Offenburg

Werner Morstadt feiert heute seinen 80. Geburtstag

Autor: 
Christian Wagner
Lesezeit 5 Minuten
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15. Dezember 2015

»Ich liebe den Sport, die Politik und am meisten meine Frau«: Der waschechte Offenburger Werner Morstadt feiert heute seinen 80. Geburtstag. Ihn und Ehefrau Angi gibt es nur im Doppelpack. ©Ulrich Marx

Er ist einer der bekanntesten Offenburger und gehört mit Ehefrau Angi quasi zum Stadtbild. Er füllte Positionen und Ämter aus, die für zwei Leben reichen würden, war Anwalt, Burda-Personal­chef, OB-Kandidat, Kreis­rat, Faustball-WM-Organisator und OFV-Vorsitzender. Heute feiert Werner Morstadt seinen 80. Geburtstag.

Werner Morstadt ist vernetzt wie kaum ein Zweiter in Offenburg. Er liebt es, sich auszutauschen, und die vielen täglichen Kontakte und Gespräche sind sein Lebenselixier. Trotz seiner 80 Jahre­ ist er jung und modern denkend geblieben, bewegt sich wie selbstverständlich auf Face­book, Whatsapp und Co, das Iphone ist immer am Mann. Er schätzt es, in den sozialen Medien eine gute Debatte zu führen, die Argumente der Gegner zunächst »gegen eine weiche Wand« laufen zu lassen und sie dann am Ende doch davon zu überzeugen, dass es zum Beispiel ein Fehler war, gegen Olympia in Hamburg gestimmt zu haben. »Verzicht oder Boykott ist nie eine gute Lösung«, sagt Morstadt.

Auch mit Ehefrau Angi diskutiert er mit großem Vergnügen. Oft sitzen beide bis nachts um 2 Uhr im Wohnzimmer des schmucken Hauses in der Okenstraße zusammen, in dem Werner Morstadt 1935 per Hausgeburt zur Welt kam. »Sie weiß sich zu wehren«, sagt er zwinkernd zu seiner Frau, die für die Freien Wähler im Stadtrat sitzt. »Meist fällt ihm dann aber doch ein schlagendes Argument für seine Position ein«, erwidert Angi Morstadt schmunzelnd.

»Ich liebe den Sport, die ­Politik und am meisten meine Frau«: Mit diesem Satz charakterisiert sich Werner Morstadt ziemlich gut. Der begeisterte­ Sportler hat alle Sportarten betrieben, »die der liebe Gott nicht verboten hat«. Er hat für den OFV und Bohlsbach gekickt, für den TCO die badische Meisterschaft im Tennis geholt, fürs Männerbad acht deutsche Meistertitel im Faustball gesammelt und lief als Leichtathlet einst die 1000 Meter in 2:37 Minuten. Seine Liebe zum Sport lebte er nach der aktiven Zeit als Funktionär weiter.

Als Präsidiumsmitglied des Internationalen Faustballverbands hat er vier Weltmeisterschaften mitverantwortet, darunter die WM 1982 in Hannover mit 17 000 Zuschauern in zwei Tagen. Stolz ist er als Ehrenmitglied der Offenburger Faustballer auch »auf 273 Nationalspieler-Einsätze und 50 deutsche Meisterschaften, die wir in Offenburg feiern konnten«.

Für den OFV hat er von 2003 bis 2006 in enger Zusammenarbeit mit Ex-Nationalspieler Martin Wagner in einer schwierigen Phase den Vorsitz übernommen. Inzwischen ist er Ehrenmitglied und freut sich als begeisterter Fan über den aktuellen Aufwärtstrend.

Burda-Personaldirektor

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»Bleib neugierig!« dieser Grundsatz von Werner Morstadt, der zwei Kinder aus erster Ehe (Till, 47, ist Anwalt und Unternehmensberater in Bangkok, Steffi, 50, arbeitet bei Mode Zinser) und zwei Enkel (Nelly und Marnie, beide 18) hat, gilt auch für seine berufliche Laufbahn. Nach dem Abi­tur am Grimmelshausengymnasium 1954 absolvierte er das Jura-Studium in Bonn, Berlin, Freiburg und Heidelberg. Was ihm dabei besonders gefiel: In Bonn konnte er als Verbindungsstudent in kleinen Zirkeln mit Größen wie Schumacher, Heuss, Adenauer, Graf Baudissin und Erich Mende ausgiebig seiner Leidenschaft für die Politik frönen. 1964 folgte die Zulassung als Anwalt und dann der schnelle Karrieresprung: Nachdem er für Franz Burda einen Auftrag erfolgreich abgewickelt hatte, holte ihn der Senator 1964 komplett zu sich, Morstadt übernahm die Rechtsabteilung und wurde später Personaldirektor bei Burda.

Zugunsten der OB-Kandidatur 1975 gab er diesen reizvollen Posten auf. Ganz Morstadt, führte er den Wahlkampf sehr modern, startete beispielsweise eine groß angelegte Fragebogenaktion mit dem Thema »Bürgerwünsche an Offenburg«, gab eine Schallplatte mit seinen Wahlversprechen heraus und verwendete das Kürzel »WM«, weil nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft 1974 immer noch »WM«-Euphorie herrschte. Stolz blickt Morstadt noch heute auf sein kreatives Wahlkampfteam zurück.

Er war damals zwar CDU-Mitglied »aus bundespolitischen Überzeugungen«, verstand sich aber in Offenburg »als unabhängiger Kandidat«. Nach respektablem Ergebnis im ersten Wahlgang zog er sich zurück, »weil mir klar war, es spielt sich zwischen den beiden großen Parteien ab und ich die Parteienwahl nicht verfälschen wollte«. Mit Martin Grüber (SPD) habe »der beste Profi von uns drei Bewerbern« dann das Rennen gemacht, urteilt er. Morstadt führte danach die elterliche Anwaltskanzlei weiter, fungierte von 1984 bis 1994 als Geschäftsführer von Keilbach Kleinpreis und war Berater von verschiedenen Firmen, unter anderem des Hauses Reiff.

Die Lust an der Politik ist auch nach der OB-Wahl geblieben. 1992/93 leitete er mit Ehefrau Angi und dem Zell-Weierbacher Urgestein Adolf Bruder die Wiedergründung der Freien Wähler Offenburg ein, für die er 1999 in den Kreistag einzog. Mit Begeisterung warb er Kandidaten für die Kommunalwahlen. Andere empfinden dies als mühsames Geschäft, ihm bereitete das Vergnügen.

Den Tunnel will er erleben

Überhaupt fühlt sich der Jubilar pudelwohl in seiner Haut: »Ich bin der Überzeugung, dass wir momentan trotz der Flüchtlingsprobleme und der Europa­krise eine tolle Zeit erleben dürfen.« So vieles gestalten zu können und weltweit mit alten Freunden zu kommunizieren – »das begeistert mich«. Daher habe er richtig Lust, so weiterzuleben, betont Morstadt und schiebt lächelnd nach: »Ich möchte den Tunnel noch erleben. Deshalb hab’ ich mich entschlossen, 100 zu werden!«

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