Leser helfen 2014

Amelie muss genügend trinken

Autor: 
Ursula Groß
Lesezeit 3 Minuten
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26. November 2014
Die Offenburger Familie Breuer (von links Vater Ekkehard, die Kinder Julius und Amelie und Mutter Annette, lebt ein normales Leben, trotz der Nierenkrankheit ihrer Tochter.

Die Offenburger Familie Breuer (von links Vater Ekkehard, die Kinder Julius und Amelie und Mutter Annette, lebt ein normales Leben, trotz der Nierenkrankheit ihrer Tochter. ©Ulrich Marx

Amelie (9) geht gerne in die Schule, singt im Chor, liest gerne, reitet und nimmt Ballettunterricht. Eine transplantierte Niere ermöglicht ihr das. Denn sie litt an akutem Nierenversagen.

Offenburg. Familie Breuer hatte sich zunächst etwas Bedenkzeit erbeten. Es sei einerseits nicht ganz einfach, die Krankheit ihrer Tochter Amelie (9) zu veröffentlichen, andererseits möchte die Offenburger Familie die Aktion »Leser helfen« nach Kräften unterstützen. Denn Amelie Breuer hat eine Nierentransplantation hinter sich, die Eltern möchten dem Kind, so gut es geht, ein unbefangenes Aufwachsen bewahren.

Bei unserem Besuch redet die Neunjährige freundlich und munter mit. Ja, sie habe Lieblingsfächer in der Schule, »Menuk (Mensch, Natur, Kultur) und Sport«, sagt sie. Das Kind bekam mit vier Jahren plötzliches Nierenversagen, schildert der Vater. Ekkehard und Annette Breuer erinnern sich noch einmal an die dramatischen Tage.

Amelie musste sofort mit einem Rettungswagen in die Universitätsklinik Freiburg gebracht werden. »Es war ein Schock für uns alle, zu erfahren, was dann zu erwarten war«, erklärte Ekkehard Breuer. Tägliche Dialyse und Warten auf eine Spender-Niere. Das Wann, Wie oder Überhaupt, zog sich über zwei Jahre hin. Was in solchen Fällen eine relativ kurze Wartezeit bedeute, wissen Breuers.

Die Nachricht kam am Gründonnerstag 2011 um 1.30 Uhr. Eine Spenderniere sei gefunden, man müsse sich sofort entscheiden. Amelie und Mutter wurden per Flugrettung aus der Reha in Österreich nach Freiburg transportiert, die Transplantation wurde erfolgreich durchgeführt. »Unser Kind hätte ohne Spenderorgan nicht überlebt«, so die Eltern, »wir sind außerordentlich dankbar, dass es solche Organspenden gibt«.

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Hilfe im Förderverein
Amelie war von der Nephrologie der Uni-Klinik »gelistet« worden, »Eurotransplant« vermittelte der Klinik eine passende Spender-Niere. Das gehe alles schon seinen gesetzlich vorgeschriebenen Gang, möchte Familie Breuer verbreitete Vorurteile über Organspenden korrigieren. Eine große Unterstützung sei ihnen bis heute der Freiburger Förderverein Verein »Hilfe für nierenkranke Kinder und Jugendliche«.

Nierenkranke Kinder hätten kaum eine Lobby, so Ekkehard Breuer. Daher wurde der Verein 1981 von betroffenen Eltern und Mitarbeitern der Uni-Klinik Freiburg gegründet. Doch auch nach der Transplantation ist das Mädchen Dauerpatient. Medikamente zur Unterdrückung der Immunabwehr, Untersuchungen, Behandlungen, sorgsame Überwachung von Flüssigkeitszufuhr und Ernährung bestimmen Amelies Rhythmus.  Und auf keinen Fall sollte sich Amelie erkälten.

»Über ihr Alter reif«
Die Drittklässlerin der Weingartenschule Zell-Weierbach aber wirkt verständig. »Unser Kind ist über sein Alter reif«, findet die Mama. Amelie liest ausgesprochen gerne, singt im Schul-Chor oder malt, aber sie reitet auch und nimmt Ballettunterricht. Viel zur Aufhellung der Stimmung trägt der kleine Julius (4) bei. Das pfiffige Kerlchen bringt seine Schwester oft zum Lachen.

Schön dekoriert ist die Wohnung zur Adventszeit. Eine ganz normale Familie genießt ihr Zusammensein. Und das ist auch so gewollt. Wieviel Disziplin und Fürsorge angesichts der schweren Krankheit eines ihrer Kinder dahinterstecken, ist nur zu erahnen.
Die Leser-helfen-Aktion, die um Spenden für ein mobiles Ultraschallgerät wirbt,  könnte auch Amelie große Vorteile bieten. Kein stundenlanges Warten mehr, keine Transporte durch Gänge und Aufzüge der Klinik, oft mit allen Geräten und Infusionsbäumen im Schlepptau. »Hat sie heute genug getrunken?«, überlegen die Eltern plötzlich. Das sei lebenswichtig.

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