Kampf um Traubenlegalisierung

Warum Werner Litterst »verbotene« Isabella-Reben anbaut

Autor: 
Ursula Haß
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
20. November 2018
Werner Litterst aus Fessenbach pflanzt die Traubensorte Isabella an, die aber nur für den Eigenbedarf an- und ausgebaut werden darf.

Werner Litterst aus Fessenbach pflanzt die Traubensorte Isabella an, die aber nur für den Eigenbedarf an- und ausgebaut werden darf. ©Ursula Haß

Werner Litterst aus Fessenbach schwört auf seine Isabella-Trauben. Die Direktträgersorte benötigt weniger Pflege, keine Spritzmittel und ist gegen Reblaus und Mehltau resistent. Sie ist bisher aber nur für den Eigenverbrauch genehmigt.

Schon seit einigen Jahren hat Werner Litterst aus dem Fessenbacher Schwarzwäldele rund um sein Wohngebäude und in seinen Gärten Isabella-Reben angepflanzt, aus denen zu einem Teil Obstwein, Traubensaft und Marmelade gemacht wird. Ausschlaggebend war für ihn, dass er für diese Traubensorte keine chemischen Spritzmittel im Außenbereich, aber auch keine chemischen Mittel in der Kellereitechnik verwenden muss, und so auch einen Beitrag zur Umwelt und zum Klimawandel leistet.

Zudem verspricht die Traubensorte eine sehr gute, aromareiche Qualität, einen pflegeleichten Anbau und sehr gute Erträge. »Gerade in diesem Jahr war der Ertrag dieser großen, bläulich schimmernden Trauben, die zu Rotwein oder auch zu Rosé-Weinen ausgebaut werden können, sehr groß«, versichert Litterst. 

»Wir müssen uns von alten Gewohnheiten verabschieden, gerade auch was die Ökologie und den Klimawandel betrifft«, so Litterst weiter, der weltweit auch beruflich durch seine Geräte für den Wein- und Obstbau unterwegs ist. Er habe festgestellt, dass die Direktträgersorten wenig bekannt sind. Allerdings seien diese Sorten wie Noah, Othello, Isabella, Jacquez, Clinton oder Herbemont von Anfang des 20. Jahrhunderts bis heute »verbotene Trauben« und dürften nur für den Eigenbedarf angebaut werden. 

Wegen der Reblaus

Das Verbot der Anpflanzung  hat historische Gründe. Die ursprünglich aus Amerika stammenden »Uhudler-Traubensorten« sind gegen Reblaus und Mehltau resistent und wurden deshalb in Deutschland und Europa eingeführt, um die Reblaus mit ihren verheerenden Folgen für den Weinbau zu bekämpfen. Die ersten Verbote kamen in Deutschland aus Angst vor der Verschleppung des falschen Mehltaus zustande, für die man fälschlicherweise und zu Unrecht, wie man heute weiß, dann die Amerikaner-Reben verantwortlich machte. 

Aus diesem Grund wurde im frühen 20. Jahrhundert ein Verbot eingeführt, das sich bis heute hält. 

- Anzeige -

Doch die Arche Noah, ein Verein für die Erhaltung der Kulturpflanzenwelt und ihrer Entwicklung, die seit 25 Jahren besteht und inzwischen 17 000 Mitglieder aus verschiedenen Nationen hat, setzt sich dafür ein, dass dieses Verbot aufgehoben wird. Inzwischen sei es auch wissenschaftlich erwiesen, dass bei den schon vorhandenen Anpflanzungen des »Uhudlers« im österreichischen Burgenland – dort ist es seit 2016 erlaubt – keine Reblaus aufgetreten ist. Auch ist es laut Litterst eine Legende, dass der Wein der Direktträgersorten mehr Methanol als andere enthalten soll. 

Werner Litterst ist seit einigen Jahren Mitglied bei Arche Noah, deren Sitz in Österreich ist. Kürzlich fand eine Veranstaltung statt, bei der Winzer aus Österreich, Frankreich, Italien, Rumänien und Slowenien ihre Produkte aus diesen Direktträgersorten präsentierten. 

Die »Uhudler«-Winzer sehen in der Nutzung dieser Direktträgersorten auch einen Beitrag zum Erhalt einer großen Bandbreite biologischer Vielfalt. Durch den Wegfall chemischer Mittel könne zudem der Klimawandel – auch im Weinbau – bekämpft werden. 

Illegale Verkostung

Im Jahr 2016 gab es eine »illegale Verkostung« im EU-Parlament in Brüssel, angeregt durch zwei französische Abgeordnete, die großen Anklang fand. Im Südburgenland dürfen in acht Gemeinden Direktträgersorten angebaut werden, eine Genehmigung wurde bis 2030 erteilt. So wurde auch die Universität für Bodenkultur in Wien beauftragt, die »verbotenen Traubensorten« anzubauen, zu untersuchen und einen Bericht an die EU abzugeben. 

Weiteres Argument für den Anbau ist laut Litterst, dass die Kellereitechnik weitgehend auf chemische Mittel verzichten kann. Ebenso werde die Umwelt geschont. Und so setzt sich die Arche Noah auch dafür ein, dass die Diskriminierung dieser Direktträgersorten aufgehoben wird und eine EU-weite Legalisierung von »Uhudler«-Traubensorten erfolgt. 

»Gerade in den letzten Jahren hat sich das Bewusstsein in der Bevölkerung verstärkt, alte und seltene Obst- und Gemüsesorten wieder anzubauen und in den Markt einzuführen«, sagt Litterst. Weshalb sollte dies auch nicht bei den Trauben und in der Weinwirtschaft möglich sein, fragt er sich. 

