Serie: Corona - ein Jahr Ausnahmezustand

Wie die Gemeinde Biberach durch das Pandemie-Jahr gekommen ist

Autor: 
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
17. April 2021
Biberachs Bürgermeisterin Daniela Paletta (49, parteilos)ist durch die Pandemie seit März 2020 zur Krisenmanagerin im Rathaus geworden.

Biberachs Bürgermeisterin Daniela Paletta (49, parteilos)ist durch die Pandemie seit März 2020 zur Krisenmanagerin im Rathaus geworden. ©Dietmar Ruh

Was war für Sie als ­Gemeindeoberhaupt der schwierigste Moment in der Pandemie?

Von jetzt auf gleich in den Krisenmodus zu schalten, war schwierig. Besonders zu Anfang der Pandemie befanden wir uns in einer Art Schwebezustand, danach wurden wir mit Verordnungen bombardiert. Ich selbst musste Entscheidungen treffen, die nicht jeder verstand oder akzeptierte. Die Gemeinde sah sich mit zig Fragen aus der Bevölkerung konfrontiert.

Was hat Sie privat am meisten bewegt?

Das Schlimmste war, dass eine gute Freundin gestorben ist, und ich konnte wegen der Corona-Beschränkungen nicht Abschied von ihr nehmen und auch bei der Trauerfeier nicht dabei sein. Zudem konnte ich wegen des geltenden Kontaktverbots meine Familie und auch meine Freunde nicht sehen.

Wie hat das gesellschaftliche Leben in Ihrer Gemeinde gelitten?

Das gesellschaftliche Leben war komplett auf null gefahren, es gab keine Vereinstätigkeiten oder Veranstaltungen. Die Begegnungen unter den Menschen fanden nicht statt. Und die Kinder konnten ihre Spielkameraden nicht sehen.

Welche wirtschaftlichen Folgen hat die Pandemie für Ihre Gemeinde?

Von der Pandemie waren die örtliche Wirtschaft betroffen, besonders aber der Tourismus, hier vor allem die Hotels und Gaststätten, die ums Überleben kämpfen müssen. Hier brauchen wir eine Perspektive. Bei den Gemeindefinanzen gingen die Gewerbe- und die Einkommensteuer sowie die Kurtaxe zurück. Dies macht eine seriöse Finanzplanung in Zukunft schwierig.

Welche Pläne für Ihre Gemeinde mussten Sie aufgrund der Pandemie über den Haufen werfen?

Corona hat in Biberach keine Projekte über den Haufen geworfen. Allerdings gab es bei manchen Projekten eine zeitliche Verzögerung. So etwa bei der Schulsanierung, der Sanierung des Heimatmuseums Kettererhaus oder beim Bau des Abenteuerspielplatzes. Unser derzeit größtes Bauprojekt, der Neubau der Kindertagesstätte auf dem Alten Sportplatz, ist nicht betroffen und läuft wie geplant.

- Anzeige -

- Anzeige -

Was nehmen Sie Positives aus den Pandemie-Monaten mit?

Man besinnt sich in dieser Ausnahmezeit auf das Wesentliche. Durch die vielen Ausfälle und Absagen konnte man zwar Zeit gewinnen. Diese musste dann aber wieder in die ständige Informationsflut durch und zu Corona investiert werden. Entschleunigen, wie man in diesen Zeiten oft hört, konnte ich nicht, da ich als Krisenmanagerin gefordert war und bin. Ein positiver Aspekt in Pandemiezeiten war vielleicht die Tatsache, dass sich Video-Konferenzen bewährt haben. Das war Neuland für uns, könnte uns aber auch noch nach Corona erhalten bleiben.

Was macht Ihnen Hoffnung auf Normalität?

Nur der Impfstoff kann diesem Albtraum wirklich ein Ende setzen. Das ist für mich persönlich das Licht am Ende des Tunnels.

Was war Ihr schönstes Ausflugsziel in der Pandemiezeit?

Mit dem Boot auf dem Rhein schippern. Oder aber Spaziergänge entlang der Kinzig. Unsere Heimat ist wunderschön.

Welchen Appell würden Sie an die große Politik richten?

