Stuttgart schießt gegen Gengenbach

"Werbung als weltgrößter Adventskalender ist Betrug"

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07. Dezember 2018

Die BILD-Zeitung hat sich dem Gengenbacher Adventskalender gewidmet. Es geht um den Vorwurf des Stuttgarter Weihnachtsmarkts, dass Gengenbach »nicht der Wahrheit entsprechend« wirbt. ©Thomas Reizel

Ein Artikel in der BILD-Zeitung hat gestern in Gengenbach für Wirbel gesorgt. Unter dem Titel »Falscher Zauber im Advent« wirft der Stuttgarter Weihnachtsmarkt Gengenbach betrügerische Werbung vor. »Unser Adventskalender ist größer«, betonte dessen Chef Marcus Christen auf OT-Anfrage.

Robin Mühlebach stammt aus Gengenbach und arbeitet bei BILD Stuttgart. Er hat einen Artikel verfasst, der seine Heimatstadt in Bezug auf die Adventskalender-Werbung alles andere als strahlend aussehen lässt. »Gengenbach hat nicht den größten Adventskalenderder Welt. Unserer ist größer«, bestätigte Marcus Christen, Leiter des Stuttgarter Weihnachtsmarkts, den Bericht auf OT-Anfrage und schiebt verärgert nach: »Ich finde es lächerlich, wenn Gengenbach mit etwas wirbt, was gar nicht stimmt. Das ist Betrug.«

Bei seiner Kritik bezieht sich er sich nicht auf den Größenunterschied der beiden Rathäuser. »Wir haben nur die Fensterflächen genommen«, erklärte der 49-Jährige auf Anfrage. Das Ergebnis: Während Gengenbach 40 Quadratmeter, seien es in Stuttgart 54 Quadratmeter. Das erstaunt Lothar Kimmig, Geschäftsführer der Gengenbacher Kultur- und Tourismus GmbH:  »Woher wollen die denn unsere Größe wissen? Meines Wissens hat kein Stuttgarter nachgemessen.«

Kimmig sieht das »ganze Theater« gelassen und sogar eher positiv: »Hätten wir diese BILD-Werbung bezahlen müssen, hätte das viel gekostet.« Kimmig gönne es Stuttgart übrigens »von Herzen«, wenn es mehr Fensterfläche als Gengenbach hat. Die Frage, welcher Adventskalender der schönere ist, beantwortete er diplomatisch: »Ich glaube, das muss ich keinem erklären.«

»Spielt keine Rolle«

Mit Schmunzeln hat auch Bürgermeister Thorsten Erny die Berichterstattung schon am frühen Morgen vernommen: »Wohl für den überwiegenden Teil der Besucher wie auch für mich spielen die Quadratmeter der Fensterfläche am Rathaus überhaupt keine Rolle.« Natürlich könne man Rathausfassaden mit mehr Fensterfläche finden, bei der dann nur ein Teil mit 24 Bildern versehen wird. Wichtig sei vielmehr »die geniale Idee in den 90er Jahren, als für die klassizistische Rathausfassade, auf der genau 24 Fenster sichtbar sind, die Bestätigung der Redaktion des Guinness-Buches als ›größter Haus-Adventskalender‹ erhielten. Und dieses Rathaus, eingebettet in unsere einzigartige historische Altstadt, macht die Besonderheit des Gengenbacher Advents-
kalenders aus.«

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Hinzu kommt, dass in Stuttgart schmucke Sandsteinornamente fehlen ebenso wie direkt über den Fenstern die jeweilige Nummer des Türchens. Doch hat es die Landeshauptstadt überhaupt nötig, sich über die Kleinstadt Gengenbach derart aufzuregen, zumal sich im Internet zahlreiche Städte mit dem weltgrößten Adventskalender in irgendeiner Form präsentieren?

Marcus Christen sieht das so: »Werbung muss wahr sein.« Dass sich Gengenbach auf den Guinessbuch-Eintrag aus dem Jahr 1997 beruft, zählt für ihn nicht, weil – auch wenn es keinen neueren Eintrag gibt – daraus kein Anspruch auf Vollständigkeit abzuleiten sei. Stuttgart mache zum Beispiel grundsätzlich nicht mit: »Das kostet 15 000 Euro, dass die überhaupt kommen.«

»Ruf zu verteidigen«

Der Stuttgarter, der als Chef die »Adventskappe« aufhat, achtet mit Argusaugen auf die Werbung anderer Weihnachtsmärkte, weil Stuttgart seinen Ruf als »Europas größter Weihnachtsmarkt« zu verteidigen habe. »Wir haben rund 300 Stände, 4000 Busse, vier Millionen Besucher und den größten Weihnachtsbaum Deutschlands«, listet Christen auf. Zum Vergleich: Gengenbach hat 62 Stände, 120 000 Besucher, etwa 400 Busse und nicht den größten Weihnachtsbaum, schon gar nicht mit 41 000 LED-Lampen behängt. Damit hatte Stuttgart einst New York (40 000) überstrahlt, doch der »Big Apple« rüstete auf 45 000 auf. Da verlor Stuttgart die Lust, zumal der Baum dann brechen könnte. Aber das nur am Rande.

Obwohl der Stuttgarter Weihnachtsmarkschef Marcus Christen die Gengenbacher Werbung im Artikel der BILD-Zeitung als Betrug bezeichnete, wird er auf rechtliche Schritte verzichten, sagte er dem Offenburger Tageblatt.

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