Offenburg

Wie ein vierter Sohn für ihn

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Redaktion
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24. September 2011
Foto: Hubert Burda Media

Foto: Hubert Burda Media

Er ist in Offenburg legendär. Nahezu jeder in der Stadt weiß eine Anekdote über »den Senator« zu erzählen. Aus Anlass seines 25. Todestages von Franz Burda am 30. September erscheint eine neue Biografie. Das OT veröffentlicht in einer sechsteiligen Serie Auszüge daraus. Heute: Franz Burda und Reinhold Messner – eine Begegnung im Himalaja gipfelt in einer großen Freundschaft.

Das höchste Bergmassiv der Erde ist ein Sehnsuchtsort Franz Burdas. »Mein Leben lang hatte ich davon geträumt, einmal im Himalaja zu sein. Die gewaltigsten, höchsten Berge der Welt zu sehen...«, schreibt der Senator 1970 in der »Bunten«. Im Frühjahr desselben Jahres verwirklichte er seinen Traum. Der Senator reiste nach Nepal und zu einer Stippvisite ins pakistanische Rawalpindi, wo Prof. Dr. Karl M. Herrligkoffer eine Himalaja-Expedition vorbereitete. Franz Burda hatte sich für viel Geld die Exklusivrechte zur Berichterstattung über die Nanga-Parbat-Besteigung gesichert.
Franz Burda lädt die 17-köpfige Expeditionscrew, die hier spartanisch wohnt und auf einen Transfer nach Gilgit wartet, ins »Intercontinental« ein. Am Swimmingpool unterhält er sich mit den »kraftstrotzenden, tatendurstigen Burschen«. Abends bittet er zum Festessen, das der Chefkoch aus Ulm bereitet: schwäbische Spätzle, Jägerschnitzel und zum Nachtisch Schwarzwälder Kirschtorte. Als er hört, dass die Expedition mangels Geld gefährdet ist, handelt der Senator: »Ich tat etwas, was ich noch nie zuvor getan hatte. Ich stellte einen Blankoscheck aus und gab ihn Dr. Herrligkoffer.« – »Sternstunden im Leben eines Expeditionsleiters!«, kommentiert dieser euphorisch in seinem Buch »Kampf und Sieg am Nanga Parbat«.
Die Expedition der Gruppe rund um die Brüder Reinhold und Günther Messner auf den neunthöchsten Berg der Erde war somit gerettet. Doch sein Ruf als Schicksalsberg der Deutschen sollte sich auch bei dieser Besteigung bewahrheiten. Am 23. Juli 1970 berichtet die »Bunte« exklusiv über die Besteigung des 8125 Meter hohen Nanga Parbat: Als erste Bergsteiger bezwangen Reinhold und Günther Messner, Peter Scholz und Felix Kuen den Schicksalsberg der Deutschen über die höchste Steilwand der Erde. Es war ein »bitterer Sieg am Nanga Parbat«, wie das Magazin titelt. »Nach dem Triumph kam der Tod« – Günther Messner kehrte nicht von der Expedition zurück.
Sein Bruder Reinhold erlangte Weltruhm und verblüffte seither stets aufs Neue mit Rekorden. Er ist der erste Mensch, der den Gipfel des Mount Everest ohne Zuhilfe­nahme künstlichen Sauerstoffs erreichte (1978) und der, ebenfalls ohne künstlichen Sauerstoff, auf den Gipfeln aller 14 Achttausender stand (1970 bis 1986). Als erster bezwang er 1978 im Alleingang erneut den Nanga Parbat. Senator Franz Burda mochte, schätzte Reinhold Messner, war fasziniert von dem 41 Jahre jüngeren Südtiroler und veröffentlichte regelmäßig Farbreportagen über den Extrembergsteiger.
Der Senator hatte an dem eigenwilligen und zielstrebigen jungen Südtiroler einen Narren gefressen und betrachtete ihn als seinen vierten Sohn. Oft war er in den Redaktionen in München und Offenburg und zum Essen in der Burda-Villa zu Gast. Das Visionäre verband Extrembergsteiger und Verleger: »Ich denke, dass jeder Mensch zum Gipfel will, ich meine damit nicht unbedingt den Gipfel eines Berges, sondern Punkte, wo ein Ende ist, wo alle Linien zusammenlaufen«, schreibt Messner in seinem Buch »Grenzbereich Todeszone«. Franz Burda hat als Unternehmer viele Gipfel erklommen. Berge faszinierten ihn als Symbole des Erhabenen, des Sublimen.
Lesen Sie am Montag: Der Senator und die Musik!

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Neue Biografie
Die neue Biografie zu Leben und Werk Franz Burdas »Geschichten eines Lebens« – verfasst von der Offenburger Journalistin und Autorin Ute Dahmen – erscheint am 30. September, dem 25. Todestag des Senators. Die Texte der OT-Serie basieren auf Auszügen dieser Biografie.

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