Eine langfristige Strategie wäre für uns alle wünschenswert.

Wenn man in 20 Jahren auf die Pandemie zurückblickt, was wird man sagen?

Man wird sagen, dass die Pandemie ein deutliches Lehrstück für unser Verhalten in Ausnahmesituationen war. Und man wird wissen, was richtig und was falsch in dieser Situation war.

Hintergrund

Wie bewerten Sie das Corona-Management...

...des Kreises?

Ich finde es gut, dass der Kreis seine Spielräume bei den Verordnungen ausnutzt. Und Hut ab, was das Gesundheitsamt geleistet hat. Dankbar bin ich, dass wir Gemeinden vom Gemeindetag aktuell und kompetent über Corona und die Auswirkungen informiert werden. Das hat uns viel Arbeit erspart.

...des Landes?

Vom Land hätte ich mir eine klarere und frühzeitigere Kommunikation gewünscht, gerade was Schulen und Kindergären anbelangt. Hilfreich wären auch klarere und verständliche Formulierungen in den Vorgaben vom Land, die dann auch keine Interpretationsspielräume mehr offen lassen würden.

...des Bundes?

Vom Bund wünsche ich mir vor allem eine langfristige Strategie. Lockdown, dann wieder öffnen, dann wieder Lockdown: So können wir nicht ewig weitermachen!

...der EU?

Corona kennt keine Ländergrenzen. Man sollte deshalb zwar bei der Bekämpfung der Pandemie an einem Strang ziehen, aber bei der Umsetzung der Maßnahmen – wie etwa bei der Impfstoff-Beschaffung – gab es Dinge, die man besser hätte machen können und die uns jetzt auf die Füße fallen.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Offenburg

