Weingut Pieper Basler beliefert Önologie-Studierende

Zell-Weierbacher Rieslingtrauben reisen zum Vergären nach Schweden

Regina Heilig
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
29. September 2022
Die Oenologie-Studierenden Daniel Olsson und Gabi van Neste laden im Weingut Pieper Basler 500 Kilogramm Rieslingtrauben in ihren mobilen Tank, um sie in der schwedischen Heimat zu einem süffigen Tropfen auszubauen.

Die Oenologie-Studierenden Daniel Olsson und Gabi van Neste laden im Weingut Pieper Basler 500 Kilogramm Rieslingtrauben in ihren mobilen Tank, um sie in der schwedischen Heimat zu einem süffigen Tropfen auszubauen. ©Regina Heilig

Zwei Studenten der Önologie aus der Nähe von Stockholm holten beim Weingut Pieper Basler eine halbe Tonne Rieslingtrauben ab. Diese werden dort in Keramikbehältern vergoren, ganz nach alter Tradition.

„Der Herbst“ im Sinne von „Traubenernte“ neigt sich dem Ende zu. Zahlreiche mit Fässern schwer beladene Trecker transportieren die frisch geernteten „Triebel“, wie man im Dialekt sagt, zum örtlichen Winzerkeller. Dabei geht es auch andersherum: Die Studierenden der Önologie (zu Deutsch (Wein-)Kellerwirtschaft) Daniel Olsson und Gabi van Neste aus der Nähe von Stockholm fahren quasi „den Keller zu den Trauben“.

Bereits im vierten Jahr rollen die beiden, die in London am unabhängigen College „Wine and Spirits Education Trust“ studieren und 2023 den Abschluss anpeilen, mit ihrer mobilen Traubenannahme Marke Eigenbau in europäische Weinanbaugebiete, um jeweils 500 Kilogramm bestes Traubenmaterial einzuladen und auf die etwa 4000 Kilometer lange Fahrt ins heimatliche Schweden mitzunehmen. Und zwar nicht zum Verzehren, sondern zum Vergären.

Begonnen hat das ungewöhnliche Unternehmen als Studienprojekt: Statt beim praktischen Teil des Önologiestudiums im Rahmen eines Betriebspraktikums nur einen Aspekt des Weinbaus kennenzulernen, suchte Daniel Olsson nach einem Weg, sich in den gesamten Prozess der Herstellung einzuarbeiten. Eigenhändig Wein zu produzieren, war die logische Lösung. „Was unsere Professoren darüber dachten? Die hielten uns für verrückt“, lachen die beiden.

Da war zunächst die Suche nach dem Ausgangsmaterial. Zwar werden in Schweden schon seit mehr als zehn Jahren Reben kultiviert, berichtet Daniel Olsson, aber „die Trauben entwickeln in unserem kühlen Klima nicht genug Zucker für den Weinausbau“, Klimawandel hin oder her.

„Wie ein Chefkoch“

- Anzeige -

Mobilität war seine Lösung. „Man muss sich das etwa so vorstellen wie der Chefkoch eines guten Restaurants, der des Morgens auf den Großmarkt geht und frisch einkauft, was ihm am besten gefällt. Genauso machen wir das mit den Trauben“, erklärt Olsson. Im Laufe der Jahre haben die beiden „gute Verbindungen zu Leuten aufgebaut, die erstklassige Trauben liefern“.

Einer davon ist Jochen Basler vom Zell-Weierbacher Weingut Pieper Basler. „Der Kontakt kam über Jürgen von der Mark aus Bad Bellingen zustande, der mit Jochen kooperiert“, erinnern sich Gabi und Daniel. Und während heuer Rieslingtrauben nach Schweden reisen, war es zwei Jahre vorher Spätburgunder, ebenfalls aus Zell-Weierbach, in anderen Jahren Grauburgunder aus Efringen-Kirchen oder die Sorten Tempranillo und Garnacha aus Spanien.

Auch bei der Ausrüstung ihres Weinkellers bewiesen Gabi und Daniel Improvisationstalent. Von einem aufgelösten Milchbetrieb stammt etwa der aus zweiter Hand günstig erworbene Edelstahltank der mobilen Traubenannahme, der alle Voraussetzungen erfüllt, um schon auf dem langen Weg durch halb Europa die Gärung exakt zu kontrollieren. „Wir sind am glücklichsten, wenn die Gärung erst am Ankunftsort losgeht“, sagen sie.

