Zell am Harmersbach

Zehn junge Flüchtlinge für Zell

Autor: 
Dietmar Ruh
Lesezeit 3 Minuten
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14. Januar 2016

(Bild 1/2) Bereits am Montag sollen die ersten fünf jungen Flüchtlinge eine Wohnung in der Kapellenstraße 19 beziehen. ©Dietmar Ruh

Die Stadt Zell wird in Kürze neue Heimat für zehn junge Flüchtlinge. Die alleinstehenden Jugendlichen werden in zwei Wohngemeinschaften leben und von Sozial­arbeitern der Firma Agilevent betreut.

 Die Flüchtlingssituation wird sich 2016 im Kreis nochmals verschärfen und in der Folge auch die Kommunen fordern. Bei der Vorstellung des Containerdorfes in Nord­rach teilte das Migrationsamt im Landratsamt mit, dass je nach Zustrom im schlimmsten Fall in diesem Jahr kreisweit bis zu 9000 zusätzliche Flüchtlinge untergebracht  werden müssten. Da die Möglichkeiten des Ortenaukreises nahezu erschöpft sind,  werden dies in der Folge 2016 auch die Kommunen zu spüren bekommen. Die Rede ist von einem Verteilerschlüssel von 32 bis 35 Flüchtlingen je 1000 Einwohner.

Vor diesem Hintergrund ist der Wunsch des Landratsamts an Zell zu sehen, in der Stadt zwei Wohnungen für jugendliche Flüchtlinge anzumieten. »Die Stadt muss weitere Unterbringungsmöglichkeiten zur Verfügung stellen«, so Zells Bürgermeister Günter Pfundstein gestern im Rathaus. »Wir haben deshalb auf Bitten des Landratsamtes zwei städtische Wohnungen angeboten, um zehn Jugendlichen, die ohne ihre Eltern aus Krisengebieten nach Deutschland geflohen sind, ein neues Zuhause zu schaffen«. Pfundstein betont, dass vermutlich im Laufe des Jahres noch weitere Flüchtlinge nach Zell kommen werden. »Das war auch der Grund, das Heft in die Hand zu nehmen. Es ist besser, zu agieren, als zu reagieren«, so Pfundstein. Die zehn Jugendlichen, sogenannte »unbegleitete Flüchtlinge«, werden dem Zeller Aufnahmekontingent angerechnet.

Die zehn jungen Männer sind im Alter von 16 bis 21 Jahren, stammen aus unsicheren Herkunftsländern und haben ein Bleiberecht. Sie werden in Wohngemeinschaften jeweils zu fünft in zwei städtischen Wohnungen auf jeweils rund 120 Quadratmetern leben. 

Eine Gruppe soll in der Kapellenstraße unterkommen, die zweite im ehemaligen Schuhhaus Theobald in der Spitalstraße. Betreut werden die zwei WG’s durch die örtliche Firma Agil­event, welche die zehn Jugendlichen mit insgesamt fünf Sozialarbeitern und -pädagogen betreut und sie bei der Integration in Bezug auf Sprache, Bildung, Ausbildung und Beruf sowie im Alltagsleben unterstützt. »Ziel ist, dass die Jugendlichen schnell aus der betreuten WG ins eigenständige Leben entlassen werden können«, so Pfundstein.

»Höflich und motiviert«

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Kai Broweleit, einer der Geschäftsführer von Agilevent, erklärt, dass seine Firma seit nunmehr zehn Jahren im Auftrag der kommunalen Arbeitsförderung Arbeitslose für den Berufseinstieg vorbereitet. So sei der Kontakt für das Zeller Projekt zustandegekommen. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus dem arabischen und afrikanischen Raum sind zwar Flüchtlinge, fallen aber aufgrund ihres Alters unters deutsche Kinder- und Jugendhilfegesetz. Sie kommen aus einer Jugendhilfeeinrichtung aus Lahr nach Zell. 

»Die Jugendlichen sind höflich, freundlich, diszipliniert und haben zum Teil einen hohen Bildungsstand«, erklärt Broweleit. »Ein Großteil spricht Englisch und alle sind höchst motiviert«, beschreibt er. Die erste Gruppe, die bereits am Montag in der Kapellenstraße einziehen wird, besteht aus drei Jugendlichen aus Afghanistan und zwei aus Gambia. »Die zwei freuen sich schon, in Zell eventuell Fußball spielen zu können«, erklärt Broweleit.

Die zweite Gruppe, soll im Dachgeschoss im Haus Theobald in der Spitalstraße leben.  »Bis Ende Februar sollen die Jugendlichen einziehen«, so Günter Pfundstein, der die Einwohner bittet, die Jugendlichen »herzlich aufzunehmen«. 

Der Bürgermeister begründet die recht späte Information der Öffentlichkeit damit, dass die Verträge zwischen Agil­event und Landratsamt erst jetzt unterschrieben wurden. 

Dennoch waren die Pläne in Teilen der Bevölkerung offensichtlich schon bekannt: Dem Vernehmen nach soll es gegen die Belegung des Gebäudes in der Spitalstraße mit jungen Flüchtlingen bereits eine Unterschriftenaktion der Nachbarn geben.

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