwei Kursen ist am Mittwoch, 4. März.

Fasten liegt im  Trend – nicht nur in den Kirchen. Die sieben Wochen vor Ostern nutzen viele Menschen, um sich auf sich selbst und ihre spirituellen Wurzeln zu besinnen und bewusst auf etwas zu verzichten. Damit ist nicht nur der Verzicht auf Nahrung, Alkohol oder Genussmittel gemeint. „Es geht darum, Lebensformen zu suchen und zu fördern, die nachhaltig glücklich machen und ein gutes Leben für alle ermöglichen“, erklärt Kursleiterin Rita Makarinus. 

Das Angebot „Fasten an Leib und Seele“ bietet mit „Anderszeit“ spirituelle Impulse, gemeinsamen Austausch. Mit Basenfasten wird ein Entlastungsprogramm für den Körper vorgestellt. Die Fastenangebote sind  nicht nur für kirchliche „Insider“ gedacht, sondern ein ökumenisches Projekt und auch offen für konfessionslose Menschen. 

In der mittelalterlichen Frömmigkeit sei Fasten sehr stark mit dem Bußgedanken verbunden gewesen, wie Rita Makarinus ausführt. Mit Fasten habe man seine Sünden büßen und sich besondere Verdienste einhandeln wollen. Diese Sicht des Fastens habe Martin Luther in der Reformation abgelehnt. Er fastete zwar selber zu bestimmten Zeiten, sprach sich aber gegen den damals vorherrschenden Zwang zum Fasten aus, denn der Mensch könne sich die Gnade Gottes nicht erarbeiten, sie werde ihm vielmehr geschenkt.  

Freiwillige Entscheidung 

Dennoch gingen viele Christen freiwillig in der Zeit vor Ostern durch die Praxis des Fastens den Weg von Jesus Christus mit, dessen Weg durch Leiden und Tod zum Leben führte. Auch biblisch sei das Fasten begründet: „Da haben mich immer die Wüstengeschichten angesprochen, wo die Israeliten 40 Jahre durch die Wüste wandern mussten, bis sie in das gelobte Land kamen, wo Milch und Honig fließen“, so die Pfarrerin. Auch von Jesus wird erzählt, er habe 40 Tage in der Wüste gefastet, um sich auf sein öffentliches Wirken vorzubereiten. 

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Die Fastenzeit sei ein Angebot, das eigene Leben zu überdenken. In einer Zeit, wo es viel Überflüssiges und viel Überfluss gebe, könne es auch eine Möglichkeit sein, Ballast abzuwerfen, mehr Freiheit zu gewinnen und sich auf Wesentliches zu konzentrieren. „Sieben Wochen ohne“, eine Aktion der evangelischen Kirche, regt seit Jahren zu neuen Gestaltungen der Fastenzeit an. Den Klimaschutz hat die Evangelische Landeskirche in Baden in den Mittelpunkt der Fastenzeit 2020 gestellt. „Klimafasten“ soll zum klimafreundlichen, ressourcenschonenden Lebensstil anregen, um Leidursachen durch Konsumverzicht zu mindern.  

„Weniger ist mehr“ 

Beim „Zeitfasten“ könne man beispielsweise den eigenen Umgang mit der Alltagshetze überprüfen und sich überlegen, wozu die Langsamkeit dienen könne. Denn: „Weniger ist mehr“, so Makarinus. Dabei solle das Fasten nicht nur eine individuelle Angelegenheit zur Selbstoptimierung  sein, es gehe darum, ein gutes Leben für alle zu fördern.  

Zugang zur alten Fastentradition vieler Religionen finden viele Menschen im gesundheitlichen Aspekt. Nichts zu essen eignet sich allerdings nicht für jeden. Deshalb bieten die Fastenwochen mit Ernährungsberaterin Gabriele Mühl Informationen zum Basenfasten. Diese Form des Fastens unterstütze den Körper, scheide Säuren und Schlacken aus und die rege die Selbstheilungskräfte an. 

Basenfasten bedeutet, eine Woche lang alle säurebildenden Lebensmittel weg zu lassen, denn viele Menschen seien übersäuert, so Mühl. „Das ist ein sehr sanftes Fasten und die beste Möglichkeit, seinem Körper etwas Gutes zu tun.“ Man darf sich satt essen mit Obst, Gemüse, Salaten,  Kräutern, Kartoffeln. Innerhalb einer Woche könnten leichte Gelenkbeschwerden, Magen-Darm-Probleme oder Sodbrennen verschwinden. 

Durch bewusstes Essen könne man in der Woche eineinhalb bis drei Kilogramm Gewicht verlieren. Die Lebensmittel würden ganz neu wahrgenommen, wie die Ernährungsberaterin weiß.  Man schmecke intensiver, sei stressresistenter, weil man gut mit Mineralstoffen versorgt werde. Die positiven Erfahrungen könnten zu einer nachhaltigen Veränderung von Ernährungs- und Lebensgewohnheiten führen. 

Info

Termine

Basenfasten: Mittwoch, 4., Montag, 9., Mittwoch, 11., und Freitag. 13. März, 19.15 bis 20.45 Uhr; Referentin: Gabriele Mühl, Gesundheitsberaterin; Ort: Gemeindehaus, Johannesweg 11, Weier, Kosten: 53 Euro. Anderszeit: Inspiration und Austausch in der Fastenzeit. Gemeinsame Wegweiser sind der Fastenkalender wandeln und die Klimafasten-Broschüre der Kirchen (www.klimafasten.de). Termine: Mittwoch, 4., 11., 18. und 25. März sowie 1. und 8. April, 18 bis 19 Uhr; Leitung: Rita Makarinus; Ort: Gemeindezentrum Weier, Kosten: zehn Euro. 

◼ Anmeldungen: Telefon 07 81 / 24 0 18, E-Mail: eeb.ortenau@kbz.ekiba.de.

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