„So süffig wie daheim“

Der weitere Ausbau erfolgt übrigens weder in Edelstahl- noch in Holzfässern, sondern in Keramikbehältern. Das klingt zunächst ungewöhnlich, knüpft aber an eine bis ins Altertum reichende Tradition an, als Wein in Tongefäßen vergoren wurde. Fässer aus Keramik sind hygienischer, haben aber ganz ähnliche Eigenschaften wie Ton, etwa eine gewisse Luftdurchlässigkeit.

Bisher ist das kleine Unternehmen von Gabi und Daniel nur ein Studienprojekt, aber künftig könnte auch eine Geschäftsidee daraus werden. Vielleicht wundern sich künftige Skandinavienurlauber, die nahe Stockholm neben dem landestypischen „Sprit“ auch original schwedischen „Vin“ verkosten: „Mensch, der schmeckt ja genauso süffig wie daheim in der Ortenau!“

Weitere Artikel aus der Kategorie: Offenburg

vor 3 Stunden
"Es weihnachtet sehr" (2)
Selbstgemachtes gehört zur Weihnachtszeit einfach dazu. Beate Bleyer-Hansert und Martina Lammel präsentieren daher einfache und schöne Kreativtipps. So wird der Weihnachtsbaum zu einem echten Hingucker. 
Seite Ende Mai ist die Lange Straße 24 mit monströsen Stützgerüsten vor dem Einsturz gesichert und zieht die Blicke auf sich. Ein Kontrolleur der Berufsgenossenschaft Bau hatte nach einer Baustellenbesichtigung Alarm geschlagen und die Stadt daraufhin die Maßnahme veranlasst.
vor 4 Stunden
Seit Ende Mai zum "Blickfang" geworden
Seit Monaten wird das Haus Lange Straße 24 in der Offenburger Innenstadt mit monströsen Stützen gesichert, weil die Stadt nach unsachgemäßen Bauarbeiten die Gefahr sah, dass das Gebäude einstürzen könnte. Jetzt erklärt das THW, wann die Stützen wegkommen.
Setzten den ersten Spatenstich für 26 neue Wohnungen (von links): Bauleiter Marco Zier (Rendler Bau), Statiker Jürgen Oelschlegel (Offenburg), Tim Krämer (Krämer-Architekten Offenburg), Oberbürgermeister Marco Steffens, Carsten Sandau (Energieberatung Offenburg), Markus Kohler (Geschäftsführer Offenburger Baugenossenschaft), Markus Huber (Rendler Bau Offenburg) und Karl-Heinz Eckele (Aufsichtsratsvorsitzender Offenburger Baugenossenschaft).
vor 5 Stunden
6,5-Millionen-Euro-Projekt
Spatenstich für ein 6,5-Millionen-Euro-Projekt: Die Offenburger Baugenossenschaft erstellt einen neuen Gebäudekomplex mit 26 Mietwohnungen. Fertigstellung soll im Sommer 2024 sein.
Im Rahmen einer zweistündigen Veranstaltung haben Präses Michael Spath und Mitglieder der Kolpingsfamilie Weingarten/Zell-Weierbach die Situation der Katholischen Kirche seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil betrachtet und diskutiert.
vor 6 Stunden
Offenburg - Zell-Weierbach
Auch kritische Töne gab es bei einer Diskussion der Kolpingsfamilie Zell-Weierbach zum Zweiten Vatikanischen Konzil zu hören.
Gerhard Vetterle ist am Montag nach schwerer Krankheit gestorben. 
vor 7 Stunden
Offenburg
Gerhard Vetterle ist am Montag im Alter von 79 Jahren gestorben. Als Pfarrer und Dekan leitete er die Geschicke im Bereich Lahr. Zur Ruhe setzte er sich dann aber in Offenburg.
Ortsvorsteher Christian Dumin (von links) und Jonas Armbruster als Nikolaus freuen sich über die Unterstützung durch Martina Rauber. 
vor 8 Stunden
Nikolausbrauch
In Unterentersbach ist alles fürs "Klausern" vorbereitet. Auch der Stab für den Nikolaus hat wieder die richtige Länge, 30 Ruten wurden gebunden – eins hinter die Ohren gibt's damit aber nicht mehr.
Die Skizze zeigt wie das geplante Denkmals an der Hauptstraße in Ortenberg aussehen soll. 
vor 11 Stunden
Ortenberg
