Stuttgart schießt gegen Gengenbach

"Werbung als weltgrößter Adventskalender ist Betrug"

Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
07. Dezember 2018

Die BILD-Zeitung hat sich dem Gengenbacher Adventskalender gewidmet. Es geht um den Vorwurf des Stuttgarter Weihnachtsmarkts, dass Gengenbach »nicht der Wahrheit entsprechend« wirbt. ©Thomas Reizel

Ein Artikel in der BILD-Zeitung hat gestern in Gengenbach für Wirbel gesorgt. Unter dem Titel »Falscher Zauber im Advent« wirft der Stuttgarter Weihnachtsmarkt Gengenbach betrügerische Werbung vor. »Unser Adventskalender ist größer«, betonte dessen Chef Marcus Christen auf OT-Anfrage.

Robin Mühlebach stammt aus Gengenbach und arbeitet bei BILD Stuttgart. Er hat einen Artikel verfasst, der seine Heimatstadt in Bezug auf die Adventskalender-Werbung alles andere als strahlend aussehen lässt. »Gengenbach hat nicht den größten Adventskalenderder Welt. Unserer ist größer«, bestätigte Marcus Christen, Leiter des Stuttgarter Weihnachtsmarkts, den Bericht auf OT-Anfrage und schiebt verärgert nach: »Ich finde es lächerlich, wenn Gengenbach mit etwas wirbt, was gar nicht stimmt. Das ist Betrug.«

Bei seiner Kritik bezieht sich er sich nicht auf den Größenunterschied der beiden Rathäuser. »Wir haben nur die Fensterflächen genommen«, erklärte der 49-Jährige auf Anfrage. Das Ergebnis: Während Gengenbach 40 Quadratmeter, seien es in Stuttgart 54 Quadratmeter. Das erstaunt Lothar Kimmig, Geschäftsführer der Gengenbacher Kultur- und Tourismus GmbH:  »Woher wollen die denn unsere Größe wissen? Meines Wissens hat kein Stuttgarter nachgemessen.«

Kimmig sieht das »ganze Theater« gelassen und sogar eher positiv: »Hätten wir diese BILD-Werbung bezahlen müssen, hätte das viel gekostet.« Kimmig gönne es Stuttgart übrigens »von Herzen«, wenn es mehr Fensterfläche als Gengenbach hat. Die Frage, welcher Adventskalender der schönere ist, beantwortete er diplomatisch: »Ich glaube, das muss ich keinem erklären.«

»Spielt keine Rolle«

Mit Schmunzeln hat auch Bürgermeister Thorsten Erny die Berichterstattung schon am frühen Morgen vernommen: »Wohl für den überwiegenden Teil der Besucher wie auch für mich spielen die Quadratmeter der Fensterfläche am Rathaus überhaupt keine Rolle.« Natürlich könne man Rathausfassaden mit mehr Fensterfläche finden, bei der dann nur ein Teil mit 24 Bildern versehen wird. Wichtig sei vielmehr »die geniale Idee in den 90er Jahren, als für die klassizistische Rathausfassade, auf der genau 24 Fenster sichtbar sind, die Bestätigung der Redaktion des Guinness-Buches als ›größter Haus-Adventskalender‹ erhielten. Und dieses Rathaus, eingebettet in unsere einzigartige historische Altstadt, macht die Besonderheit des Gengenbacher Advents-
kalenders aus.«

- Anzeige -

Hinzu kommt, dass in Stuttgart schmucke Sandsteinornamente fehlen ebenso wie direkt über den Fenstern die jeweilige Nummer des Türchens. Doch hat es die Landeshauptstadt überhaupt nötig, sich über die Kleinstadt Gengenbach derart aufzuregen, zumal sich im Internet zahlreiche Städte mit dem weltgrößten Adventskalender in irgendeiner Form präsentieren?

Marcus Christen sieht das so: »Werbung muss wahr sein.« Dass sich Gengenbach auf den Guinessbuch-Eintrag aus dem Jahr 1997 beruft, zählt für ihn nicht, weil – auch wenn es keinen neueren Eintrag gibt – daraus kein Anspruch auf Vollständigkeit abzuleiten sei. Stuttgart mache zum Beispiel grundsätzlich nicht mit: »Das kostet 15 000 Euro, dass die überhaupt kommen.«

»Ruf zu verteidigen«

Der Stuttgarter, der als Chef die »Adventskappe« aufhat, achtet mit Argusaugen auf die Werbung anderer Weihnachtsmärkte, weil Stuttgart seinen Ruf als »Europas größter Weihnachtsmarkt« zu verteidigen habe. »Wir haben rund 300 Stände, 4000 Busse, vier Millionen Besucher und den größten Weihnachtsbaum Deutschlands«, listet Christen auf. Zum Vergleich: Gengenbach hat 62 Stände, 120 000 Besucher, etwa 400 Busse und nicht den größten Weihnachtsbaum, schon gar nicht mit 41 000 LED-Lampen behängt. Damit hatte Stuttgart einst New York (40 000) überstrahlt, doch der »Big Apple« rüstete auf 45 000 auf. Da verlor Stuttgart die Lust, zumal der Baum dann brechen könnte. Aber das nur am Rande.

Obwohl der Stuttgarter Weihnachtsmarkschef Marcus Christen die Gengenbacher Werbung im Artikel der BILD-Zeitung als Betrug bezeichnete, wird er auf rechtliche Schritte verzichten, sagte er dem Offenburger Tageblatt.

