Organist verlässt Offenburg

Wechsel nach Zürich: Warum Felix Ketterer auch gerungen hat

Autor: 
Barbara Puppe
Lesezeit 4 Minuten
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16. Oktober 2020
Sein Orgelspiel überzeugte nicht nur die Offenburger. Aus 34 Bewerbern wurde Felix Ketterer zum neuen Organisten von Sankt Franziskus in Zürich ausgewählt.

Sein Orgelspiel überzeugte nicht nur die Offenburger. Aus 34 Bewerbern wurde Felix Ketterer zum neuen Organisten von Sankt Franziskus in Zürich ausgewählt. ©Barbara Puppe

Für seine Konzerte und als Chorleiter war er in Offenburg geschätzt. Nun wechselt Felix Ketterer nach 17 Jahren nach Zürich. Ganz leicht ist ihm die Entscheidung offenbar nicht gefallen.

Nach 17 Jahren in der Seelsorgeeinheit Offenburg  wechselt  Kirchenmusiker Felix Ketterer zum 1. November nach Zürich.  Zwar wird er noch bis zum Ende seiner Vertragslaufzeit Ende Januar administrative Aufgaben der Kirchenmusik in der Seelsorgeeinheit Offenburg Sankt Ursula weiterführen, ab 1. November aber übernimmt er bereits  seine neue Stelle als Organist in Zürich, Sankt Franziskus. „Der Weggang Ketterers ist ein großer Verlust“ bedauert Dekan Matthias Bürkle, denn dieser  sei  in der ganzen Seelsorgeeinheit als exzellenter Organist tätig  gewesen, auch sein Gesang während der Gottesdienste sei sehr geschätzt worden. 

Besonders beliebt waren seine meisterhaften Improvisationen und die traditionellen Konzerte in der Silvesternacht, wo er die Themen des Jahres musikalisch umgesetzt hat. Als Chorleiter sei er auch weit über den Bereich der Gottesdienste hinaus sehr gut angekommen und habe beispielsweise Feiern zu Städtepartnerschaften oder andere Feste musikalisch bereichert. Seit 2003 ist er Leiter des Kirchenchores Sankt  Sixtus in Zunsweier, ebenfalls  geleitet hat er den von ihm gegründeten Projektchor und war künstlerischer Leiter der Weingartenkonzerte. Mit Humor und pädagogischem Geschick habe er es verstanden, die Menschen  für die Kirchenmusik zu begeistern. Er hinterlässt eine Lücke, ist sich der Dekan sicher.

Immer gependelt

Auch Felix Ketterer selbst fällt es nicht leicht, das, was hier aufgebaut wurde, zu verlassen zu einer Zeit, wo die Chorarbeit gerade durch Corona sehr eingeschränkt ist. „Das war ein ziemlich harter Konflikt, den ich da in mir ausgefochten habe“, sagt der 43-Jährige. Eine große Rolle bei der Entscheidung habe gespielt, dass er seit 17 Jahren  von seinem Wohnort Freiburg hin und her gependelt sei – eine Herausforderung,  die nicht einfach zu managen und mit zunehmendem Alter immer mühsamer geworden sei. 

Dazu kämen freiberufliche Tätigkeiten wie Beerdigungen und die Vertretung des Münsterorganisten am Freiburger Münster. Seine neue Stelle kann er von Freiburg aus versorgen und gleichzeitig die anderen Aufgaben beibehalten. Und daneben möchte Ketterer sich natürlich auch genug Zeit für seinen inzwischen vier Jahre alten Sohn Oscar nehmen. 

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Andererseits sei da auch der Wunsch gewesen, sich beruflich noch einmal umzuorientieren, die Bewerbung  habe auch einer Standortbestimmung gedient. „Nach so langer Zeit kocht man im eigenen Saft und möchte schon wissen: Bin ich noch konkurrenzfähig?“ Das konnte Felix Ketterer in Zürich unter 34 Stellenbewerbern unter Beweis stellen. Dass er überdies ein Schweizer Orgeldiplom hat, spielte bei der Bewerbung keine negative Rolle, wie er meint, auch die in Offenburg gesammelte Berufserfahrung sei positiv bewertet worden. Hier habe er zusätzlich zur musikalischen Leistung auch die Administration gehabt, wo es unter anderem um Dienstpläne, die Auswahl von Chorwerken sowie Konzertanfragen ging, und er regelmäßig die Organistenpläne für 14 Pfarreien zu schreiben hatte. Das habe er zwar gerne getan, dennoch sei die neue Aufgabe in anderen Zeitdimensionen leistbar. Vom Gemeindeteam und von der Pfarrei her habe es auch gepasst, und Zürich als Stadt habe natürlich ebenfalls eine Rolle gespielt. 

Auch auf die  Orgel in Sankt Franziskus freut er sich. Das Instrument habe etwa die Größe der Orgel in Heilig Kreuz, sei etwas älter und ein Meisterwerk des Orgelbaus, gebaut von einem Schweizer Orgelbauer. Die gehörten zu den Besten der Welt, schwärmt der Organist: „Klingt schön und macht Spaß, ich habe beim Spielen gemerkt, es lockt einen.“ 

Kontakte sollen bleiben

Dennoch breche er hier die Zelte nicht völlig ab. Er habe viele Kontakte, Freundschaften und langjährige Bekannte, die er nicht verlieren wolle und freue sich immer über Gottesdienst- und Konzerteinladungen nach Offenburg. Sein stiller Wunsch sei zwar gewesen, sich mit einem Chorprojekt  zu verabschieden, das kostendeckend und lukrativ für alle sei, zumal der Kirchenchor Zunsweier im nächsten Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert. Die Corona-Auflagen machen das jedoch nicht möglich, auch das beliebte Silvesterkonzert in der Kreuzkirche kann  wegen der eingeschränkten Plätze nicht stattfinden. 

„Wir warten mal ab, in welchem Setting eine Verabschiedung  unseres langjährigen verdienten Organisten und Chorleiters stattfinden kann“,  so Dekan Matthias Bürkle.  Auf jeden Fall werde die Stelle als 75-Prozent-Stelle ausgeschrieben, um die Kirchenmusik in der Seelsorgeeinheit weiterhin auf einem hohen Niveau zu halten.  

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