Geballtes Wissen

Werner Mezger sprach im Ritterhaus über die Weihnachtsbräuche

Autor: 
Volker Gegg
Lesezeit 3 Minuten
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05. Dezember 2019

(Bild 1/2) Auf großes Interesse stieß der Vortrag von Werner Mezger zu Weihnachten und seinen Bräuchen im Foyer des Museums im Ritterhaus. ©Volker Gegg

Der Volkskundler und Fasnachtsexperte Professor Werner Mezger hat im Museum im Ritterhaus über die Geheimnise und Hintergründe der Weihnachtszeit gesprochen. Die Veranstaltung fand im Rahmen der derzeitigen Krippenaustellung der Offenburger Krippenfreunde statt.

Wer am Dienstagabend kurzfristig den Vortragsabend mit dem aus Rottweil stammenden Volkskundler und Fasnachtsexperten Professor Werner Mezger im Museum im Ritterhaus besuchen wollte, der hatte Pech. Zahlreiche Kurzentschlossene, die ihren Platz nicht reserviert oder sich im Vorverkauf ein Ticket besorgt hatten, mussten vom Museumspersonal wieder zurückgewiesen werden. Denn Mezgers Vortrag zum Thema „Weihnachtszeit und ihre Bräuche“ stieß auf enorme Resonanz. „Das war vor sieben Jahren genauso, da hatten wir hier unsere letzte Krippenausstellung und Werner Mezger hielt einen Vortrag zum selben Thema“, erinnerte sich Edgar Kienzle von den Offenburger Krippenfreunden. 

Intensive Beschäftigung

Der renommierte Volkskundler Mezger kennt sich nicht nur bestens mit der fünften Jahreszeit, der Fasent, aus, er hat sich im Lauf seiner wissenschaftlichen Forschung auch mit den kirchlichen Bräuchen intensiv beschäftigt und vor Jahren eine Veröffentlichung über das Leben des Heiligen Nikolaus herausgebracht. Getreu dem Weihnachtslied „Alle Jahre wieder“ sei die Weihnachtszeit fest im kulturellen Gedächtnis verankert. „Jeder hat seine eigenen Erinnerungen und Emotionen an Weihnachten, welche jedes Jahr wieder hervorkommen“, sagte Mezger. 

Eine erste Überraschung in seinem Vortrag: Nicht mit dem ersten Advent, sondern mit dem Festtag des Heiligen Martin am 11. November (siehe „Hintergrund“) beginnt laut Mezger die Weihnachtszeit. Sie endet an Mariä Lichtmess am 2. Februar. Dazwischen liegen drei Mondphasen und 84 Tage, die mit dem 25. Dezember ihren Mittelpunkt finden. 

„Bauernwinter“

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Vom 11. November bis zum 2. Februar war es vor dem Einzug der Elektrizität auch üblich, regelmäßig sogenannte Lichtstuben zu besuchen, somit „z‘ Licht zu gehen“. Dieser Zeitraum nannte sich auch Bauernwinter, „so wurden viele Knechte am 11. November aus ihren Diensten entlassen und neue Kräfte am 2. Februar wieder eingestellt“. Auch der Gedenktag des Heiligen Andreas am 30. November wurde als Vorabend zum ersten Advent, im ganzen südwestdeutschen Raum besonders gefeiert. 

Der Adventskranz stammt laut Mezger aus den 1940er-Jahren und wurde erstmals von einem evangelischen Pastor verwendet, „damals noch mit 24 Kerzen, die dann sehr schnell auf vier Kerzen reduziert wurden“. Auch der Adventskalender sei eine Erfindung von evangelischer Seite. 

Vor dem 4. Jahrhundert wurde Weihnachten bei uns noch am 6. Januar gefeiert, erst danach legte man das heutige Datum fest, wobei nach wie vor das Datum der eigentlichen Geburt Jesu Christi nicht feststeht, wohingegen das Datum des Osterfests verbürgt ist. „Im Dezember waren auch in Bethlehem keine Hirten draußen auf der Weide, denen wäre es viel zu kalt gewesen“, sagte der Professor. Einen Christbaum stellten sich die Menschen wohl erst im 19. Jahrhundert in ihre Wohnstuben, angefangen habe der Brauch wohl im heutigen Elsass bei Schlettstadt. 

Frauen in der Hauptrolle

Im Bezug auf den Dreikönigstag, 6. Januar, ist dem Experten eine biblische Besonderheit aufgefallen. „Vor der Krippe standen damals drei männliche Könige, während an Ostern drei Frauen den fehlenden Leichnam im Grab Jesu entdeckten. So spielen beim höchsten Kirchenfest der Katholischen Kirche die Frauen eine Hauptrolle, während beim zweitwichtigsten Fest der Christenheit mit den Königen die Männer aktiv werden“. 

Werner Mezger sprudelte nur so mit seinem Wissen während seines über zweistündigen Lichtbildvortrags im Ritterhaus – und so mancher Besucher hätte gerne noch mehr Erfahren über die Geheimnisse und Hintergründe rund um das Weihnachtsfest.

Info

Der Nikolaustag

Mit dem 6. Dezember, dem Gedenktag des Heiligen Nikolaus, der sich übrigens aus zwei Heiligen zusammensetzt, wird ein ganz besonderer Brauchtag gefeiert. Besonders ausgeprägt ist laut Werner Mezger die Nikolausverehrung im Kinzigtal wie in Steinach, wo der Nikolaus vom Klausenbigger begleitet wird, oder in Unterentersbach. „Der Heilige Nikolaus musste mit seinen Begleitern, wie zum Beispiel mit dem Knecht Ruprecht, stets auch als Hilfspädagoge agieren, wenn die eigene Erziehung nicht ausreichend erschien“, so Mezger. 

Hintergrund

Der Martinstag und die verschiedenen Bräuche

Der Gedenktag  des Heiligen Martin, der offiziell niemals von der Katholischen Kirche heiliggesprochen wurde, stand früher laut Werner Mezger gleichzeitig für den Beginn der 40-tägigen Fastenzeit vor Weihnachten. „Das war der Tag, an dem nochmals ordentlich gefeiert und gegessen wurde. 
Wohl deshalb und nicht nur wegen der nachträglich initiierten Martinsgans-Legende zählt das Verzehren einer Martinsgsans zu den Bräuchen in vielen Regionen. An vielen Orten war der 11. November als Schwellentag zur bevorstehenden Fastenzeit auch als „Adventsfasent“ ein Begriff. „Dies hat sich in Form der Karnevalseröffnung in Düsseldorf oder später in Köln erhalten, bei uns beginnt die Fasent allerdings erst am Dreikönigstag“, so Mezger. 
Die Zeremonie des Mantelteilens bei den Martinsumzügen wird laut den Forschungen des Volkskundlers erst seit Ende des Zweiten Weltkriegs praktiziert, während das Lampentragen der Kinder viel weiter zurückzuverfolgen ist und auf das vor dem zweiten Vatikanischen Konzil aktive Bibelzitat für diesen Gedenktag aus dem Lukasevangelium „Mann soll sein Licht nicht unter den Scheffel stellen“ auf diesen Tag, zurückzuführen ist.

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