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeigen
  • 15.02.2019
    Bars, Musik, Kostümprämierung
    Schon siebenmal fand der Gammlerball in Kehl bislang am Schmutzigen Donnerstag statt. In diesem Jahr ist das anders. Erstmals wird in der Stadthalle am Fasnachtssamstag gefeiert. Neben DJ Vuko sorgen verschiedene Narrenzünfte und die Gammlerbänd Willstätt für die Musik. Mit der Terminänderung aufs...
  • 13.02.2019
    Manufaktur für orthopädische Leistungen
    Sie tragen uns im Laufe unseres Lebens durchschnittlich 180.000 Kilometer – unsere Füße. FUSS ArT, die Manufaktur für orthopädische Leistungen rund um den Fuß, ist seit Anfang Februar 2019 in der Moltkestraße 30-32 in Offenburg am Start und bietet ihren Kunden ein umfassendes Leistungsspektrum und...
  • 04.02.2019
    Offenburg
    Das Braun Möbel-Center bietet Wohnmöbel in vielen Formen, Farben und Materialien. Vom 7. bis zum 9. Februar findet auf dem Gelände die dreitägige Möbelmesse statt. Hier können die Kunden in verschiedenen Themenwelten die aktuellsten Wohntrends entdecken. Neben einem großen Sonderverkauf gibt es...
  • 03.01.2019
    Die eigene Firma zu gründen ist auch dank der Digitalisierung heute nicht mehr schwer – aber wie geht es dann weiter? Wie kleine und mittelständische Firmen erfolgreich werden, zeigen zwei Jungunternehmer bei einem Vortrag am 26. Januar in der Offenburger Oberrheinhalle.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Offenburg

vor 1 Stunde
Frontalzusammenstoß mit Auto
Ein 81-jähriger Pedelec-Fahrer ist am Samstagnachmittag auf der Kreisstraße zwischen Niederschopfheim und Ichenheim von einem Autofahrer frontal erfasst worden. Der Mann verstarb noch an der Unfallstelle.
vor 10 Stunden
Wirt Halil Yildirim bietet mittags eine warme Mahlzeit an
Im Restaurant »Zum Alten Guglhupf« in der Metzgerstraße in Offenburg gibt es seit etwa drei Wochen kostenlos Suppe für Obdachlose. Jeden Mittag zwischen 12 und 15 Uhr kann die Suppe mit eigenen Bechern oder Gefäßen abgeholt werden.  
vor 13 Stunden
Offenburg
Auch am heutigen Samstag wird er wieder als Hingucker auf dem Offenburger Wochenmarkt stehen: Beim Sächele-Stand der Althistorischen Narrenzunft gibt es neben »Mäskle« noch vieles mehr, was den Narren und vor allem die Närrin schmückt. Petra und Reinhard Edenhofner berichten, wie die närrischen...
vor 15 Stunden
Windschlägs Radler bleiben auf Kurs
Windschlägs Radsportverein hielt am Freitag seine Hauptversammlung ab. Die Regularien wurden rasch abgewickelt und das bewährte Programm fortgeschrieben. 
vor 15 Stunden
Offenburg
OT-Redakteurin Tanja Proisl flüstert diese Woche über Ereignisse in der Stadt.
Die Kandidaten der Freien Wähler (von links): Sabine Albers, Alexander Spinner-Glanzmann, Klaus Doll, Werner Bächle, Sabine Dogor-Franz, Katrin Finke, Sina Erdrich, Jochen Gump, Patricia Winter, Manfred Knopf, Josef Gmeiner und Markus Volk. Auf dem Bild fehlen Dominic Müller und Martin Zimmermann.
vor 15 Stunden
Drei Gemeinderäte sind nicht mehr dabei
Die Kandidatenliste der Freien Wähler für die Kommunalwahl ist komplett. Den Wahlkampf starten sie mit einigen neuen Kandidaten. Auch die derzeit amtierende Weinprinzessin Sina Erdrich möchte ins Gemeindeparlament. Der bisherige Bürgermeister-Stellvertreter Hubertus Gernoth sowie die Gemeinderäte...
vor 15 Stunden
Franz Kubasek nun Ehrenmitglied
Einer der kleinsten Vereine ist dennoch nicht zu überhören. Die Jagdhornbläsergruppe Harmersbachtal sorgt mit ihren Auftritten im Jahreskreis für Abwechslung und Aufmerksamkeit gleichermaßen.
vor 15 Stunden
Altenheimer Kita wird erweitert
Mit der Vergabe der Archtitektenleistungen hat der Neurieder Gemeinderat den Startschuss zur Erweiterung der Kita »Kuckucksnest« in Altenheim gegeben. Auch die Sanierung der Regenwasserkanäle in Schutterzell und der Trinkwasserleitungen in Dundenheim stehen an.
vor 15 Stunden
Prävention
Zum Neujahrsempfang hatten die Eisenbahner-Senioren des Ortsverbands Offenburg eingeladen. Ralf Kaufmann von der Polizei informierte die 55 anwesenden Senioren im Casino der DB Gastronomie zum Thema »Gewalt gegen Senioren«. Außerdem sprach Günter Reimer vom BSW.
vor 15 Stunden
Mehr Mitglieder
Im vergangenen Jahr haben die Line Dance Friends Neuried einige Mitglieder dazu gewinnen können. Was ihnen allerdings fehlt, ist ein größerer Raum zum Üben, wie die Vorsitzende in der Hauptversammlung sagte. 
vor 15 Stunden
Offenburg
Ingesamt 202 Ski- und Snowboard-Rennläufer haben bei den Schulstadtmeisterschaften am Seibelseckle mitgemacht. Für viele der Teilnehmer war es eine Premiere. Am schnellsten waren Schüler vom Oken- und Schiller-Gymnasium.
vor 15 Stunden
Mundgeblasen aus der Dorotheenhütte
Erstmals seit vielen Jahren werden die Glasfläschchen an den Kostümen der Nordracher Narren wieder in der Wolfacher Dorotheenhütte hergestellt.