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Offenburg

Weinbautag in Offenburg: Winzer fordern Abbau von Bürokratie

3000 Euro für den Hektar Steillage
20. März 2017
&copy Ulrich Marx&copy Ulrich Marx

Der Weinbautag in der Messe Offenburg hat mehrere Funktionen: Er ist Gradmesser für die Branche und Plattform für den Austausch, aber es werden auch Forderungen gestellt. So gaben die Winzer ihren Abgeordneten von Bund und Land einige Aufgaben mit – sie wollen weniger erschwerende Bürokratie. 

Steigender Wettbewerbsdruck, Strukturwandel und wachsende Bürokratie – in diesem Spannungsfeld bewegen sich die Ortenauer Winzer. Das wurde beim Badischen Weinbautag nicht nur in der Mitgliederversammlung klar, sondern auch in den Fachvorträgen.

Peter Hauk, CDU-Minister für Ländlichen Raum, informierte über den Stand der Weinbaupolitik in Baden-Württemberg. Seit 2008 werde das Struktur- und Qualitätsprogramm Weinbau angeboten. Arrondiert werde es durch zwei EU-Förderprogramme, die notwendige Investitionen sowie zukunftsfähige Umstrukturierungen mit jährlich zehn Millionen Euro im Weinland Baden fördern. »Seither sind 75 Millionen Euro abgerufen worden. Das Förderprogramm läuft bis 2020«, erläuterte Hauk. 

Neue Förderung

Weiterhin würden vom Land Rebflurneuordnungen gefördert. »Aber nicht alle Lagen können flurbereinigt werden«, stellte er fest. Besonders Steillagen, die von Hand bearbeitet werden müssen. Diese seien aber landschaftsprägend und sollen mit 3000 Euro pro Hektar gefördert werden.
 
Dass sich die Winzer um die Vermarktung ihrer Tropfen kümmern müssen, zeigte Peter Wohlfahrt, Geschäftsführer des Badischen Weinbauverbands auf. Der Export Badischer Weine gehe seit Jahren zurück, der Inlandsverbrauch stagniere. »Untersuchungen zeigen, dass gerade der Inlandsmarkt noch intensiver bearbeitet werden muss«, betonte Hauk, deshalb wolle das Land ab kommendem Jahr die von der EU angebotene »Absatzförderung Binnenmarkt« in Anspruch nehmen. 

Gegen Liberalisierung

Der Minister für Ländlichen Raum wandte sich vehement gegen die vollständige Liberalisierung des Rebanbaus. »Eine Liberalisierung hätte zu erheblichen Überproduktionen und einem zwangsläufigen Preisverfall geführt«, betonte er. 

Der Vorsitzende des Badischen Weinbauverbands, Kilian Schneider, blickte auf die Arbeit im Verband. Mit dem Maßnahmenkatalog gegen die Kirschessigfliege war er zufrieden. »Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht«, berichtete er. Falls der Schädling wieder vermehrt auftauche, müssten nur noch die Maßnahmen abgearbeitet werden. 

Schneider bedauerte die stetig zunehmenden Vorschriften, die gerade Bio-Winzer das Leben extrem erschwerten. Einen Antrag für Neuanlagen zu stellen, mache fast eine Ausbildung als Vermessungstechniker nötig, die Flächen müssten vier Stellen hinter dem Komma benannt werden. 

Mit Freude hörten die Ortenauer Winzer eine Nachricht aus Stuttgart: Die Diskussion rund um den Pfand auf Weinflaschen sei endgültig vom Tisch, gab Elvira Drobinski-Weiß (SPD) bekannt. 

Autor:
Volker Gegg

Hintergrund

Der Verband

Derzeit hat der Badische Weinbauverband 456 Mitglieder, davon 81 Winzergenossenschaften und 346 Weingüter. 16 513 Einzelmitglieder sind in einer Winzergenossenschaft, rund ein Drittel weniger als noch vor 20 Jahren wie Geschäftsführer Peter Wohlfahrt betonte. Mit 15 478 Hektar ist die Rebfläche gegenüber 2016 in Baden nahezu konstant geblieben.