Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung beantragt

Westiform in Ortenberg gibt Entwarnung: Löhne sind gesichert

Redaktion
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15. Mai 2022
Westiform in Ortenberg möchte wieder zukunftsfähig werden. Dafür wurde nun Sven Pursche als einzelvertretungsberechtigter Geschäftsführer bestellt.

Westiform in Ortenberg möchte wieder zukunftsfähig werden. Dafür wurde nun Sven Pursche als einzelvertretungsberechtigter Geschäftsführer bestellt. ©Westiform-Gruppe

Das Unternehmen mit Sitz in Ortenberg hat vor dem Amtsgericht Offenburg ein gerichtliches Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Die Löhne und Gehälter seien weiter gesichert.

Die Westiform Germany GmbH aus Ortenberg saniert sich innerhalb eines Eigenverwaltungsverfahrens, wie die Kanzlei Nickert aus Offenburg in einer Pressemitteilung informiert. Das Unternehmen habe vor dem Amtsgericht Offenburg ein gerichtliches Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Das Amtsgericht habe den Antrag mit Beschluss vom 12. Mai bewilligt.

Löhne gesichert

Der Geschäftsbetrieb an den Standorten in Ortenberg und Bretzfeld laufe in vollem Umfang fort, heißt es in der Mitteilung. Löhne und Gehälter der 130 Mitarbeiter seien gesichert. Die wesentlichen Gläubiger und Vertragspartner unterstützen das Eigenverwaltungsverfahren, so die Kanzlei. Ziel sei die Sanierung und Restrukturierung des Unternehmens und gegebenenfalls die Suche nach einem Investor.

Neben dem Antrag auf Eröffnung eines Eigenverwaltungsverfahrens sei auch die vorläufige Eigenverwaltung beantragt worden. Dies berechtige die Westiform Germany GmbH, die Geschäfte in Eigenregie unter Aufsicht eines gerichtlich bestellten Sachwalters weiterzuführen. Das Amtsgericht Offenburg habe den Anträgen stattgegeben. Damit habe das Unternehmen die Gelegenheit, einen Sanierungsplan zur Restrukturierung des Unternehmens vorzulegen.

Die Westiform Germany GmbH ist Nachfolge-Gesellschaft der Westiform GmbH & Co. KG, über deren Vermögen im Jahr 2020 das Insolvenzverfahren eröffnet wurde. Mithilfe des Verfahrens soll das Unternehmen eine zukunftsfähige Ausrichtung erhalten. Nach derzeitigem Stand sei davon auszugehen, dass das Verfahren in den wesentlichen Punkten im dritten Quartal 2022 abgeschlossen werden kann.

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Ein Auslöser der Krise war der Kanzlei Nickert zufolge die Rohstoffpreisentwicklung. Aufgrund der gegenwärtigen Marktsituation sei es zu nicht unerheblichen Preiserhöhungen gekommen. Hierdurch stieg der Materialaufwand seit Ende 2020 deutlich an. Daneben führten Projektverschiebungen zu ausbleibenden beziehungsweise verzögerten Umsätzen im Jahr 2021 und im ersten Quartal 2022.

Geschäftsführer erkrankt

Schließlich sei der alleinige Geschäftsführer Christian Dreser krankheitsbedingt ausgefallen. Die Fehlentwicklungen, unter anderem aufgrund der Ukraine-Krise, seien wegen des Ausfalls Dresers nicht rechtzeitig erkannt worden und Gegenmaßnahmen seien so nicht rechtzeitig eingeleitet worden. Das Unternehmen sei somit in eine akute Liquiditätskrise gerutscht.

Sven Pursche ist am 5. Mai als einzelvertretungsberechtiger Geschäftsführer bestellt worden, teilt die Kanzlei weiter mit. Er habe in seiner langjährigen Berufserfahrung eine Vielzahl von Sanierungs- und Refinanzierungsprozessen umgesetzt sowie kaufmännische Leitungsfunktionen übernommen. „Die Rahmenbedingungen für die Westiform waren Anfang des Jahres alles andere als einfach. Dass der ehemalige Geschäftsführer in dieser Zeit nicht vor Ort war, war für das Unternehmen problematisch. Hierzu werde ich nun meine Erfahrung einbringen“, wird Pursche zitiert.

Auch der die Eigenverwaltung begleitende Rechtsanwalt Matthias Kühne sieht in der Eigenverwaltung eine Chance für das Unternehmen: „Die Eigenverwaltung bietet die Chance, einen nachhaltigen Sanierungsplan zu erarbeiten und auch im Unternehmen umzusetzen.“
Die Westiform Germany GmbH erzielte im Geschäftsjahr 2021 rund 28,5 Millionen Euro Umsatzerlöse, heißt es in der Mitteilung. Der Geschäftsbetrieb des Unternehmens werde in vollem Umfang fortgeführt. Die vorliegenden Kundenaufträge sollen wie gewohnt ausgeführt werden. Zur Steuerung der für die Betriebsfortführung erforderlichen Liquidität unterhalte das Unternehmen eine Liquiditätsplanung und -steuerung unter Aufsicht des bestellten Sachwalters.

Sven Pursche leitet das Unternehmen. Dabei werde er von der Kanzlei Nickert und dem Team um den Partner Matthias Kühne unter Federführung von Rechtsanwältin Caroline Hackl-Fingado unterstützt. Das Gericht hat Rechtsanwalt Thomas Kaiser, von der Kanzlei Kaiser & Sozien, Freiburg, als vorläufigen Sachwalter beratend und begleitend zur Seite gestellt.
Die Gläubiger sollen über den Stand des Verfahrens und die geplanten Maßnahmen informiert werden. Informationen gibt es auf der Internetseite der Kanzlei Nickert.

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