„Nicht nur Projekt der einen Hälfte“

Wie der Zonta-Club Offenburg ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen setzt

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25. November 2021
Der Offenburger Zonta-Club und Unterstützer fordern die koordinierte Umsetzung der Istanbul-Konvention.

Der Offenburger Zonta-Club und Unterstützer fordern die koordinierte Umsetzung der Istanbul-Konvention. ©Sandra Biegert

Jede Stunde werden in Deutschland 13 Frauen Opfer von Gewalt in der Partnerschaft: Dagegen setzte der Zonta-Club Offenburg vor dem orange beleuchteten Rathaus mit Prominenten ein Zeichen.

Mit „Zonta Says No“ ist der Zonta-Club Offenburg wiederholt dem weltweiten Aufruf „Orange the World“ des UN-Generalsekretariats gefolgt. Am Mittwoch und Donnerstag erstrahlte das Offenburger Rathaus in orange, um öffentlich sichtbar „Nein“ zu Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu sagen. Auch der Forderung nach einer konsequenten Umsetzung der Istanbul-Konvention sollte so Nachdruck verliehen werden. Eine „Zonta Says No“-Petition fordert eine ressortübergreifende, staatliche Koordination. Die Petition kann noch bis zum 17. Dezember unterzeichnet werden.

Am Donnerstag um 16.30 Uhr versammelten sich die Zonta-Frauen um Club-Präsidentin Andrea Kuhn vor dem Rathaus. Mit im Gepäck hatten sie 100 Brezeln, die von der Bäckerinnung Ortenau gestiftet wurden. Diese sind in Tüten mit der Aufschrift „Gewalt kommt uns nicht in die Tüte!“ an die Passanten verteilt worden. 30 000 dieser speziellen Tüten wurden laut Kuhn übrigens auch an Bäckereien im Raum Offenburg verteilt.

Prominente Unterstützung gab es von Christina Obergföll, Johannes Vetter und Verena Schickle, der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Offenburg. Obwohl die Istanbul-Konvention 2011 erarbeitet und in Deutschland 2017 ratifiziert wurde „muss sich noch viel tun, um Frauen vor Gewalt zu schützen“, so Kuhn. „In Deutschland werden jede Stunde 13 Frauen Opfer von Gewalt in Partnerschaften.“

Nach Zahlen des Bundeskriminalamts sind 139 Frauen im Jahr 2020 durch ihre Partner getötet worden. 80 Prozent der von Gewalt betroffenen Personen sind laut dieser Statistik Frauen.

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Die „Zonta Says No“-Botschafterin und Speerwurfweltmeisterin Christina Obergföll hält die Umsetzung der Istanbul-Konvention für immens wichtig. Jede dritte Frau werde Opfer häuslicher Gewalt – „das kann man sich kaum vorstellen“. Gewalt an Frauen ist „ein Thema, das Männer und Frauen gleichermaßen angeht“, weshalb sich Kuhn freut, auch in Speerwurfstar Johannes Vetter einen Unterstützer gefunden zu haben.

„Wie könnten sich mehr Männer einsetzen?“, wollte Kuhn von ihm wissen. Allgemein sei es wichtig, dass dem Thema Gewalt mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden muss, ist sich Vetter sicher. „Als Sportler lebe ich Fairplay und Gleichberechtigung vor, darum ist Gewalt an Frauen für mich auch kaum vorstellbar.“

Für Werner Maier als Vertreter der Bäckerinnung sind Frauen in Handwerks- beziehungsweise „klassischen Männerberufen“ nicht wegzudenken. „Betreiber und Inhaber wären ohne Frauen aufgeschmissen. Der Respekt voreinander ist das A und O.“ Beim Miteinander, auch in der Familie, habe die Gesellschaft aber noch Nachholbedarf. „Ich hoffe, dass wir da weiterkommen“, so Maier.

„Würde sich die Einstellung gegenüber Frauen verändern, wenn wir mehr Parität hätten?“, wollte Kuhn von der Gleichstellungsbeauftragten Verena Schickle wissen. „Respekt und Solidarität sind die Grundpfeiler“, so Schickle. „Wenn 50 Prozent der Gesellschaft nicht repräsentiert werden, egal ob gesellschaftlich oder in politischen Gremien, fehlt der Blickwinkel der Hälfte der Bevölkerung.“ Schon ein Drittel Frauen in Gremien würde die Qualität der Debatte erhöhen. „50 Prozent wären natürlich wunderbar, das gilt dann aber auch für alle anderen Merkmale von Vielfalt“, sagte Schickle. Für sie ist klar: „Wir müssen als Gesellschaft zusammenstehen. Das soll nicht nur ein Projekt der einen Hälfte sein.“

Ingrid Kunde vom Verein Frauen helfen Frauen Ortenau schilderte die Situation im Frauenhaus. „Verhältnismäßig sind wir im Ortenaukreis gut dran und sind von sechs auf 21 Plätze gewachsen. Aber das reicht noch nicht.“ Das Notzimmer sei dauerhaft belegt. Bundesweit würden 15 000 Plätze fehlen für Frauen, die in Frauenhäusern Schutz suchen.

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