Oberkirch/Rheinau

Apfelpreise sind »verheerend«

Autor: 
Stefan Angele
Lesezeit 4 Minuten
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29. September 2014

Sowohl mit der Menge als auch mit der Qualität ihrer Äpfel sind viele Ortenauer Obstbauern durchaus zufrieden. Was ihnen aber Sorge bereitet, ist das momentane Preisgefüge. ©Archivfoto Mittelbadische Presse

Wenig Freude trotz reicher Ernte: Die Natur meinte es gut mit der Ortenauer Apfelwirtschaft. Glücklich darüber ist jedoch kaum jemand, denn die Preise sind im Keller. Ob Erzeuger, Kelterei oder Großmarkt – der russische Importstopp sorgt für Unruhe und ist nicht die einzige Sorge der Branche.

Sinkender Pro-Kopf-Verbrauch bei Fruchtsäften, Restbestände aus dem Vorjahr, Preisdruck der Discounter – und dann auch noch der russische Importstopp, durch den EU-Obst auf den deutschen Markt drängt: Die Freude über die üppige Apfelernte 2014 wird auch in der Ortenau getrübt durch die zurzeit sehr schwierige Marktlage. An sich sollte es ja heißen: reiche Ernte, volles Portemonnaie, aber: »Die Rahmenbedingungen müssen dafür ebenfalls stimmen«, sagt Michael Roßmann, Geschäftsführer des Oberkircher Obstgroßmarkts (OGM), im Gespräch mit der Mittelbadischen Presse. In der aktuellen Gemengelage sei der Preis pro 100 Kilo Mostobst jedoch von 16 bis 18 Euro auf vier bis fünf Euro gefallen, berichtet Roßmann. »Das ist verheerend schlecht. Und auch der Preis für Tafelobst ist im Vergleich zum Vorjahr etwa um die Hälfte gesunken.«

Äpfel aus dem Ausland
Direkte Handelsbeziehungen mit Russland habe der OGM nicht. Ob über Zwischenhändler Ortenauer Äpfel vor dem Importstopp auch in russischen Obstkörben landeten, wisse er nicht. Früchte aus Spanien, Polen und anderen EU-Ländern landen nun aber verstärkt in Deutschland. Ein Umstand, der die Situation noch verschärft: Schon 2013 war für den OGM ein Apfel-Rekordjahr. Die regionalen OGM-Zulieferer zum Beispiel ernteten in der vorangegangenen Saison 14 300 Tonnen Tafeläpfel, Einserware – soviel wie noch nie zuvor. »Wenn zum Start der Erntezeit noch sehr viele Früchte aus dem Vorjahr auf dem Markt sind, drückt das auch von Saisonbeginn an auf die Preise.« Jedoch insbesondere aus dem Alten Land und der Bodenseeregion sind noch große Mengen Äpfel aus dem vergangenen Jahr auf dem Markt. »Hauptsächlich Jonagold«, weiß Roßmann.

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Das Obstbaugeschäft müsse stets über mehrere Jahre hinweg betrachtet werden. Solche Krisen gebe es immer wieder mal. »Zu hoffen ist, dass nach einem schlechten Jahr auch wieder ein gutes folgt. Schön wäre es, wenn jeder Verbraucher einen kleinen Teil zur Krisenbewältigung beiträgt: mehr deutsche Äpfel essen oder auch öfters zum Apfelsaft greifen.«
Nicht nur bei den Tafeläpfeln, auch in den Tanks der großen Fruchtsaftbetriebe lagern noch Bestände aus 2013. »Das fördert den Preisdruck«, sagt Obstbauer Markus Schappacher. Der Oberkircher liefert einen Großteil seiner Äpfel an den OGM – rund 75 Prozent davon ist Tafel-, der Rest Mostobst.

Ziel: Kostendeckung
Je nach Lage seien seine Pflanzen zwar von Hagel erwischt worden, aber insgesamt seien Menge und Qualität ordentlich. Der viele Regen habe die Äpfel groß werden lassen. Inwieweit sich die aktuelle Marktsituation finanziell niederschlägt, kann Schappacher noch nicht sagen, da erst im Juni 2015 wieder abgerechnet werde, aber: »Bei den momentanen Preisen ist zu befürchten, dass wir froh sein können, wenn wir kostendeckend bleiben.«
Horst Zimmer-Zimpfer, der in Rheinau-Helmlingen eine Fruchtsaftkelterei betreibt, bewertet die Situation als »sehr unbefriedigend«. Das aktuelle Preisgefüge stelle eine Gefahr vor allem für kleine Keltereien dar. »Die Discounter freuen sich natürlich«, sagt er im Gespräch mit der Mittelbadischen Presse. Fruchtsäfte werden immer weniger getrunken. Bei Apfelsaft sank der Pro-Kopf-Verbrauch binnen zehn Jahren von zwölf auf acht Liter jährlich. Viele würden zudem nicht mehr zum Saft aus der Region in der Glasflasche greifen, sondern zum günstigeren Tetrapak.

Schwieriger Markt
Weshalb der Saftkonsum kontinuierlich zurückgeht? »Für viele ein Rätsel«, sagt Zimmer-Zimpfer. »Früher haben wir viele Schulen beliefert; jetzt nicht mehr – wegen der Verletzungsgefahr bei Glasflaschen«, gibt er ein Beispiel für die Schwierigkeiten des Marktes. Halte die Krise indes weiter an, gefährde das die ganze Obstbau-Kultur: »Manche meiner Zulieferer meinten bereits, dass sie im Winter wohl Brennholz aus ihren Apfelbäumen machen werden.«

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