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeigen
  • 24.05.2019
    Biberach
    Mit zwei Kandidaten tritt die Alternative für Deutschland (AfD) am 26. Mai bei den Gemeinderatswahlen in Biberach an.
  • 13.05.2019
    »Schöne Zeit« – der zeitlose Weingenuss
    Fruchtig, farbenfroh und voller Lebensfreude – so zeigt sich der neue »Schöne Zeit«-Weißwein der Durbacher WG. Der Name ist Programm und steht für zeitlosen Genuss für jedes Alter – aus dem Herzen des Durbachtals.
  • 09.05.2019
    Experten von Steinhof Fitness in Oberkirch beraten
    80 Prozent der Deutschen haben Rückenschmerzen - viele sogar chronisch. Ursache dafür ist in den allermeisten Fällen eine mangelnde oder falsche Bewegung. Die Experten von Steinhof Fitness in Oberkirch zeigen, wie Rückenschmerzen künftig der Vergangenheit angehören können - und beraten kostenlos.
  • 07.05.2019
    Mitgliederversammlung
    Es war eine geheime Abstimmung beim SV Berghaupten. Doch danach stand fest: Die Führungsmannschaft bleibt bis 2021 im Amt. Robert Harter wurde erneut die SVB-Präsidentenwürde zuteil.  

Weitere Artikel aus der Kategorie: Offenburg

vor 1 Stunde
Hofweierer Zunft tagt
Die Fasentsaison war gelungen, das restliche Jahr auch – die Beiabsäger sind zufrieden. Und sie ehrten verdiente Mitglieder. Hohberg-Hofwe
vor 2 Stunden
Verträge für Hilfe bei Nachbarn
Der Gemeinderat beschloss Verträge über die gegenseitige Hilfe mit den Nachbargemeinden. Es betrifft die Einsätze der Feuerwehr.
vor 9 Stunden
"Uns schickt der Himmel"
Die Uhr läuft: Binnen 72 Stunden wollen fünf kirchliche Jugendgruppen ein Projekt in Offenburg stemmen. Mit ihrem Einsatz wollen die jungen Menschen etwa Kitas unterstützen oder Umweltprojekte umsetzen. Das Motto der bundesweiten Aktion heißt seit vielen Jahren: »Uns schickt der Himmel.«
vor 12 Stunden
Offenburg
Alles richtig gemacht in den vergangenen fünf Jahren? Alles richtig gemacht im Wahlkampf? Und wenn ja – kommt es überhaupt beim Wähler an? Am Montagabend, wenn die Ergebnisse der Gemeinderatswahlen ausgezählt sind, ist die Ungewissheit für die Offenburger Stadträte und Kandidaten vorbei. 
vor 14 Stunden
Körperteil amputiert
Eine Katzenhalterin aus Ortenberg ist fassungslos: Ihre Katze kehrte mit einer schweren Verletzung am Schwanz nach Hause zurück. Dem Tier musste der Schwanz amputiert werden. Laut Tierarzt könnte jemand mit einer Schere die Samtpfote verletzt haben. 
vor 15 Stunden
Endlich auf der großen Bühne
Der 21-jährige Griesheimer Jan Rendels braucht am Sonntag, 26. Mai, die Unterstützung der Ortenauer: Er tritt in der ARD-Live-Sendung »Immer wieder sonntags« an, um in der Schlagersendung »Sommerhitkönig« zu werden.
vor 17 Stunden
Drei Tage Asphaltierungsarbeiten im Juni
Die Sanierung der L 94 in der Ortsdurchfahrt Unterharmersbach biegt auf die Zielgerade ein. Im Juni wartet allerdings noch eine Vollsperrung auf die Autofahrer.
Der Unterstufenchor des Grimmelshausen-Gymnasiums eröffnete den musikalischen Abend im Offenburger Salmen mit zwei Liedern aus dem Musical »Schach 2.0«.
vor 17 Stunden
Junge Ensembles überzeugten
Am Dienstag hatten die Musik-AGs des Grimmelshausen-Gymnasiums zum traditionellen Frühlingskonzert eingeladen, das in diesem Jahr erstmals im Offenburger Salmen stattfand. Die Musiker hinterließen Eindruck.
vor 17 Stunden
Ferienlandschaft Mittlerer Schwarzwald
Vom 26. Mai bis 5. Juli finden zum zweiten Mal die Blasmusik- und Wanderwochen im Mittleren Schwarzwald in den Orten Gengenbach, Biberach, Nordrach, Zell am Harmersbach und Oberharmersbach statt. 
vor 17 Stunden
Viele Veranstaltungen
Am Wochenende werden in Gengenbachs Altstadt Tausende Menschen unterwegs sein. Geboten sind der 4. Altstadt-Antikmarkt, Tag der offenen Tür an der Hochschule und Vernissage im Haus Löwenberg, Parkfest der Nonnen, Start des Kultursommers und verkaufsoffener Sonntag. Außerdem ist Wahltag.
Karin Weißer von der VHS Offenburg.
vor 17 Stunden
»Das Thema ist schambesetzt«
»Grundbildung für Erwachsene« ist ein Fachtag überschrieben, der am 4. Juni stattfindet und von der Volkshochschule organisiert wird. Thematisiert wird unter anderem der funktionale Analphabetismus als gesellschaftliches Problem. Die Botschaft der Veranstalter: Viele Kenntnisse lassen sich...
vor 17 Stunden
Frankreichbesuch
Rund 40 Zell-Weierbacher festigten ihre Beziehungen zu der französischen Partnergemeinde Saint-Jean-de-Losne mit einem weiteren Besuch.