Ortenau

Anreize statt Zwangsdienst

Autor: 
Rüdiger Klaus´mann
Lesezeit 4 Minuten
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19. November 2009
Foto: Archivfoto - Junge Menschen, die als Zivildienstleistende oder als Freiwillige im sozialen Jahr älteren Menschen in ihrem Alltag helfen, bleiben auch künftig begehrt. Umstritten ist, ob ein soziales Pflichtjahr ein Modell mit Zukunft ist.

Foto: Archivfoto - Junge Menschen, die als Zivildienstleistende oder als Freiwillige im sozialen Jahr älteren Menschen in ihrem Alltag helfen, bleiben auch künftig begehrt. Umstritten ist, ob ein soziales Pflichtjahr ein Modell mit Zukunft ist.

Die Einführung eines sozialen Pflichtjahres als Alternative zu Wehr- und Zivildienst ist nach Ansicht von Ortenauer Bundestagsabgeordneten derzeit kein Thema.
Offenburg. Männer müssen vom 1. Januar 2011 an nur noch ein halbes Jahr Wehrdienst leisten – so kurz wie noch nie. Die Konsequenzen dieses Regierungsbeschlusses für die Bundeswehr und den Zivildienst sind unter den Ortenauer Bundestagsabgeordneten heftig umstritten. Der Lahrer CDU-Bundestagsabgeodnete Peter Weiß (CDU) begrüßt die Verkürzung des Wehrdienstes von neun auf sechs Monate: »Durch diese Entscheidung erhalten wir ein höheres Maß an Wehrgerechtigkeit, weil jetzt insgesamt mehr junge Leute eingezogen werden.« Ob sechs Monate oder neun Monate – für Weiß ist dies nicht entscheidend: »Es geht einfach darum, dass man einen Dienst für die Allgemeinheit absolviert hat.« Dies sieht die Offenburger FDP-Abgeordnete Sibylle Laurischk anders. Sie hätte gerne die Wehrpflicht ganz abgeschafft, sie sagt aber auch: »Die sechs Monate sind ein Schritt in die richtige Richtung. « Die Offenburger SPD-Bundestagsabgeodnete Elvira Drobinski-Weiß kann diese Auffassung nicht teilen: »Was soll eine Ausbildung von sechs Monaten? Was kann man da schon vermitteln«, fragt sie rhetorisch. Noch deutlicher wird der Lahrer Bundestagsabgeordnete der Grünen, Alexander Bonde: »Die Verkürzung des Wehrdienstes auf sechs Monate ist die blödeste Variante, die es gibt.« Nach Ansicht des Wehrpflicht-Gegners Bonde wird damit nur Geld verschleudert: »Noch mehr Leute werden durch eine Ausbildung gejagt, die sicherheitspolitisch nicht relevant ist. Das ist nur teuer und bringt nichts.« Kindergeld als Anreiz Nach Ansicht von Bonde gibt es bessere Alternativen, als »Geld in Mammutbehörden mit zigtausend von Mitarbeitern zu stecken, die nichts anderes zu tun haben, als darauf zu achten, dass kein Mann der Musterung entgeht.« Bonde fordert deshalb eine Berufsarmee und die Abschaffung der Wehrpflicht. Dass damit auch automatisch der Zivildienst auf der Strecke bliebe, stellt für Bonde kein Problem dar: »Die Rechtslage ist die, dass der Zivildienst keine regulären Arbeitsplätze im Sozialbereich ersetzen darf. Das heißt, er ist arbeitsplatzneutral.« Statt Zivildienst setzt sich Bonde für die verstärkte Förderung des freiwilligen sozialen Jahres ein: »Dieser Dienst sollte attraktiver gestaltet werden.« Dieser Forderung kann sich auch Elvira Drobins-ki-Weiß anschließen: »Das freiwillige soziale Jahr sollte forciert werden.« Die SPD-Politikern spricht sich für eine verstärkte Werbung aus, für eine frühe Vermittlung in den Schulen: »Die jungen Menschen profitieren persönlich enorm von diesem Dienst. Es ist wichtig, Verantwortungsbewusstsein dem Anderen gegenüber zu lernen.« Auch der Regierungsabgeordnete Peter Weiß kann sich mit dieser Argumentation anfreunden: »Das freiwillige soziale Jahr sollte ausgebaut werden.« Weiß will dies mit bestimmten Anreizen bewerkstelligen: »Zum Beispiel könnte man Kindergeld weiterbezahlen und einen rechtlichen Status für diesen Dienst schaffen.« Ein Anreizsystem, um Freiwilligendienste (im sozialen und ökologischen Bereich) attraktiver zu machen, befürwortet auch Sibylle Laurischk. Sie könnte sich vorstellen, dass junge Leute, die sich so für die Gesellschaft engagieren, mit Boni bei der Studienplatzsuche belohnt werden oder ihren sozialen Dienst auf Berufspraktika anrechnen können. »Massiver Einschnitt« Keiner der Ortenauer Bundestagsabgeordneten hält derzeit die Einführung eines generellen sozialen Pflichtjahres – statt Wehrdienst und Zivildienst – für geboten. Bonde hält diesen »Zwangsdienst« schlicht für rechtswidrig: »Das wäre ein massiver Einschnitt in die Lebensplanung der jungen Menschen«, so Bonde, der bei einem Pflichtdienst auch eine »Entwertung sozialer Berufe« befürchtet. Auch für Elvira Drobinski-Weiß hätte ein Pflichtdienst im sozialen Bereich »ein Geschmäckle«. Sibylle Laurischk betont, dass »wir Liberale lieber an den mündigen Bürger appellieren«. Wer im Turbo-Tempo ohne Zeitverlust Physik studieren wolle, der solle nicht durch einen Pflichtdienst daran gehindert werden. Einzig Peter Weiß könnte sich ein verpflichtendes soziales Jahr vorstellen – aber nicht zur Zeit: »Solange die sozialen Einrichtungen selbst gegen einen Pflichtdienst sind, weil sie unmotivierte Mitarbeiter fürchten, solange muss sich die Politik nicht mit diesem Thema beschäftigen.« Denn, so Weiß, »aufnötigen wollen wir den sozialen Dienst niemandem«. Edmund Taller, Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt Ortenau, bestätigt die These von Peter Weiß, dass soziale Einrichtungen gegen »Pflichtdienste« seien: »Bei unserer Arbeit kommt es auf Vertrauen an, man muss eine Beziehung zu einem Menschen aufbauen können – das ist ohne Lust und Überzeugung kaum möglich.« Taller schwärmt dagegen von den freiwilig Dienst Leistenden, die für 280 Euro »Taschengeld« plus Krankenversicherung »eine wunderbare Arbeit« machen würden.

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