Zells Bürgermeister Günter Pfundstein.
vor 16 Stunden
Zells Bürgermeister auf Facebook
Nachdenkliche und mahnende Worte von Bürgermeister Günter Pfundstein: „Corona darf Gesellschaft nicht spalten“
Eugen Adler und sein Papagei Giaccomo waren ein echter Hingucker. Nun ist der „Vogelvater“ gestorben.
vor 17 Stunden
Stadtbekannter Offenburger ist gestorben
Wie geht es mit Papagei Giaccomo weiter, nachdem sein Besitzer Eugen Adler verstorben ist? Das wollten unzählige Leser wissen. Das Schicksal meint es gut mit Giaccomo.
So soll das Funktionsgebäude der neuen Kindergartengruppe in Oberharmersbach aussehen
vor 17 Stunden
Betreuungs-Angebot wird erweitert
Oberharmersbach möchte das Angebot des Kinderhauses „Sonnenblume“ am Waldrand erweitern. Gemeinderat im Spagat zwischen Sparen und Steigerung der Attraktivität des Orts.
Optisch schön, aber sanierungsbedürfig ist das Gengenbacher Rathaus aus dem 18. Jahrhundert.
vor 17 Stunden
Zeitplan steht
Der Gemeinderat hat am Mittwochabend einstimmig zugestimmt, dass es für die Sanierung des Gengenbacher Rathauses (erbaut 1784 von Victor Kretz) einen zweistufigen Wettbewerb geben soll.
Zu haben gegen Gebot: Das Schild mit dem Schriftzug „Zur Linde“ in Altenheim. 
vor 19 Stunden
Gasthaus in Altenheim
In der zweiten Maihälfte sollen die Abrissarbeiten für das ehemalige Gasthaus Linde in Altenheim beginnen. Es muss der Erweiterung des Busbahnhofs weichen.
Der Jugendtreff der KJG Niederschopfheim residiert im Souterrain.
vor 19 Stunden
Leben in Hohberg
Was finden die Jüngeren gut in Hohberg? Was stört sie? Drei junge Damen vom Jugendtreff Niederschopfheim geben Auskunft über die Befindlichkeiten junger Leute.
Die Ortsbroschüre Rammersweier von 2016 soll einen Nachfolger erhalten.
vor 20 Stunden
Neue Ortsbroschüre geplant
Nach fünf Jahren soll eine neue, aktuell gestaltete Ortsbroschüre aufgelegt werden. Ein Arbeitskreis soll die Ideen umsetzen.
 Auch die Fessenbacher Bürger trauern um Annette und Laurent Reibel, die beide kurz hintereinander verstorben sind. 
vor 23 Stunden
Alte Freunde gestorben
Alt-Bürgermeister der Partnergemeinde Zellwiller starb kurz nach seiner Frau. Beide waren Förderer der Freundschaft beider Gemeinden.
Das Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Bohlsbach bei der Eröffnung 2019.
12.05.2021
Zwischenbilanz im Rat
Demenz soll kein Tabuthema sein: Seit August 2020 ist Bohlsbach Bestandteil des landesweiten Modellprojekts „Demenz im Quartier“. Viele geplante Aktionen können derzeit aber nur unter erschwerten Bedingungen durchgeführt werden.
WG-Chef Stephan Danner (links) gratuliert Andreas Werner, der seit einem halben Jahrhundert treues Mitglied der Winzergenossenschaft ist.
12.05.2021
WG Durbach
Winzergenossenschaft Durbach würdigte 30 treue Mitglieder, darunter auch Vollblutwinzer Andreas Werner, seit 50 Jahren bei der WG und mit 80 Jahren der Älteste auf der Ehrungsliste.
Nach über sechsmonatiger Zwangs-Winterpause können die Wirte in Offenburg darauf hoffen, bald ihre Außenflächen öffnen zu dürfen.
12.05.2021
Zwischen Vorfreude und Verunsicherung
Fünf Tage Inzidenz unter 100, dann ist es so weit: Die Gastronomie in Offenburg steht in den Start­löchern und hofft auf klare und praktikable Ansagen der Landesregierung.
Der Offenburger Digitalchef Marc Müller-Stoffels. In der Offenburger Stadtverwaltung werden demnächst rund 60 Digitallotsen ausgebildet.
12.05.2021
Fit bei digitalen Themen
Digitallotsen für die Offenburger Stadtverwaltung: Rund 60 Mitarbeitende werden in wichtigen Aspekten der Digitalisierung geschult. So sollen an allen Stellen Ansprechpartner vorhanden sein.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Kompetente Beratung und Produkte zum Anfassen: Die Badausstellung lädt zum persönlichen Austausch ein. 
    12.05.2021
    Rundum-sorglos-Paket für Ihre Badsanierung
    So einfach kann der Weg zum modernen und stilvollen Badezimmer sein: Kostenlose Beratung, Festpreis und alle Leistungen der Badsanierung komplett aus einer Hand. Und mit dem Online-Konfigurator lässt sich vorab die gewünschte Badvariante bequem auswählen.
  • Das Jeep Fold FAT E-Bike FR 7020 sieht nicht nur Spitze aus, sondern hat ganz schön Power. 
    11.05.2021
    Mit Rückenwind in den Sommer: Jeep Fold FAT E-Bike FR 7020
    Für alle, die ein E-Bike suchen, das sie überall hin mitnehmen können, um mobil und flexibel zu bleiben, hat bo.de das passende Angebot: Das Jeep Fold FAT E-Bike FR 7020 mit Mega-Reichweite. Es winkt ein Preisvorteil von 550 Euro.
  • Mareike Jobst und ihr Team der Akku Expert GmbH aus Offenburg.
    10.05.2021
    Ortenau bei eBay: Neuer lokaler Online-Marktplatz
    Die große Heimat kleiner Händler - unter diesem Motto ist das Projekt "eBay Deine Stadt" mit zehn lokalen Online-Marktplätzen am Start. Als Vorreiter ist auch Ortenau bei eBay dabei. Die Ortenauer können lokale Händler*innen dort unterstützen.
  • Mit dem USB-Kugelschreiber "Turnus" hat man alles fürs Meeting dabei: Schreibgerät und USB-Stick.
    09.05.2021
    Klio-Eterna: Hochwertige Schreibgeräte aus Wolfach
    Kugelschreiber & Co. sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken – und ideale Werbeträger. Klio-Eterna aus Wolfach bringt klingende Firmennamen auf die Schreibtische, in Hemden- und Laptoptaschen der Nation – und das schon seit mehr als 120 Jahren. Formschöne Qualität „made in Germany“.