Vortrag in Zunsweier

Wie jedermann Lebensräume für Insekten und Vögel erhalten kann

Autor: 
Manfred Vetter
Lesezeit 3 Minuten
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09. Juli 2021
Blühende Wiesen sollen gegen das Insektensterben helfen.

Blühende Wiesen sollen gegen das Insektensterben helfen. ©Josef Glatt

Wie der Rückgang von Blühpflanzen, Insekten und Vögeln verhindert werden kann, war am Montag Thema eines Informationsabends zur Artenvielfalt in der Zunsweierer Festhalle.

46 Prozent der Blühpflanzen stehen vor ihrer Ausrottung, die Insektenmasse ist stark zurückgegangen und 57 Prozent der Wiesenvögel sind verschwunden: Bei einem Infoabend der Stadt Offenburg und des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord in der Festhalle Zunsweier gab es zahlreiche Fakten und Hintergründe, wie das „Netzwerk der Natur“ funktioniert, wie Artenvielfalt erhalten und das Artensterben gestoppt werden kann.
Stefanie Birk vom Fachbereich Grünflächen und Umwelt will die Bürger einbinden. Ziel seien Gemeinschaften, die sich um Nachhaltigkeit bemühen.

Manfred Kraft, Obmann für Bienenweide beim Landesverband der badischen Imker, erklärte, dass die Wiese einen Lebensraum bildet, in dem alle Arten voneinander abhängig sind – von Bodenlebewesen über Pflanzen und Insekten bis zu den Wiesenvögeln. Blumen seien in Heuwiesen kaum zu finden. Sie sind aber Grundlage für Insekten, von denen sich wiederum die Vögel ernähren. Auch heimische Strauch- oder wild wachsende Heckenpflanzen sind wichtig, um eine kleinräumigere Landschaft zu schaffen.

In einer über 27 Jahre andauernden Studie ermittelte man einen Rückgang der Insektenmasse um 88 Prozent. Derzeit gehen jedes Jahr 56 Hektar Lebensraum für Insekten verloren. Daher sollen auch in Siedlungsgebieten Oasen mit einem vielfältigen Angebot an Blühpflanzen und Nistangeboten entstehen, auch wenn „Steinwüsten“ kurzfristig pflegeleichter sind, so Kraft. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft gehen Blühpflanzen verloren. Wo Silagefutter produziert wird, ist kein Platz mehr für Blumen. Es gibt keine Hecken- und Grenzstrukturen zwischen den Äckern mehr. Früher unbefestigte Feldwege sind asphaltiert. Wildbienen fliegen nur bis zu 300 Meter weit, wie Kraft erklärt. „Daher können sie große Felder nicht überqueren. Einzelflächen müssen entsprechend nah beieinanderliegen.“

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Der Pestizideinsatz in der Landwirtschaft vernichte Insekten zusätzlich. „Was viele nicht wissen: In den Privatgärten wird pro Quadratmeter mehr dieser Insektenkiller verwendet als von Landwirten“, so Kraft.
Neben der Nahrung sind auch Nistmöglichkeiten für Insekten verschwunden – in einzelnen Pflanzenstängeln, in Hecken oder im Boden. Werden einjährige Blumen im Herbst gemäht, vernichtet der Bauer gleichzeitig die Brut der Wildbienen mit. Allein von der Glockenblume leben zehn Bienenarten. „Sie sterben alle, wenn es diese Blume nicht mehr gibt“, so Manfred Kraft. Singvögel leiden extrem unter dem Insektensterben, ihre Bestände gehen dramatisch zurück.

Verhalten ändern

Die Lösung: Flächen schaffen mit Nahrungsangeboten für Insekten, Pollen für den Bienennachwuchs, Fresspflanzen für Schmetterlinge. Es dürfen nur gebietsheimische Pflanzen gesät und der Boden richtig vorbereitet werden. Man braucht eine mehrjährige Ruhe auf diesen Feldern. „Jede Fläche ist geeignet, die über zwei, drei Jahre so bleiben darf“, sagte Kraft.

Die Konsumenten müssen ihr Verhalten ändern, auf dem Markt oder direkt beim Erzeuger einkaufen: „Das verändert die Landwirtschaft am nachhaltigsten.“ Der Einsatz von Pestiziden müsse gesenkt und die Gartengestaltung vor und hinterm Haus geändert werden. Es sollen gemeinschaftliche Anstrengungen sein.
Lilli Wahli stellte das Projekt „Blühender Naturpark“ des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord in Zusammenarbeit mit dem Badischen Imkerverband vor. Im Bildungsangebot soll Verständnis geweckt werden für Fluginsekten und wie deren Interessen geschützt werden. In dem nachhaltigen Projekt wird mehrjähriges heimisches Saatgut entwickelt. „Wir wollen neue Lebensräume für Insekten schaffen“, so Lilli Wahli. „Jeder kann mitmachen, jede Fläche zählt, Trittsteine sollen gebildet werden.“ 116 Teilnehmer hätten schon 425 Flächen mit 220 000 Quadratmetern eingebracht.

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