Hohberg

Zeitzeugen im Museum

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14. September 2020

Michael Bayer (Hintergrund) erläutert die Ausstellung. ©Klaus Krüger

Beim Tag des offenen Denkmals zeigen die Verantwortlichen des Historischen Vereins Hohberg ihre Aufarbeitung des sogenannten Dritten Reichs im Heimatmuseum Niederschopfheim.

Es war eine dunkle Zeit voller Leid auch in den drei Hohberger Dörfern. Und es kostete viel Fingerspitzengefühl und Beharrlichkeit, sie aufzuarbeiten. Der Historische Verein hat das Mammutprojekt gestemmt und den Alltag unterm Hakenkreuz in den drei Hohberger Orten dokumentiert.  

Herausgekommen ist eine sehenswerte Ausstellung im Heimatmuseum in Niederschopfheim. Der Verein präsentierte die Zeitzeugnisse am Sonntag, dem Tag des offenen Denkmals – an dem endlich auch das Museum wieder für Führungen offenstand; in genau eingeteilten Gruppen, mit Maske und Abstand. Noch mindestens ein halbes Jahr soll sie im Museum zu besichtigen sein, „so lange halt Interesse besteht“, sagt Lucien Mutzig, Vorsitzender des Historischen Vereins. Gruppen und Schulen sind eingeladen, sich zu informieren – Anmeldung über die • am Schluss.

Zwei Seiten

Michael Bayer leitete die Führungen und beschrieb, was auf beiden Seiten der Stellwänden im Erdgeschoss zu sehen war: Von  „Führer befiehl“ über die NS-Propaganda, die sich in wie eine böse Krankheit in den Alltag fraß, Kreuz und Hakenkreuz, Gebären für den Führer, Terror, Gewalt, Sklaven der Nazis und die Wiederherstellung von Recht und Ordnung nach Kriegsende; nach all dem Schrecken und der Angst in den zwölf Jahren zuvor. Die Tafeln sind detailreich, bringen das Geschehen gut zur Geltung. Am Fuß liegen die benutzten Materialien. 

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Michael Bayer erläuterte ausführlich und geduldig und beantwortete die Fragen der Besucher. Die erfuhren etwa, dass die Nazis die drei Dorfbürgermeister zu Beginn ihrer Herrschaft einsetzten; gewählt wurden sie nicht. 
Im Gespräch mit unserer Zeitung sagten Michael Bayer, Angela und Lucien Mutzig, wie viel Arbeit das Sammeln der Zeitdokumente gemacht habe. Bayer: „Ein Jahr lang waren wir damit beschäftigt.“ Dazu zählten auch die Gespräche mit den Zeitzeugen, deren Erinnerungen einen wichtigen Raum auf den Tafeln der Ausstellung einnehmen. Der verstorbene Bienenvater Paul Zimmermann gehört dazu. 

Er listet von 1933 bis 1945 die Jahre des Schreckens auf und schreibt, wie das seiner Ansicht nach gelaufen ist – ins Reimform. De Jägerduni (Anton Franz) erinnert sich an zahlreiche Anekdoten aus der Zeit – in Satiren wie „De Hitler fahrt durich“ oder die Geschichte von den kriegsgefangegen jungen Franzosen. Auch Franz Feißt steuerte seine Erinnerungen bei, und kam am Sonntag auch selbst vorbei. Die Offenheit dieser und anderer Zeitzeugen erfreute die Verantwortlichen.

Zur Ausstellung gibt es einen lesenswerten Katalog. Darin haben die Veranwortlichen des Historischen Vereins niedergelegt, was sie dazu bewegen hat, diese Ausstellung zu machen. 
Es sei wichtig, die Erinnerung an das wohl dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte zu bewahren – vor allem für die Nachgeborenen. Und das in einer Zeit, da manche das gemeinsame Europa infrage stellen. Doch nur so sei Frieden möglich. 

◼ Katalog und Anmeldung über • 078 08 / 99 259. 

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