Bericht im Ortschaftsrat

Wie das Geschichtsprojekt in Zell-Weierbach läuft

Autor: 
Thorsten Mühl
Lesezeit 3 Minuten
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01. Dezember 2020
Er taucht tief in die Ortshistorie ein: Leon Pfaff beim Recherchieren im Zell-Weierbacher Ortsarchiv, das der Heimat- und Geschichtsverein verwaltet.

Er taucht tief in die Ortshistorie ein: Leon Pfaff beim Recherchieren im Zell-Weierbacher Ortsarchiv, das der Heimat- und Geschichtsverein verwaltet. ©Thorsten Mühl

Die Aufbereitung der Zell-Weierbacher Ortsgeschichte von 1918 bis 1950 geht 2021 in die nächste Phase. Im Ortschaftsrat berichtete der Projektbeauftragte Leon Pfaff über die bisherigen Erkenntnisse – und er bat weitere Zeitzeugen um Mithilfe.

Seit diesem Sommer befasst sich der aus Zell-Weierbach stammende Geschichtsstudent Leon Pfaff in einer Projektarbeit mit der Zeller Ortsgeschichte im Zeitraum zwischen 1918 und 1950. Dabei bilden gesellschaftliche Strukturen, politische und wirtschaftliche Entwicklungen sowie der wirtschaftliche Stand zur damaligen Zeit thematische Schwerpunkte. Die Zielsetzung lautet, bis Ende März 2023 eine fertige Projektarbeit samt Manuskript vorzulegen. 

Im Zell-Weierbacher Ortschaftsrat stellte Pfaff in der Sitzung am vergangenen Mittwoch einen ersten Zwischenbericht vor. Bisher konnte er im Zuge der Recherchen elf Zeitzeugen-Interviews vornehmen, etwa ein Gespräch pro Woche, erläuterte er. Basis zur Kontaktaufnahme war meist Alfons End vom Heimat- und Geschichtsverein. Da Leon Pfaff auch bei der Zeller Feuerwehrabteilung aktiv ist, war es ihm zum Beispiel möglich, mit Kameraden der Altersabteilung in vertrauensvollem, sensiblem Rahmen zu sprechen. Im Schnitt dauerten die Gespräche zwischen 50 und 75 Minuten, informierte er. 

Auch ein Bruderpaar

Unter anderem ergab sich ein Austausch mit zwei Brüdern, vielfach waren es jedoch Einzelpersonen. Gesprochen wurde über unterschiedliche Lebenswege, Themen und Blickwinkel. Alltags- und Kriegserlebnisse kamen zur Sprache, auch Landwirtschaft. Sämtliche Interviews fanden unter Befolgung aller Corona-Vorgaben statt. 

Mit seiner Arbeit liegt Leon Pfaff aktuell – zum Abschluss der ersten Tranche – im Plan. Eine erste vorliegende Liste möglicher Interview-Partner sei abgearbeitet, eine Reihe weiterer Kandidaten vorstellbar, wie Pfaff darstellte. Derzeit werden die bisherigen Interviews transkribiert, also verschriftlicht. Diese Arbeiten sollen bis Jahresende abgeschlossen sein. 

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Die Zeitzeugen-Interviews haben sich aus Pfaffs Sicht als „ergiebig“ erwiesen. Die Unterhaltungen hätten ihn bei aller benötigten Distanz beeindruckt. „Man merkt schon, dass diese Berichte auch etwas bei einem selbst auslösen“, zeigte er auf. Als Beispiel nennt er ein Gespräch mit einem Interview-Partner, dessen Erfahrungen Leon Pfaff als „echt heftig“ bezeichnet. Die Situation erfordere viel Flexibilität – einerseits gehe es um Information, nicht zuletzt aber ebenso um Empathie und viel Vertrauen. Die Gespräche seien „eine authentische Dokumentation subjektiver Erfahrung“, fasste er zusammen.

Recherchen im Archiv

Die nächste Arbeitsphase beginnt für den Projekt-Beauftragten im kommenden Jahr. Dann stehen Recherchen im Generallandesarchiv, im Stadtarchiv und auch weiter im Ortsarchiv auf der Agenda. „Das werden spannende Arbeiten, weil man nie wissen kann, auf was man im Laufe der Recherche trifft“, so der Zell-Weierbacher. Bei der bisherigen Arbeit wusste er vor allem die Offenheit und Gesprächsbereitschaft der Zeitzeugen und die reichhaltige Quellenlage im Ortsarchiv zu schätzen. Gespannt ist Pfaff, ob sich eventuell über die Aufrufe im Mitteilungsblatt Weiteres ergeben könnte. „Darüber würde ich mich freuen. Jeder, der möchte, kann sich mit Erinnerungen oder Hinweisen gerne an die Ortsverwaltung wenden“, sagt Pfaff. 

Was ist mit Verfolgten?

Heribert Schramm (BLZW) erkundigte sich nach ersten Erkenntnissen zu den Themen NS-Opfergruppen, politisch Verfolgten sowie Zwangs- und Fremdarbeitern. Pfaff antwortete, zur politischen Verfolgung sei bisher noch nichts aufzufinden gewesen, dazu sollen aber zum Beispiel noch Wahlresultate von 1932 herangezogen werden. Zum Thema Enteignung sei er dagegen fündig geworden, ebenso zum Thema Verfolgung eines Bürgers mit Behinderung. 
Ortsvorsteher Willi Wunsch (CDU) nahm den Zwischenbericht zum Geschichtsprojekt positiv auf. „Wenn Corona nicht wäre, hätten wahrscheinlich sogar noch mehr Interviews geführt werden können. Mit dem bisher Vorgestellten können wir aber sehr zufrieden sein“, so Wunsch. 

Die Fraktionen äußerten sich ähnlich, vor allem wurde deutlich, dass man die verantwortungsvolle Projektarbeit in nicht nur fachlich guten Händen wisse.

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