Knapp 350 Besucher

AfD-Wahlkampfauftakt: Redner äußern massiv Islamkritik

Autor: 
Antonia Höft
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
29. April 2017
Beim AfD-Bundestagswahlkampfauftakt waren am Donnerstagabend in Friesenheim knapp 350 Besucher.

(Bild 1/2) Beim AfD-Bundestagswahlkampfauftakt waren am Donnerstagabend in Friesenheim knapp 350 Besucher. ©Ulrich Marx

Der Bundestagswahlkampfauftakt der Alternative für Deutschland der südlichen Ortenau verlief am Donnerstagabend in Friesenheim ohne Zwischenfälle. Als Promi-Gast war AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen geladen.

»Es ist alles schlechter geworden als früher«, murmelt ein Besucher in der Friesenheimer Sternenberghalle am Donnerstagabend. Auf den Tischen liegen Wahlflyer und kleine Deutschlandflaggen – willkommen beim AfD-Bundestagswahlkampfauftakt der südlichen Ortenau. Der Mann wirkt frustriert. Die AfD scheint seine letzte Hoffnung zu sein. Und die von knapp 350 Besuchern. 

Keine Vorfälle 

Vor der Halle machen wenige Demonstranten auf sich aufmerksam – unter anderem die Antifa. Bei der Polizei waren an dem Abend mehr Beamte im Einsatz als bei Veranstaltungen anderer Parteien. Es habe aber keine Vorfälle gegeben, teilte die Polizei der Mittelbadischen Presse mit. 

Die AfD-Kandidaten Thomas Seitz (Emmendingen-Lahr), Taras Maygutiak (Offenburg), Martin Renner, AfD-Landessprecher aus Nordrhein-Westfalen, und AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen scheinen sich absprochen haben: Die vier Politiker wettern gegen den Islam, die Kirche, die sich dem Mainstream zugewandt habe und damit »geistige Brandstiftung« verübe, sie warnen vor der Genderideologie an Schulen, und appellieren, Grenzen zu schließen, um der illegalen Einwanderung entgegenzuwirken. »CETA, TTIP und die EU müssen wir abschaffen«, plädiert Maygutiak noch dazu. 

FDP als »Parteimatratze«

- Anzeige -

Darüber hinaus wird die FDP als »Parteimatratze« bezeichnet, Martin Schulz als »Spezialdemokrat«, der sich als EU-Parlamentspräsident zu viel selbst gegönnt habe, und die Grünen als »Bionade-Bourgeoisie«. Die AfD teilt wie erwartet kräftig aus – und bietet auch noch Überraschungsgäste. »Wir sind mit der russischen Sprache aufgewachsen, haben aber nicht vergessen, wer wir sind«, sagt Albert Breiniger, AfD-Beauftragter für Russlanddeutsche und Spätaussiedler in Rheinland-Pfalz. Er wolle Deutschland nicht aus der Hand geben. Doch wo steht die AfD nun, nach den internen Streitigkeiten beim Parteitag in Köln vor einer Woche? »Die AfD wird in der Opposition arbeiten«, gibt nicht nur Kandidat Thomas Seitz zu verstehen. Anders Frauke Petrys Vorstellungen: Sie scheiterte  beim Bundesparteitag daran, die AfD als regierungswillige Partei zu positionieren. Jörg Meuthen bezeichnete den »turbulenten« Parteitag sogar als konstruktiv. Eines ärgert ihn am Donnerstagabend besonders: die Islamisierung, die nicht nach Deutschland gehöre. »Unsere Frauen tragen, was sie wollen – und das ist sicher kein Kopftuch!«, sagt er energisch. Mit »Genau, so ist es!« bejubeln ihn vor allem männliche Besucher. 

Fragen der Besucher

»Multi-Kulti ist nicht bunt – Multi-Kulti ist Burka-schwarz«, kritsiert Martin Renner in seiner Rede. Seine Bedenken gehen sogar so weit, dass Deutschland sich in ein Dritte-Welt-Land entwickeln könnte. Die aktuellen Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank, die das »Global Finance Magazin« 2016 herausgegeben hat, sprechen dagegen. Darin liegt Deutschland auf Platz 18 der reichsten Nationen. 

Wie Deutschland nicht zu sein habe, zeigen die Redner zahlreich auf. Wie sie aber nun konkret mit den illegalen Einwanderern umgehen werden, will ein Besucher genauer wissen. »Viele schmeißen ihre Pässe weg, wie sollen diese Flüchtlinge so jemals wieder aus Deutschland gebracht werden?«, äußert er seine Sorgen. Für Jörg Meuthen liegt der »Kardinalfehler« bei den offenen Grenzen, und damit sei das Problem »wohl nie ganz zu bewältigen«. 

