Ortenau

4,5 Prozent mehr „Hartz IV“-Empfänger im Mai in der Ortenau

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red/ba/js
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03. Juni 2020
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©dpa - Ralf Hirschberger/zb/dpa

Die Corona-Krise zeigt sich in den aktuellen Zahlen der Kommunalen Arbeitsförderung für Mai: 336 mehr Haushalte als im Vormonat beziehen nun „Hartz IV“-Leistungen. Zugleich ist die Zahl der Arbeitslosen um 5,6 Prozent angestiegen.

Die Auswirkungen der Corona-Krise lassen die Zahl der Arbeitslosen in der Ortenau auf 9801 steigen. Momentan sind damit 3,8 Prozent der Menschen ohne Arbeit und damit ein Prozentpunkt mehr als noch vor einem Jahr. Im Vergleich zum Vormonat stieg die Quote um 0,2 Prozentpunkte. 

Positive Seiten

Horst Sahrbacher, der Chef der Arbeitsagentur, versucht der Entwicklung ihre positiven Seiten abzugewinnen. „Erfreulicherweise haben sich im Monat Mai deutlich weniger Menschen arbeitslos gemeldet als im April.“ Es hätten aber auch im Vergleich zum Vorjahr deutlich weniger Menschen ihre Arbeitslosigkeit beendet. Sahrbacher führt das darauf zurück, dass die Saisonbeschäftigung in Hotels, Gaststätten und im Freizeitbereich, die schrittweise eingesetzt hat, noch nicht in den aktuellen Zahlen abgebildet wird.

Bei der Arbeitsagentur meldeten sich in den vergangenen vier Wochen 1299 Personen neu oder erneut arbeitslos, das waren 173 Personen mehr als vor einem Jahr, allerdings 518 Arbeitslosmeldungen weniger als im Vormonat, heißt es weiter. Gleichzeitig hätten 836 Männer und Frauen ihre Arbeitslosigkeit beendet, 84 weniger als im Vormonat. Zum Vergleich: Im Mai 2019 konnten 1174 Personen ihre Arbeitslosigkeit beenden.

Arbeitsplätze erhalten

4535 Betriebe haben laut dem Geschäftsführer seit Beginn der Corona-Krise Kurzarbeit angemeldet, um damit die durch die Pandemie hervorgerufenen Probleme zu bewältigen und Arbeitsplätze zu erhalten. Mehr als ein Drittel aller Betriebe in der Ortenau, die mindestens einen Arbeitnehmer beschäftigen, nutzen damit Kurzarbeit. 

Gegenüber April hat im Ortenaukreis die Zahl der Betriebe, die Kurzarbeit nutzen, um 551 zugenommen. Somit haben seit Beginn der Pandemie bis zum 14. Mai 2020 4535 Betriebe Kurzarbeit für 66 965 betroffene Arbeitnehmer angezeigt, schreibt die Arbeitsagentur. Im Vormonat waren es 3984 Unternehmen mit 57 760 Arbeitnehmern. Wie hoch die Zahl der Arbeitnehmer sein wird, die tatsächlich auf Kurzarbeitergeld angewiesen sein werden, werde sich erst dann abzeichnen, wenn die Betriebe ihre Abrechnungen bei der Arbeitsagentur eingereicht haben.

Nachlassende Personalnachfrage

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Immerhin: Die Nachfrage nach Arbeitsstellen habe im Mai wieder angezogen. Allerdings führten konjunkturelle und strukturelle Veränderungen schon vor der Corona-Krise zu einer nachlassenden Personalnachfrage, was durch die Pandemie nun noch verstärkt wird, sagt Horst Sahrbacher.  

Besonders stark angestiegen ist naturgemäß die Zahl der Arbeitslosengeld-Bezieher. Diese Leistung wird in den ersten Monaten nach dem Verlust einer Arbeitsstelle ausbezahlt. Von der Arbeitsagentur wurden nach eigenen Angaben im Mai 5842 arbeitslose Menschen betreut, das sind 433 Personen mehr als im Vormonat. Deutlich zugenommen hat die Arbeitslosenzahl gegenüber dem Vorjahresmonat mit einer Erhöhung um 2598 Personen.

Deutliche Zunahme

Aber auch die Fallzahlen der Kommunalen Arbeitsförderung (KOA), die sich vor allem um Hartz-IV-Empfänger kümmert, sind nach eigenen Angaben im Mai noch mal deutlich angestiegen. So beziehen aktuell 7862 Familien beziehungsweise Haushalte Hartz-IV-Leistungen. Dies seien 336 mehr als im Vormonat, was einer Zunahme von 4,5 Prozent entspricht. Die Zahl der Arbeitslosen ist zeitgleich um 5,6 Prozent angestiegen.
 „Dass die Fallzahlen der KOA nun den zweiten Monat in Folge deutlich angestiegen sind, ist in der derzeitigen, durch die Coronakrise geprägten Situation natürlich keine Überraschung“, kommentiert Armin Mittelstädt, der Leiter des Ortenauer Jobcenters, die aktuelle Entwicklung. Es sei nach wie vor eine große Zahl an Neuanträgen von Personen zu verzeichnen, deren Erwerbseinkommen sich vermindert haben oder durch Ruhen der Selbstständigkeit völlig weggebrochen sind, die keine oder nur geringe Versicherungsleistungen der Agentur für Arbeit beziehen können und daher SGBII-Leistungen beanspruchen. „Da wir dem Grunde nach coronabedingt sogar mit einem deutlich höheren Fallzahlanstieg gerechnet haben, bewerten wir die jüngste Entwicklung aber eher positiv“, ergänzt  Armin Mittelstädt.

Kommunale Arbeitsförderung

Im Mai sind die Fallzahlen der Kommunalen Arbeitsförderung Ortenaukreis (KOA) nochmals deutlich angestiegen, wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht.

So beziehen aktuell 7862 Haushalte die sogenannten „Hartz IV“-Leistungen. Das sind 336 mehr als im Vormonat, was einer Zunahme von 4,5 Prozent entspricht. Die Zahl der Arbeitslosen ist um 5,6 Prozent angestiegen, heißt es. Diese Zahlen stehen laut Mitteilung in Zusammenhang mit der Corona-Krise – weiterhin gebe es viele Neuanträge von Personen, deren Erwerbseinkommen sich vermindert haben oder völlig weggebrochen sind. Viele dieser Menschen können keine oder nur geringe Versicherungsleistungen der Agentur für Arbeit beziehen und fallen damit direkt in die  „Hartz IV“-Leistungen – darunter sind vor allem Selbständige.

„Da wir dem Grunde nach coronabedingt sogar mit einem deutlich höheren Fallzahlanstieg gerechnet haben, bewerten wir die jüngste Entwicklung aber eher positiv“, ergänzt Jobcenter-Leiter Armin Mittelstädt in der Mitteilung.

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