Grenzen und Selbstpflege

Workshop für den ambulanten Erwachsenen-Hospizdienst

Autor: 
Rosa Harmuth
Lesezeit 3 Minuten
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24. August 2018

Im Rahmen der internen Fortbildungen für Ehrenamtliche fand im Juli ein Abend mit Ulrich Siegrist (link) statt. Monika Lubitz (rechts, Leiterin des ambulanten Erwachsenen-Hospizdiensts Offenburg) begrüßte zahlreiche Teilnehmerinnen, darunter auch Fachkräfte aus Einrichtungen, die mit dem Hospizverein Offenburg kooperieren. ©Gerhard Harmuth

»Woran erkennen wir, dass Grenzen überschritten sind?« Für Ehrenamtliche des ambulanten Erwachsenen-Hospizdiensts drehte sich Ende Juli bei einer internen Fortbildung mit dem Referenten Ulrich Siegrist alles um das Thema Grenzen und die Selbstpflege. 

Der Referent – Ulrich Siegrist arbeitet als selbstständiger Resilienztrainer, Coach und Supervisor in Karlsruhe – begann den Workshop für den ambulanten Erwachsenen-Hospizdienst Offenburg mit einem aktuellen Beispiel, das tiefe Betroffenheit auslöste: Ein thailändischer Helfer brachte den Kindern in der Höhle Sauerstoff. Auf dem Rückweg nach draußen starb er – weil ihm selbst die Luft ausging. Damit stellte Siegrist eine der wichtigsten Fragen für alle, die in helfenden Berufen und Ehrenämtern tätig sind: »Wie kann es gelingen, dass mir selbst nicht die Luft ausgeht?«

Nach einem sehr anschaulich und kurzweilig vorgetragenen Referat mit Skizzen und Fotos, ließen sich die Teilnehmenden mit großer Offenheit auf das Thema ein. Dabei wurde klar: Innere und äußere Grenzen bestimmen unseren Alltag. Sie können Sicherheit geben, einengen oder ängstigen.

Die Ehrenamtlichen und Fachkräfte äußerten Gedankenverbindungen zum Thema Grenzen, sprachen über Grenzüberschreitungen, Schutz- und Freiräume.  »Die wohl stärkste Grenzerfahrung für Menschen ist das Sterben – als massive Begrenzung des Lebens. Am Bett eines Sterbenden brauchen wir Grenzen, um nicht zu sehr in das fremde Leid einzutauchen«, gab Ulrich Siegrist zu bedenken. Immer wieder gelte es, sich auf die eigenen Einflussmöglichkeiten zu konzentrieren.

»Ich stehe unter Druck«

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Auf die Frage des Kursleiters: »Woran erkennen wir, dass Grenzen überschritten sind?« fanden die Teilnehmerinnen zahlreiche Hinweise: »Ich fühle mich belastet« – »Es fühlt sich nicht mehr gut an« – »Ich stehe unter Druck« – »Ich habe den Eindruck, fremdbestimmt zu sein und stelle persönliche Bedürfnisse in den Hintergrund« – »Ich übergehe mein Bauchgefühl und plage mich mit Schuldgefühlen«.

Bald wurde klar: Liebe und Grenzen, Wärme und Konsequenz gehören zusammen. Ohne Grenzen gibt es keine Selbstverantwortung. Entscheidungen, die getroffen werden, um nicht anzuecken, führen auf Dauer zu Groll und Verbitterung.Siegrist gelang es, mit vielen Beispielen aus der Praxis aufzuzeigen, wie heilsam und schützend gesunde Grenzen sein können. Doch er forderte auch dazu auf, über deren Gestaltung nachzudenken. »Grenzen sollen atmen können«, sagte er und warnte eindringlich davor zu sehr »zu mauern«.

Bewusste Betrachtung

Als Anregung und Hilfe zur Reflektion im Alltag gab Ulrich Siegrist den Kursteilnehmern das Schaubild eines Lebensrads mit nach Hause: Durch die bewusste Betrachtung der Lebenssituation könne es – auch in der Helferrolle – gelingen, die Weichen für notwendige Veränderungen zu stellen, sagte er. »Das Lebensrad fordert uns auf, bewusst zu leben: Beziehungen zu pflegen, Gesundheit zu hegen, den Lebenssinn nicht nur in der Arbeit zu finden, sondern auch in der Kultur, in Werten und Zielen.«

Zum Schluss äußerten sich alle Anwesenden positiv über die Art der umfangreichen Anregungen und den wohltuenden Erfahrungsaustausch untereinander. Im Namen der Ehrenamtlichen bedankte sich Monika Lubitz, die Leiterin des ambulanten Erwachsenen-Hospizdiensts Offenburg, bei dem Seminarleiter: »Mit Ruhe und Behutsamkeit haben Sie auch schwierige Themen nahegebracht!« Sie stellte eine weitere Veranstaltung mit dem Resilienztrainer in Aussicht und erntete dafür großen Applaus.

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