Ortenau

Aktive Unterstützung bei der Arbeitssuche

Autor: 
Alexander Dinkhoff
Lesezeit 3 Minuten
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01. August 2013

(Bild 1/2) ©Ulrich Marx

Im Januar startete die Kommunale Arbeitsförderung Ortenaukreis (KOA) mit der Jobakademie ein bisher nicht dagewesenes Projekt. Das Prinzip: Aktive Unterstützung bei der Arbeitssuche statt »Regelbetrieb« und Bezug von Arbeitslosengeld II. Die erste Bilanz fällt vielversprechend aus.

Offenburg. Heinz* ist der Prototyp eines Mannes, der sein ganzes Leben lang gearbeitet hat; ein Malocher aus dem Bilderbuch, stämmig,  mit Händen wie Bratpfannen. Und der 62-Jährige hat sie natürlich drauf, die Geschichten von früher, aus der guten alten Zeit, in der vielleicht nicht alles besser war – aber zumindest vieles anders. »Eines meiner Bewerbungsgespräche«, sagt er, »bestand lediglich aus einem ganz simplen Test: Der Chef fragte, was ich trinken wolle – Wasser oder Schnaps.« Heinz entschied sich fürs Wasser. Er bekam den Job.

37 Jahre hielt Heinz dem Gengenbacher Unternehmen die Treue, war im Lager für den Versand und das Beladen der Lkw zuständig. Doch dann war plötzlich Schluss: Die Firma ging pleite, Heinz wurde auf die Straße gesetzt.

Zeiten ändern sich

Neben der Enttäuschung drehten sich die Gedanken des Kinzigtälers unweigerlich ums eigene Alter. Wer stellt Männer wie ihn ein, gibt ihm vor jungem Nachwuchs den Vorzug? Schnell wurde auch klar: »Heute brauchst du nirgendwo mehr mit einem handgeschriebenen Lebenslauf auftauchen.« Was einst Pflicht war, wandert heutzutage ungelesen in die Tonne. Vieles hat sich geändert in den 37 Jahren.

Dann wird Heinz von der KOA der Jobakademie zugeführt. Ein Pilotprojekt der Arbeitsförderung, zunächst beschränkt auf Offenburg. Die Idee ist nicht neu, in den Niederlanden ist der Grundansatz schon lange Routine, auch Hessen hat mit vergleichbaren Projekten gute Erfahrungen gemacht. Michael Becher (36) von der Arbeitsförderung, er ist Projektleiter der Jobakademie, sagt: »Bei uns können die Menschen in angenehmer Atmosphäre an einem eigenen Arbeitsplatz Jobangebote recherchieren und Bewerbungen schreiben.« Die nötigen Office-Anwendungen fürs Bewerbungsschreiben, Papier, Bewerbungsmappen, Drucker, Umschläge, Briefmarken – alles ist da. Dazu immer zwei speziell geschulte Angestellte, die bei jeder Frage zur Stelle sind.

Jeder hat 32 Anläufe

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32 Pflichttermine hat ein Jobakademie-Teilnehmer zu absolvieren – »bereits nach 18 hat’s bei mir geknallt«, erzählt Heinz. Er hat wieder einen Job, in Vollzeit, als Granulatauffüller in Haslach. Sein neuer Arbeitgeber, sagt er, hat ihn ihm nicht den 62-Jährigen auf der Ausfahrt zum Ruhestand gesehen, sondern den Arbeiter mit großem Erfahrungsschatz.

Ohne die Jobakademie wäre es wohl nicht so gut gelaufen, da legt Heinz sich fest. Allein die technische Hürde im Umgang mit dem PC wäre für ihn wohl zu hoch gewesen. Daher rät er jedem, die Chancen der Jobakademie zu nutzen. Er jedenfalls ist froh, wieder anpacken zu können. Malocher halt.

 

*Name von der Redaktion geändert

 

Hintergrund: Akademien auch in Lahr und Kehl?

Bisher ist das Pilotprojekt auf einige Offenburger Stadtteile beschränkt. Aufgrund der guten Erfahrungen – von bisher 130 Teilnehmern konnten 34 in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden – denkt man bei der KOA aber über eine Ausweitung des Projekts auf Lahr und Kehl im kommenden Jahr nach. Einzelheiten wie Finanzierung, Räumlichkeiten und Personalplanung seien natürlich noch zu klären, heißt es vonseiten der Arbeitsförderung.

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