Mann mit ungewöhnlicher Vita

Was der neue Digitalisierungs- und IT-Chef der Stadt plant

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red/flo
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04. Oktober 2020
Beruflich schon viel herumgekommen: Marc Müller-Stoffels.

Beruflich schon viel herumgekommen: Marc Müller-Stoffels. ©Stadt Offenburg

Marc Müller-Stoffels, neuer Fachbereichsleiter Digitalisierung und IT bei der Stadt Offenburg, spricht über seinen ungewöhnlichen Werdegang und über die ambitionierten Ziele für die nächste Zeit.

Nicht von einem Eisbären gefressen worden sein – das ist hierzulande nichts Besonderes. Es trifft für alle Mitarbeitenden der Stadtverwaltung zu. Für Marc Müller-Stoffels, den neuen Fachbereichsleiter Digitalisierung und Informationstechnik der Stadt Offenburg, waren Polarbären-Attacken allerdings ein realistisches Szenario. Der Weltenbummler mit Doktortitel sorgte jahrelang in Alaska für Licht und Wärme. Seit 1. September will der 41-Jährige die Stadtverwaltung wie auch die Stadt insgesamt digital „an die Spitze der Nahrungskette bringen“, wie es in einer Pressemitteilung der Stadt heißt.

Aufgewachsen im Neurieder Ortsteil Müllen besuchte er die Offenburger Waldorfschule, wechselte dann mit einem Mitschüler aufs Lahrer Clara-Schumann-Gymnasium und legte dort ein „Einser-Abi“ ab. Spaß an der Leistung und Ehrgeiz zeigten sich schon damals: „Wir wollten zeigen, dass Waldorfschüler auch im staatlichen System mithalten können“, betont Müller-Stoffels.

Dann zog es ihn in die Ferne. In fünf Jahren Neuseeland erwarb er den Master-Titel in Physik. Und wieder ging es zu neuen Ufern, dieses Mal nach Alaska, mittlerweile verheiratet mit einer US-Amerikanerin. An der University of Alaska Fairbanks (UAF) erhielt er den Doktorgrad, auch in Physik. Der Titel der Arbeit von 2012 ist aktueller denn je: „Reversability Of Arctic Sea Ice Retreat“ – Umkehrbarkeit des Rückzugs des arktischen Meereises. Geforscht hat er auch am Point Barrow, dem nördlichsten Punkt Alaskas, bei Temperaturen bis minus 55 Grad. „Da musste man schon etwas aufpassen, dass einen die Eisbären nicht vernaschen“, berichtet Müller-Stoffels.

Seine Laufbahn krönte er mit einer Professur am Alaska Center for Energy and Po­wer, einem Institut der UAF. Hier erforschte und entwickelte er lokale Energienetze, wie sie im dünn besiedelten Alaska die Regel sind. „Acht Jahre lang lebten wir im selbst gebauten Fachwerkhaus mitten im Wald. Da kamen mir die lebenspraktischen Inhalte der Waldorf-Erziehung zugute“, sagt Müller-Stoffels schmunzelnd. 

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Nach der Geburt einer Tochter entschloss sich das Ehepaar zum erneuten Ortswechsel – in die Ortenau. Hier gründete Heimkehrer Marc Müller-Stoffels zunächst die Firma „Denamics“, entwickelte Energie-Modellierungssysteme unter anderem für Alaska und Australien, stand in Geschäftsbeziehungen zum US-amerikanischen Office of Naval Research. Das Angebot – komplett digital: Programme für Optimalgrößen von Energiespeichern und Energie-Handelssysteme mithilfe der Blockchain-Technologie.

Müller-Stoffels’ neue Aufgabe ist nicht weniger herausfordernd. Spätestens ab 2023 gibt es einen Anspruch darauf, von der Verwaltung digital bedient zu werden. In Offenburg hat Müller-Stoffels über 500 Verwaltungsprozesse ausgemacht, die digitalisiert werden müssen. Gleichzeitig prallen zwei Kulturen aufeinander – die traditionelle Verwaltungsarbeit und das Milieu der Digital Natives. Müller-Stoffels sagt: „Das können Sie nicht abfedern mit immer noch mehr Technologie. Da ist eine Menge Kommunikation und Vermittlung erforderlich – in viele Richtungen.“ Auch die Stadt insgesamt soll zukunftsfest werden: mit freiem WLAN, Netzabdeckung, Glasfaserversorgung und neuesten Übertragungstechniken.

Erste Hürde: Personal

Die erste Hürde besteht in der Schaffung von Personalstellen. Während die Abteilung „IT“, also der technische Bereich, bereits gut aufgestellt sei, müsse die Abteilung „Digitalisierung“ noch personell ausgestattet werden, heißt es vonseiten der Stadt. Das Ziel des neuen Fachbereichsleiters ist ambitioniert: „Wir wollen nicht hinterherwursteln. Wir wollen in Offenburg einen Leuchtturm bauen!“

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