Bernd Rottenecker informierte über jüdisches Leben

Zeugnisse einer reichen Kultur

Hans Weide
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04. September 2018

Bernd Rottenecker mit Teilnehmern am Ausgangspunkt des Rundgangs beim Gedenkstein nahe des Rathauses. ©Hans Weide

Rund ein Drittel der Einwohner von Diersburg waren Juden – das erfuhren die Teilnehmer am Sonntag beim Tag der jüdischen Kultur bei einem Rundgang.

Seit 1999 findet in 30 Staaten Europas am ersten Sonntag im September der »Tag der jüdischen Kultur« statt. Dieser Tag dient dazu, das Judentum, seine Geschichte, Traditionen und Bräuche in der Vergangenheit und Gegenwart besser kennenzulernen. Dazu fanden am Sonntag auch in vielen Kommunen im Ortenaukreis wieder Führungen zu den Orten statt, die an das ehemalige jüdische Leben in der jeweiligen Gemeinde erinnern.

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Profunder Kenner

In Diersburg hatte das Bernd Rottenecker aus Hofweier übernommen, ein profunder Kenner des jüdischen Lebens in der Region. Gut 40 Personen hatten sich dazu am Gedenkstein neben dem Rathaus eingefunden.
Vor dem Rundgang informierte Rottenecker über die Geschichte des Gedenksteins. Man habe die jüdische Geschichte Diersburgs bis 1995 vernachlässigt. 
Deshalb haben sich zu diesem Zeitpunkt fünf Personen, zu denen auch der Pfarrer der evangelischen Gemeinde, Igor Lindner, gehörte, zusammengefunden, um die jüdische Geschichte der Gemeinde aufzuarbeiten. Dazu gehörte die Aufstellung eines Gedenksteins neben dem Rathaus, anlässlich des Holocaustgedenktages am 27. Januar 2015 in Anwesenheit des letzten in Diersburg geborenen Juden, Arnold Lederer. Er wurde von den Konfirmanden des Jahrgangs geschaffen und zeigt jüdische, katholische und evangelische Symbole. Diese Darstellung erinnert unter anderem daran, dass in Diersburg vor der Zeit des Nationalsozialismus jeweils ein Drittel dieser Glaubensrichtungen friedlich zusammengelebt haben. 
Neben dem Gedenkstein und auf dem Friedhof befindet sich jeweils eine Gedenktafel, die gleichfalls daran erinnern. 
Beim anschließenden Rundgang zeigte Rottenecker den Teilnehmern nicht nur die Orte und Gebäude, die an ehemaliges jüdisches Leben in Diersburg erinnern, sondern vermittelte auch Informationen über Familien und ihre Geschichte. Das ging vom Kriegerdenkmal neben der katholischen Kirche, auf dem die Namen von sieben jüdischen Mitbürgern stehen, die im Ersten Weltkrieg gefallen sind, über die Strittmatt, wo früher die jüdische Schule war, dem Badischen Hof, der einst jüdische Gasthaus in Diersburg war, bis hin an den Ort, an dem die ehemalige 1938 in der Reichspogromnacht zerstörte Synagoge stand.  Neben der Synagoge befand sich das jüdische Ritualbad, Mikwe genannt, ein weiteres Zeugnis für ein aktives jüdisches Leben. Beide Häuser sind heute nicht mehr zu erkennen, denn sie werden anderweitig genutzt. 
Im Rahmen von Besichtigungen von Geburts- und ehemaligen Wohnhäusern von Diersburger Juden, erfuhren die Teilnehmer viele Details über die Geschichte ihrer ehemaligen Bewohner.
Die Führung endete auf dem jüdischen Friedhof in der Bachstraße, der einer von 142 jüdischen Friedhöfen in Baden-Württemberg ist. Dazu berichtete Rottenecker, dass es bereits seit 1773 eine jüdische Begräbnisstätte in Diersburg gibt, was ein Grabstein mit diesem Datum ausweist. Zuvor begruben die Juden ihre Verstorbenen auf dem Schmieheimer Verbandsfriedhof. Die letzte Beerdigung fand im Jahre 1934 statt. Seit 1953 befindet sich der Friedhof im Besitz der israelischen Religionsgemeinschaft Baden.
Zu der Veranstaltung hatte der Historische Verein und Heimatverein Hohberg eingeladen.

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