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Offenburg

Zum Freiheitstag: Die Freiheit aus vollen Kehlen besungen

»Querbeet-Singen« lockte über 250 Personen in den Salmen
13. September 2017
&copy Ulrich Marx

Das Querbeet-Singen zum Thema »Lieder für Freiheit und Demokratie« im Salmen zog weit mehr Interessierte an als erwartet: Über 250 Sanges- und Freiheitsfreunde kamen zu der von Mechthild Fuchs und Stefan Böhm initiierten Veranstaltung. Das »Heckerlied« und »Gefangenchor«, erwiesen sich als heimliche Hymnen.
 

Das erste freie »Querbeet-Singen-Spezial« erwies sich als Veranstaltungshit: Der Einladung der beiden Initiatoren Mechthild Fuchs und Stefan Böhm folgten am Montagabend über 250 Besucher in den Salmen. Mehrmals mussten die vorhandenen Sitzreihen um weitere Stühle ergänzt werden, um sämtlichen Sängerinnen und Sängern einen Sitzplatz bieten zu können. 

Die Spezial-Ausgabe des »Querbeet-Singens« widmete sich Liedern über Freiheit und Demokratie – eben passend zum einstigen Veranstaltungsort, an dem fast auf den Tag genau vor 170 Jahren die »Offenburger Forderungen« verkündet wurden. 160 frischgedruckte Textbücher mit rund 200 Liedtexten lagen für die Sänger bereit; sie waren natürlich schnell vergriffen. »Schauen sie einfach beim Nachbarn rein«, sagte Böhm bei seiner Begrüßung.

Der als Aufwärmer und Starter vorgesehene 20er-Jahre-Hit »Mein kleiner grüner Kaktus« brachte gleich die Stärke des gut 250 Stimmen starken Chores zur Geltung und hinterließ ein Strahlen in den Gesichtern der Akteure. »Ich weiß, dass einige Chorsänger unter ihnen sind, wenn sie zweite Stimme singen wollen, tun sie es einfach«, sagte Fuchs, die die Liedern auf dem Flügel begleitete, während der pensionierte Sonderpädagoge Böhm mit seiner Gitarre die gemeinsamen Lieder anstimmte. 
»Früher als Kind hasste ich die Volkslieder, die handelten nur von Tieren und menschlichen Beziehungen. Später beim genauen Betrachten der Texte stellte ich allerdings fest, dass es dabei auch um Selbstbestimmung geht«, leitete Fuchs in das aus dem 15. Jahrhundert stammende Volkslied »Es saß ein klein wild Vöglein« ein. Der Text war den meisten unbekannt, allerdings die Melodie für viele Sänger als gängig im Gedächtnis. 

Fuchs und Böhm boten nämlich keine bloße Aneinanderreihung von Liedern, sondern erzählten jeweils vor dem Singen die Geschichten und Anekdoten, die dahinter stecken. So sangen in den 1840er-Jahren unzufriedene Webergesellen, deren Lohn nicht mehr für die Bestreitung ihres Familienalltags ausreichte, ihr »Weberlied«. Die vor 180 Jahren im Land entstandenen Bürgervereine, die sich für mehr Freiheit und Selbstbestimmung einsetzten, texteten damals das vielen Anwesenden vom Freiheitsfest bekannte »Bürgerlied«. 

Nicht nur der Text, auch die Melodie zeigt bei »Das Blutgericht« Ausdruckskraft und hat auch heutzutage äußerst aktuelle Tendenzen. 
Vor 170 Jahren wurde in Offenburg bei Anwesenheit des Probanden Friedrich Hecker auch die Revolutionshymne, das Heckerlied, gesungen. Am Montag erklang das Lied nicht nur lautstark und durchaus aufführungsreif zweistimmig. 
Eine Hymne, nicht nur für Italien, sondern auch für die damalige Freiheitsbewegung, die über ganz Europa schwappte, ist der »Gefangenchor« aus der Oper »Nabucco«, welche die Offenburger Sänger wahlweise in Italienisch oder in deutscher Übersetzung singen konnten. 

Glückliche Gesichter

Ob Kulturchefin Carmen Lötsch, der pensionierte evangelische Dekan Manfred Wahl oder Offenburgs erster Streetworker Egon Ketterer – allesamt waren sie beim »Querbeet-Singen« voll bei der Sache, während der Offenburger Fotograf Wilfried Beege die glücklichen Gesichter der Sängerinnen und Sänger für seine nächste Ausstellung mit seiner digitalen Spiegelrefex Kamera in den Fokus nahm. 

Die Stimmung im Gesamtchor steigerte sich mit der amerikanischen Bürgerkriegshymne »John Browns Body«, oder besser bekannt als »Glory Halleluja« und natürlich bei »Die Gedanken sind frei«. 
Zwei Stunden konzentriertes, unterhaltsames und abwechslungsreiches gemeinsames Singen, das war ein weit besseres Freizeitvergnügen als zuhause vor dem Smart-TV den Abend zu verbringen. 

Autor:
Volker Gegg

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