Das Kunstwerk „S´Fanni mit dˋr Schees“ in der neuen Dorfmitte von Ortenberg soll mit einer Spendenaktion finanziert werden. Bürgermeister Vollmer startete die Aktion bei der Einwohnerversammlung.
Karl Küderle und Klemens Serrer beeindruckten mit ihrem Gastgeschenk Prinz Gabri „de getapte Boezenier" und seine Hofdamen.
vor 11 Stunden
Freundschaft unter Zünften
Der Krabbenaze-Ehrenpräsident Karl Küderle besuchte die befreundete Zunft "Kraonige Zwaone“ im niederländischen Huissen.
Der Vorsitzende der Heimatfreunde Zunsweier Gerhard Bau (Mitte) verabschiedete Albrecht Buss (rechts) und Werner Braun aus der Arbeitsgruppe des Vereins.
vor 14 Stunden
Abschied aus der Arbeitsgruppe
Albrecht Buss und Werner Braun sind aus der Arbeitsgruppe der Heimatfreunde Zunsweier verabschiedet worden - stehen aber parat, sollte es eng wird.
Ehrungen (von links): Vorstand Verwaltung Sascha Roth, Vorstand Marketing Joachim Gütle, Jubilare Arnold Männle (60 Jahre Mitglied), Gerhard Volk (65), Guido Gütle (65), Peter Huber (65), Vorstand Jugend Marco Geiler 
vor 17 Stunden
Durbach
In der fünften Hauptversammlung des Sportclub Durbachtal standen unter anderem Wahlen auf der Agenda. Zudem gab es Infos zum Sporthausbau.
Ehrung (von links): Bürgermeister Markus Vollmer, Thomas Lange (25 Blutspenden), Günther Preis (zehn Blutspenden) und Sonja Beick vom DRK-Blutspendedienst Offenburg.
vor 19 Stunden
Ortenberg
Mehrmalige Blutspender wurden in Ortenberg geehrt. In den Jahren 2020 und 2021 war dies öffentlich wegen Corona nicht möglich gewesen.
Die Krippenfreunde erklären Interessierten Details der im Alten Schulhaus ausgestellten Krippen.
vor 19 Stunden
In der Alten Schule in Waltersweier
Waltersweier: Die Krippenausstellung in der Alten Schule läuft noch bis zum 6. Januar. Bei der Eröffnung waren schon zahlreiche interessierte Besucher vor Ort.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Autohaus Allgeier – seit 40 Jahren ein zuverlässiger Partner in Biberach.
    30.11.2022
    Beim Autohaus Allgeier in Biberach steht zum 1. Dezember ein Generationenwechsel an: Joachim Allgeier (66) geht in Ruhestand, Verkaufsleiter Frank Welte wird neuer Geschäftsführer, Theresa Allgeier erhält Prokura und rückt in die Geschäftsleitung auf.
  • Der Hauptstandort in Rheinau-Linx.
    26.11.2022
    Traditionsunternehmen in Rheinau-Linx braucht Verstärkung
    Seit 1960 führend am Fertighaus-Markt, ist der Slogan - Du verdienst mehr - kein leeres Versprechen: Wer Mitglied im Mitarbeiter-Team wird, kann mit kollegialer Atmosphäre, fairen Bedingungen und vielen Extras rechnen.
  • Burger nach amerikanischem Vorbild stehen ebenfalls auf der Karte - in vielen Varianten.
    25.11.2022
    Pizza, Burger, Pasta, Musikevents und noch viel mehr
    Gemütliches Ambiente, große Gastfreundschaft, Fußballspiele direkt vor der Tür, Musikevents und jede Menge Köstlichkeiten: Für das alles steht die OFV-Gaststätte "Zum Elfer" in Offenburg.
  • Am neuen Stammsitz in Gengenbach ist ein hochmodernes Logistikzentrum entstanden. Das Familienunternehmen bietet Berufserfahrenen und Berufseinsteigern beste Entwicklungsmöglichkeiten. 
    25.11.2022
    STREIT Service & Solution GmbH & Co. KG wächst weiter
    Büroeinrichtung, Bürotechnik, Bürobedarf und Logistik – das sind die Kernbereiche der STREIT Service & Solution GmbH & Co. KG mit Hauptsitz in Gengenbach. Das Familienunternehmen in dritter Generation expandiert weiter – und auch das Team soll wachsen.