Zell am Harmersbach

30 Millionen: Zells Haushalt schlägt erneut alle Rekorde

Autor: 
Dietmar Ruh
Lesezeit 4 Minuten
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19. Januar 2016

Die weitere Sanierung des Untertorgebäudes führt mit zwei Millionen Euro die Investitionsliste im Vermögenshaushalt an. ©Dietmar Ruh

Der Rekord, den der Haushalt von 2015 in Zell aufstellte, hielt gerade mal ein Jahr: Am Montag verabschiedete der Gemeinderat einen Etat für 2016, der mit rund 29,9 Millionen Euro nochmal rund 1,5 Millionen Euro höher ausfiel als sein Vorgänger.

»Mit rund 9,2 Millionen Euro ist auch der Vermögenshaushalt so hoch wie nie«, kommentierte Rechnungsamtsleiter Klaus Kammerer bei der Vorstellung des Zahlenwerks und hatte noch eine angenehme Überraschung für das Gremium in petto: Obwohl die Stadt für den Haushalt 2016 rund 3,6 Millionen aus der Rücklage entnimmt, wird die auch noch am Jahresende mit rund sechs Millionen Euro gut gefüllt sein. Das liegt unter anderem daran, dass Zell 2015 rund 8,3 Millionen Euro an Gewerbesteuer eingenommen hat; über drei Millionen mehr als geplant. »Dieser Überschuss ist aber einmalig und hat mit außergewöhnlichen Nachzahlungen zu tun«, dämpfte Kammerer eventuell aufkeimende Hoffnungen.
Auch Zells Bürgermeister Günter Pfundstein trat bei der Vorstellung des ersten Haushalts in seiner Amtszeit auf die Bremse: »Es ist wie beim Auto; gekauft ist der Wagen schnell, aber die Unterhaltung wird oft teuer«. Um den Verwaltungshaushalt (2016: rund 20,6 Millionen Euro) zu entlasten, soll künftig den Fixkosten zu Leibe gerückt werden, kündigte der Bürgermeister an. 2016 erwirtschaftet der Verwaltungshaushalt allerdings noch eine Zuführungsrate von rund 1,3 Millionen Euro.
Mahnende Worte kamen auch von den Fraktionen im Gemeinderat. Ludwig Schütze (SPD) nannte den Etat auf den ersten Blick »gesund«, auf den zweiten Blick aber auch »ehrgeizig«. »Wir sollten auf die Euphoriebremse drücken, wenn der Bürgermeister vom Neubau einer Sporthalle spricht – das muss erst einmal hintenanstehen«.
Auch Hannes Grafmüller (CDU) erinnerte daran, dass die Aufstellung der künftigen Haushalte durch die vielen Aufgaben nicht leichter werden. Die Gewerbe- und Einkommenssteuer-Einnahmen würden belegen, dass Zell als Standort attraktiv sei.
 

Viele Aufgaben warten
Thomas Dreher von den Freien Wählern nannte den Haushalt »zufriedenstellend«, appellierte aber daran, sorgsam mit den Geldern umzugehen, da in den nächsten Jahren noch viele Aufgaben warten. Und er wies darauf hin, nicht nur zu bauen, sondern auch ein Stadtplanungs- und Verkehrskonzept im Auge zu behalten. 
Sybille Nock (Grüne Liste) erinnerte daran, dass die Stadt das Geld ihrer Bürger verwalte, betonte aber, dass eben dieses Geld für sinnvolle Dinge ausgegeben werde.
Am Ende segnete der Gemeinderat das Zahlenwerk einstimmig ab.

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Zuvor hatte Kämmerer Klaus Kammerer einmal mehr viel Lob der Fraktionen für seine präzise und schlüssige Darstellung des Zahlenwerks erhalten. Die auffälligsten Zahlen lieferte der Vermögenshaushalt, in dem auch die Investitionen verankert sind. In diesem Haushalt sind alleine rund 7,5 Millionen Euro für Baumaßnahmen veranschlage. »Der Vermögenshaushalt umfasst ingesamt 101 Investitionsmaßnahmen«, hatte Kammerer gezählt. 
Die größten Posten bilden dabei die Sanierung des Untertorgebäudes mit rund zwei Millionen Euro, die Fertigstellung der neuen Mensa, die mit rund 1,5 Millionen Euro veranschlagt ist sowie mit rund einer Million die Kosten für Grunderwerb, Abbruch und Entschädigungen im Sanierungsgebiet »Ortsdurchfahrt Unterharmersbach«. Die beiden Neubaugebiete »Unterer Hillig III« sowie »Ziegelfeld IV« folgen mit jeweils rund einer halben Million Euro. Mit 250 000 Euro taucht auch der Rundofen auf; hier sind 2016 Planungskosten und Baubeginn aufgeführt.

Im Haushalt 2016 ist auch eine Kreditermächtigung von einer Million Euro enthalten. Ob sie gebraucht wird, steht bis dato noch nicht fest. Wenn der Kredit aufgenommen wird, würde sich dadurch der Schuldenstand der Stadt auf rund 5,1 Millionen Euro erhöhen. Da der Rücklagenbestand sich knapp unter sechs Millionen Euro bewegt, hebt sich das theoretisch auf. 
»Eigentlich sind wir sozusagen schuldenfrei«, schmunzelte Kammerer. Um hinzuzufügen, dass durch weitere Investitionen, höhere Umlagen und weniger Schlüsselzuweisungen nach wenigen Jahren von der Rücklage nicht mehr viel übrig sein dürfte.

Hintergrund

Haushaltsplan 2016 Stadt Zell

Gesamtvolumen:
29,9 Mio. Euro

Verwaltungshaushalt:
20,6 Mio. Euro
Vermögenshaushalt:
9,2 Mio. Euro
Gepl. Kreditaufnahme:
1 Mio. Euro
Schulden zum 1. Januar 2016: 4,5 Mio. Euro
Steuerhebesätze:
Grundsteuer A + B, Gewerbesteuer: 350 v. H.

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