Geld für Flüchtlinge

Die deutsche Politik solle sich nun darauf konzentrieren, wen sie reinlasse. Martin Renners Vorschlag sei, den Flüchtlingen Geld zu zahlen:  »Die Bedingung wäre aber, dass sie gehen.« Einen älteren Herrn aus dem Publikum beschäftigt die Genderideologie. Er fragt die AfD-Politker, wie man dies wieder rückgängig machen könne. Der normale Biologieunterricht reiche doch. »Vier Parteien stehen dahinter – wir nicht«, antwortet der AfD-Bundessprecher nüchtern. 
»Wir sind keine Eintagsfliege«, betont der prominente  AfD-Bundessprecher am Ende seiner Rede. Lästig bleibt die AfD für die ein oder andere Partei gerade deswegen, aber auch umgekehrt – Wahlkampf eben. 

Weitere Artikel aus der Kategorie: Ortenau

Historischer Verein
vor 5 Stunden
Der Historische Verein Mittelbaden präsentierte bei der Hauptversammlung das aktuelle Jahrbuch. Sinkende Mitgliederzahlen sollen durch eine Beitragserhöhung abgefangen werden.
200 Euro Bargeld erbeutet
vor 5 Stunden
Die Bundespolizei hat einen 70-jährigen Bosnier am Offenburger Bahnhof festgenommen. Er wurde beim Taschendiebstahl im Zug erwischt. Schon im September 2018 soll er gestohlen haben und deswegen abgeschoben werden, nun soll er erneut in sein Heimatland zurückkehren. 
Eine Seilbahn zwischen Frankreich und dem Europa-Park soll den Verkehr entlasten. Die Umweltverbände wollen Alternativen zum Bauwerk durch den Taubergießen vorschlagen.
Ortenau
vor 6 Stunden
Reisen Europa-Park-Besucher künftig per Seilbahn an? Wenn es nach den Betreibern geht, könnte die Idee schon bald Wirklichkeit werden. Umweltschützer haben eine andere Sicht. 
Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, spricht während der Pressekonferenz der Landesregierung von Baden-Württemberg.
Rust/Stuttgart
vor 9 Stunden
Der Europa-Park möchte eine Seilbahn über den Rhein nach Frankreich bauen. Am Dienstag hat sich erstmals auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann zu den Plänen geäußert.
Ortenau
vor 11 Stunden
Weil es vermehrt Kundenbeschwerden über unseriöse Anrufe erhalten hatte, warnt der Energieversorger Süwag vor Telefonbetrüger. Für menschen, die bereits auf den Betrug hereingefallen sind, gibt es aber noch Hoffnung.
Ortenau
vor 16 Stunden
Wie sieht aktuell der Ortenauer Ausbildungsmarkt aus? Diese Frage beantworteten gestern die Offenburger Agentur für Arbeit gemeinsam mit Vertretern der Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein sowie der Handwerkskammer Freiburg bei einer Pressekonferenz. 
Ortenau
12.11.2018
Die Südwestdeutsche Landesverkehrs-AG (SWEG) errichtet in Offenburg ein Instandhaltungswerk für Elektro-Triebfahrzeuge. Freiburgs Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer überreichte gestern unter anderem SWEG-Aufsichtsrat Uwe Lahl den Plangenehmigungsbescheid. 
Landgericht Offenburg
12.11.2018
Im Prozess um die Altenpflegerin aus Kehl wurde gestern das Urteil gesprochen. Die Angeklagte wurde wegen versuchten Mordes zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten verurteilt.   
Ortenau
12.11.2018
Für viele war die Hochzeitsmesse »Ja, ich will« am vergangenen Wochenende ein Herantasten an ein romantisches Thema: Vor allem Bräute, die 2020 heiraten wollen, befassten sich schon mit der Kleiderfrage. Aber auch alles andere für den großen Tag wurde angeboten.
Fünf Jahre und sechs Monate
12.11.2018
Einer Frau werden in einem Seniorenheim 40 Euro gestohlen. Ertappt wird eine Altenpflegerin. Um den Diebstahl zu vertuschen, soll diese versucht haben, die Seniorin zu ermorden. Sie hat gestanden. Vor dem Landgericht Offenburg wurde sie nun zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten...
Ortenau
12.11.2018
Wer aktuell Auto fährt weiß –  Benzin und Diesel sind so teuer, wie schon lange nicht mehr. Durch den Niedrigpegel im Rhein können Tanklager nicht ausreichend befüllt werden. Der Transport wird deshalb auf die Straßen verlagert. Das ist jedoch zeit- und kostenintensiv.
Ortenau
12.11.2018
Wer viel Geld zur Bank bringt, muss derzeit Negativzinsen zahlen. Das gilt auch für Landkreise. Der Steuerzahlerbund kritisiert das. Aus seiner Sicht wäre das Geld anderswo besser angelegt.