"Creative Learning Area"

Am Campus Gengenbach wird über neue Lernmethoden geforscht

Autor: 
Bettina Kühne
Lesezeit 3 Minuten
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05. Dezember 2017

Jeder kann sitzen, wo er will: Professor Bernhard Denne (links) erforscht am Campus Gengenbach, wie eine anders gestaltete Umgebung den Lernerfolg beeinflusst. Dazu soll es nun eine Studie geben. ©Ulrich Marx

Am Campus Gengenbach der Offenburger Hochschule wurde ein etwas anderer Vorlesungssaal eröffnet: Unter dem Titel »Creative Learning Area«, kurz Clear, soll erforscht werden, wie viel erfolgreicher Studierende in einem individuell gestalteten Raum lernen.

Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann«, heißt ein bekannter Spruch von Francis Picabia. Am Gengenbacher Campus der Offenburger Hochschule erforscht Bernhard Denne, ob auch entsprechend gestaltete Räume frische Impulse geben können – zum Lehren, zum Lernen, für bessere Noten. Ganz einfach sei es allerdings nicht, dies herauszufinden, räumt der Professor für technischen Vertrieb, Innovationsmanagement und Produktionssysteme ein.

Doch zunächst zur Basis:  Was moderne Arbeitsweltkonzepte schon lange berücksichtigen, könnte ja nicht nur kreativere Lösungen bei der Arbeit fördern, sondern auch ein erfolgreicheres Lernen. Diese These hatte Bernhard Denne. Schon vor einiger Zeit hatte der Professor in den Räumen der ehemaligen Vorbeckschule ein Zimmer mit mehr Freiraum eingerichtet, in dem nicht die üblichen Bänke und Stühle standen. »Alle fühlen sich darin wohl«, erklärt er, weshalb er auf die Idee kam, das eine Nummer größer anzubieten – und den Effekt wissenschaftlich zu erforschen.

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In Kooperation mit Büro Streit entwickelte eine Studentin in ihrer Bachelorarbeit ein Konzept: Individualisierbare Sitzgelegenheiten bieten nun Sitzsäcke, runde Strickpoufs, Schaukelstühle und zwei Sofas mit extra hohen Lehnen. Die vier Zonen im Raum stehen für die Jahreszeiten, eine »grüne Wand« ist auch dabei.

Geeignet ist der Raum allerdings eher für kleinere Gruppen. Eine Vorlesung für 80 Personen wird weiterhin in einem normalen Hörsaal stattfinden, ist Denne sicher. Grundlagen lassen sich dort gut vermitteln. Aber mit bis zu 20 Studierenden ist der Lern- und Kreativraum ideal. »Sie spielen nicht mehr am Handy herum«, war Dennes erste Feststellung. Die Ablenkung ist kleiner, die Konzentration höher. »Ich bin nicht mehr an einem Pult gefangen, sondern kann jederzeit bei jemandem am Platz stehen«, erklärt der Professor. Deshalb sei die Aufmerksamkeit höher.
Das sind erste Beobachtungen, aber Denne will gründlich erforschen, warum Studierende über den Raum »Clear« sagen: »Ich lerne hier mehr.« Nun sollen Studierende und Dozenten befragt werden. Es geht Denne um »harte Fakten«, die allerdings schwieriger zu erfahren sind als emotionale Faktoren.

»Der Effekt kann sich abnutzen«, weiß Denne. Deshalb war es für ihn ein wichtiges Kriterium, dass die Möbel ihrem Namen Ehre machen und mobil bleiben. Die Sitzkissen können da- oder dorthin, die Paletten kann man anders aufstapeln, die grünen Sofas ebenfalls in unterschiedliche Positionen rücken. Der Raum kann von den Dozenten gebucht werden, steht aber auch den Studierenden für ihre eigenen Lerngruppen offen. Denne ist es wichtig, dass er nicht abgeschlossen wird: »Eine Vertrauensbasis und Wertschätzung sind Teil des Konzepts.« Die etwas andere Einrichtung scheint auch zu verhindern, dass irgendetwas zerstört oder vermüllt wird: Außer ein paar Krümeln von einem Pausenbrötchen war immer alles im Top-Zustand.

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